Eröffnung des Seligsprechungsprozesses für den Bruder der heiligen Gianna Beretta

„Geschwister von spektaktulärer Bedeutung für die heutige Welt“

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SAO PAULO, 2. Juli 2008 (ZENIT.org).- Seine Schwester ist bereits eine Heilige, und nun könnte auch er bald in diesen Stand erhoben werden: Bruder Albert Beretta, der 33 Jahre lang als italienischer Missionar in Brasilien wirkte, sei Beispiel für das Ideal der Heiligkeit, erklärt Bischof Serafim Spreafico, der mit ihm arbeitete.



Nach der Heiligsprechung seiner Schwester Gianna Beretta aufgrund ihrer Entscheidung, ihr Leben zur Rettung ihres ungeborenen Kindes einzusetzen, wurde nun auch der Prozess der Heiligsprechung für den leiblichen Bruder der Heiligen, Albert Beretta, eingeleitet. Serafim Spreafico, der Altbischof von Grajau, Maranhao in Nordbrasilien, berichtet im Gespräch mit ZENIT über das Leben seines Landsmannes und Bruders im Kapuzinerorden, mit dem er 20 Jahre lang eng zusammengearbeitet hat.

Albert Beretta, 1916 in Mailand geboren, war Arzt und Chirurg, bis er 1948 zum Priester des Kapuzinerordens geweiht wurde. Ein Jahr später brach er nach Brasilien auf. Bischof Spreafico beschreibt ihn als einen „Zeugen der Seligpreisungen“, aber auch als „Zeugen der Gegenwart Gottes in jeder Person, vom Anfang des Lebens bis seinem Ende“.

An eine Episode erinnert er sich besonders: „Bei meiner Ankunft war Bruder Albert bereits längere Zeit vor dem Tabernakel im Gebet vertieft. Da fragte er mich: ‚Werden wir Gott im Himmel näher sein, als wir es hier und jetzt vor dem Tabernakel sein können?’ Ich war überrascht über die Einfachheit, in der er mir diese Frage stellte, denn in so einfacher Weise lebte er Gottes Gegenwart. Ich antwortete ihm: ‚Ja, denn im Himmel werden wir in Gott eintauchen, wie der heilige Thomas sagt.’ Er kehrte daraufhin wieder zu seinem stillen Gebet zurück.“

Auch eine Missionarin: Alberts heilige Schwester Gianna
Gianna (1922-1962) wollte ebenfalls nach Brasilien gehen, um an der Seite ihres Bruders als Missionarin zu arbeiten, so Bischof Spreafico. Über sieben Jahre bereitete sie sich darauf vor. Ihr schlechter Gesundheitszustand erlaubte es ihr jedoch nicht. „In spiritueller Hinsicht war und ist sie Missionarin in Brasilien, und zwar in solchem Ausmaß, dass in diesem Land die beiden Wunder geschahen, die schließlich zu ihrer Heiligsprechung führten“, erklärte der Hirte.

Auch Gianna war Ärztin. Sie heiratete, und hatte vier Kinder. Als sie mit ihrer Tochter Gianna Emanuela schwanger war, bildete sich ein Geschwulst in der Gebärmutter. Anstatt abzutreiben oder die Gebärmutter operativ zu entfernen, entschied sie sich für eine Entfernung des Geschwulstes – trotz des hohen Risikos der zu erwartenden schweren Komplikationen. Sie gebar Gianna Emanuela, starb jedoch eine Woche darauf. 1994 wurde Gianna selig- und 2004 heilig gesprochen, in Anwesenheit ihres Ehemanns wie auch ihrer Tochter Gianna Emanuela.

Bischof Spreafico sagte gegenüber ZENIT, er vertraue sich selbst immer der heiligen Gianna und ihrem Bruder Albert an. „Als Mitglieder meiner Diözese müssen mir die beiden Geschwister gehorchen“, meinte der Bischof verschmitzt. „Daher bete ich zu ihnen, dass sie Brasiliens Kirche zu vielen Gnaden und zur Heiligkeit verhelfen mögen. Sie sind Geschwister von spektakulärer Bedeutung für die heutige Welt, außergewöhnliche Beispiele der Geschwisterlichkeit und familiären Heiligkeit“, so der Bischof.

[Von Alexandre Ribeiro; Übersetzung von Johannes Pernsteiner]