Erreichbares Ziel: eine heilige Familie

Impuls zum ersten Sonntag nach Weihnachten

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 1349 klicks

Unsere Zeit hat das Talent, alle Zusammenhänge im Leben der Menschen, auch die allereinfachsten, zu verkomplizieren.

Da ist die Einrichtung der menschlichen Familie.

In allen Kulturen und zu allen Zeiten sehen die Menschen in dem Zusammenhalt von einem Mann mit einer Frau und dem aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kind bzw. Kindern eine Familie. Und da dies offensichtlich etwas Wertvolles ist, zunächst biologisch und dann auch ethisch,  genießt sie allenthalben ein unbestrittenes Ansehen. Sie gehört zu den kostbaren Dingen, die so selbstverständlich sind, dass man gar nicht weiter darüber reden muss.

Die Epoche der Menschheitsgeschichte, in der wir leben, und die eine ganze Reihe von mehr oder weniger gescheiterten Weltanschauungen hinter sich hat, empfindet offensichtlich das Bedürfnis, die allerselbstverständlichsten Dinge infrage zu stellen. In dieser Hinsicht sind wir alle unbewusst Erben jenes unseligen Mao Tse Tung, der mit seiner Idee der permanenten Kulturrevolution die ideologische Grundlage dafür lieferte, dass nichts Festgefügtes bleibenden Bestand haben darf, sondern dass alles und jedes immer wieder infrage gestellt werden muss, und so die Menschen nicht zur Ruhe kommen können.

Die Weihnachtszeit bietet uns – sozusagen als Nebeneffekt – das Bild eine Familie, das man mit Fug und Recht ein Urbild nennen kann. Die Heilige Familie, Jesus, Maria und Josef, diese Drei sind ja nicht nur die Protagonisten des größten Ereignisses der Weltgeschichte, nämlich der Menschwerdung Gottes – der Allmächtige Gott wird aus der Jungfrau Maria geboren durch Wirken des Heiligen Geistes.

Gleichzeitig wollte aber der gleiche Gott, dass diese so außerordentliche Mutter („Jungfrau vor, nach und in der Geburt“, wie Papst Benedikt XVI. in seinem dritten Jesus-Buch erinnert) zusammen mit ihrem noch außerordentlicheren Kind, das Gott und Mensch zugleich ist, und dem Vater, der außerordentlicher Weise nicht sein leiblicher Vater ist, das Urbild der Familie darstellen sollte.

Mit diesen besonderen Merkmalen, die im Leben der „normalen“ Familien nicht vorkommen, soll uns wohl, auch wieder nebenbei, gezeigt werden, dass

- die Jungfräulichkeit einen hohen Stellenwert hat, obwohl oder gerade weil sie in den „normalen“ so Familien nicht vorkommt, ferner dass

- die Eckpfeiler einer Familie ein Mann und eine Frau sind, selbst wenn sie an der  Zeugung der Kinder nicht selber beteiligt sind, und dass schließlich

- in der Gestalt dieses Kindes jeder Mensch insofern repräsentiert ist, als auch er göttlich werden soll, was er zunächst natürlicherweise nicht ist.

Äußerst reizvoll ist dann aber der Kontrast zwischen diesen außerordentlichen Merkmalen der drei Personen und ihrem ganz und gar gewöhnlichen Leben hier auf Erden. Da gibt es auch – vor allem am Anfang – schwere Lebensumstände, wie die arme Geburt in einem Stall und die Flucht nach Ägypten. Aber man kann wohl nicht sagen, dass sonst im Leben einer „normalen“ Familie nicht auch ausnahmsweise schwere Zumutungen vorkommen. Eigentlich verweisen sie sogar darauf, dass im Ganzen gesehen das Leben dieser Familie außerordentlich gewöhnlich verläuft. Der Lebensinhalt dieser Eltern und dieses Kindes sind, abgesehen von den erwähnten „Anfangsschwierigkeiten“, im wahrsten Sinne des Wortes normal: da ist die Arbeit, und zwar eine einfache Handwerkerarbeit, mit der sich jeder identifizieren kann; da ist ein Tagesablauf, wie er in jeder Familie vorkommt, die nicht besonders wohlhabend ist, die also auch Entbehrungen kennt. Für Maria eine Hausarbeit, die weder Personal noch die Erleichterungen der modernen Haustechnik kennt. Aber – wir können es uns nicht anders vorstellen – immer dieser Friede, der eine Familie erfüllt, wenn sie sich dem Willen Gottes anvertraut.

Mit anderen Worten, wenn eine Familie – egal in welcher Zeit und in welcher Kultur – sich nach einem idealen Vorbild umschaut, wird sie es hier finden. Und sie wird bei einer im Glauben vollzogenen Nachahmung derselben feststellen, dass all das Gewöhnliche des alltäglichen Lebens Gelegenheit sein kann, im christlichen Sinne heilig zu werden und schließlich selber eine heilige Familie zu werden.