Erneuerung des Priestertums durch Leben in Gemeinsamkeit und Liturgie

Priester der Augustiner-Chorherren von der Unbefleckten Empfängnis über seine Kongregation

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Von Ann Schneible

ROM, 9. Juli 2012 (ZENIT.org). - Seit Anfang des 19. Jahrhunderts dienen die Augustiner-Chorherren von der Unbefleckten Empfängnis (CRIC) der Kirche, indem sie das Priestertum innerhalb der Diözesen erneuern und den Menschen ihrer Pfarreien die Liturgie näher bringen.
Pater Pasquale Vuoso aus San Pedro, Kalifornien, Oberer der CRIC in Kalifornien, sprach mit ZENIT über Geschichte und Aufgabe seiner Kongregation.

Gegründet wurden die CRIC Mitte des 19. Jahrhunderts von Adrien Gréa, Generalvikar der Diözese St. Claude in Südostfrankreich. Als Generalvikar war Adrien Gréa verantwortlich für die Priester seiner Diözese. In einer Zeit, als die post-revolutionäre Verfolgung der Kirche in Frankreich in vollem Gang war, versuchte Adrien Gréa, den Diözesanklerus zu erneuern.

Durch sein Interesse an der Kirchengeschichte stieß er auf die alte Tradition der Chorherren, die auf den heiligen Augustinus zurückgeht. „Bis etwa um das Jahr 800 oder 900“, erklärt Vuoso, „gab es eigentlich nur zwei Formen des religiösen Zusammenlebens: wer Laie war und in ein Kloster eintreten wollte, der wurde Benediktiner oder etwas in der Richtung. Wer als Priester in einer Klostergemeinschaft leben wollte, der wurde Chorherr. Die Tradition der Chorherren geht zurück auf den heiligen Augustinus.“

Gemeinsam mit anderen Priestern und mit jungen Männern, die in einem Knabenchor gesungen hatten, den Adrien Gréa geleitet hatte, gründete er die Augustiner-Chorherren von der Unbefleckten Empfängnis in Anlehnung an das, was er durch seine Studien gelernt hatte. Er bat Rom um Anerkennung als Kongregation. Da das Dogma der Unbefleckten Empfängnis erst kurz zuvor (1854) definiert worden war, verlieh der Heilige Vater der neuen Kongregation den Namen „Augustiner-Chorherren von der Unbefleckten Empfängnis“ und trug ihnen auf, das neue Dogma in der Welt bekannt zu machen.

Die CRIC haben eine doppelte Mission, erklärt Vuoso weiter. „Erstens, die Erneuerung des Engagements der Priester in den Pfarreien: also eine Erneuerung des Priestertums. Zweitens, ein Hervorheben der Liturgie. Jeder, der die Diakon- oder Priesterweihe empfängt, verspricht, das Stundengebet zu rezitieren: es war die Absicht des Kongregationsgründers, diesen Brauch unter allen Getauften auszuweiten“.
Das Stundengebet
Eine zentrale Aufgabe der CRIC ist es, die Gläubigen dazu anzuregen, das Stundengebet einzuhalten. „Das Stundengebet“, so Vuoso, „ist das Gebet der Kirche, es ist für jedermann. Es gehört nicht allein den Priestern: es gehört der Kirche“. Gréa, erläutert Vuoso weiter, „hatte verstanden, was die Kirche in ihrer Hierarchie ist, und wie sie aufgebaut ist. Er wollte die Menschen dazu anhalten, die Rolle zu übernehmen, die ihnen als ihr Recht zusteht, denn das Stundengebet gehört nicht nur den Priestern, sondern allen Gläubigen“
Gemeinschaftliches Leben für Priester.

Ein weiteres Anliegen der CRIC ist das gemeinschaftliche Leben der Diözesanpriester. „Wir sehen in der Gemeinsamkeit einen Weg, das priesterliche Leben zu stärken und zu erneuern, und wir betrachten die Liturgie und ganz besonders das Stundengebet als ein Mittel, das Volk Gottes stärker in die Mission der Priester mit einzubinden“.

„Es ist einfach schwer, ein einsames Priesterleben zu führen. Der Psalm sagt: ‚wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen‘ (Ps 133,1). Der heilige Augustinus lehrt: wenn du Priester sein willst, musst du mit mir Leben. Diese brüderliche Nächstenliebe ist die Quintessenz des priesterlichen Charismas“.

„Was mich betrifft“, endet Vuoso, „denke ich an den heiligen Augustinus. Er wollte in einer Bruderschaft leben; das war seine Familie. Und ich glaube, das ist wirklich die Aufgabe von uns CRIC: Familienleben, Gemeinsamkeit und Nächstenliebe zu fördern. Wie soll man diesen Sinn für Familien mitteilen? Man lebt ihn einfach vor“.

[Übersetzung des englischen Originals von Alexander Wagensommer]