Erneutes Gespräch zwischen italienischem Zeitungsgründer Scalfari und dem Papst

Themen sind Krise der Familie, Pädophilie und die Mafia

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 264 klicks

Am Sonntag hat die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ einen Artikel ihres Gründers, dem 90jährigen Eugenio Scalfari, über ein Gespräch mit Papst Franziskus publiziert. Das Gespräch zwischen Scalfari und dem Papst hatte am vergangenen Donnerstag in Santa Maria stattgefunden und war anschließend aus dem Gedächtnis von Scalfari niedergeschrieben worden.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, die Berichterstattung könne als tendenziös beurteilt werden, Zitate des Papstes seien nicht als authentisch anzusehen, da keine Autorisierung vorlege, besonders bezüglich von Aussagen zum Thema Zölibat und zu Fällen von Pädophilie unter Kardinälen. Schon in einem anderen Artikel vom Oktober vergangenen Jahres über ein Gespräch mit dem Papst hatte Scalfari Aussagen des Papstes als Zitate kenntlich gemacht, obwohl er keine Aufzeichnungen gemacht hatte. In einem Kommentar, der in der italienischen Onlineausgabe von Radio Vatikan veröffentlicht wurde, merkte Lombardi an, dass bei einigen Zitaten zwar die Anführungszeichen zu Beginn eines Absatzes gesetzt würden, aber nicht am Ende, was die Frage aufkommen lasse, ob es sich nicht um bewusste Lesermanipulation handle.

In dem Artikel heißt es, Papst Franziskus sei erschüttert, dass die meisten Fälle von Pädophilie im familiären und verwandtschaftlichen Umfeld geschehen würden, da die Familie eigentlich ein Schutzraum für die Erziehung der Kinder sein solle. Der Papst bedaure, dass viele Eltern in ihrem Leben andere Prioritäten setzen würden, als die Erziehung der Kinder, was zu einer schleichenden Verwahrlosung der Kinder und zur Verbreitung anderer Laster wie zum Beispiel Drogensucht führe. Die Kirche bekämpfe diese Entwicklung und setze sich für eine gute Erziehung von Kindern ein.

Bezüglich des Themas der Pädophilie in der Kirche, so Scalfari, habe Papst Franziskus gesagt, nach seiner Kenntnis seien im Klerus etwa 2 Prozent pädophil veranlagt, darunter Bischöfe und Kardinäle. Diese Aussage dementierte Vatikansprecher Federico Lombardi bereits. In dem Text heißt es weiter, die Zahl beruhige den Papst jedoch nicht, sondern sehe dies als äußerst schwerwiegend an. So sei auch das Schweigen der Mitwisser unhaltbar und er habe die Absicht, die Probleme mit Strenge anzugehen.

Im Folgenden geht der Text auf das Gesprächsthema der absoluten Freiheit des Menschen zur Sünde und die Frage nach der Reue „auf dem Sterbebett“. Auf die Frage Scalfaris, ob die Aussicht auf Barmherzigkeit „in letzter Minute“ nicht dazu führen könne, sich die Hoffnung auf ein Jenseits zu bewahren ohne das eigene Leben im Jetzt zu ändern, habe der Papst geantwortet, dass nicht der Mensch richte, sondern der Herr, der allwissend sei. Die Barmherzigkeit Gottes sei unendlich und könne nicht in eine Falle gelockt werden, denn wenn die Reue nicht ehrlich sei, könne auch die Barmherzigkeit nicht ihr erlösendes Werk ausüben. Der Papst habe gegenüber dem bekennenden Atheisten Scalfari betont, dass das Gewissen frei sei. Jedoch seien diese Probleme Kernfragen der Theologie und man müsse dazu vor allem die Weisheitsbücher der Bibel und das Buch Hiob studieren. 

Scalfari habe Papst Franziskus auch auf sein Verhältnis zur Mafia angesprochen, so der Autor selbst und dieser habe ihm gestanden, dass er nicht nachvollziehen könne, wie die Mafia funktioniere, in Argentinien habe er damit keine Erfahrung gemacht und er lese darüber viele Bücher. Daraufhin habe Scalfari ihm erklärt, um was für ein System es sich handle und wie dies funktioniere. In diesem Zusammenhang habe Papst Franziskus an die öffentliche Anklage von Johannes Paul II. erinnert und habe gesagt, es sei gut, dass die Priester den Opfern der Mafia beistehen würden, aber es sei selten, dass sie die Mafia öffentlich ächten würden. Er selber habe nicht vor, es bei einem einmaligen Appell zu belassen, sondern werde die Probleme beständig anprangern: Pädophilie und Mafia, zwei der wichtigsten Fragen für die Kirche, so Scalfari.

Auf die abschließende Frage Scalfaris hin, wann das Problem des Zölibats in der katholischen Kirche angegangen werde, habe Papst Franziskus geantwortet, dass das Problem keines großen Ausmaßes sei und es Zeit brauche. Es gebe Lösungen und er, Papst Franziskus, werde sie finden, so Scalfari.