Erste Bilanz: P. Lombardi SJ über den Papstbesuch im Heiligen Land

Interview mit Radio Vatikan

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JERUSALEM, 16. Mai 2009 (ZENIT.org/RV).- Benedikt XVI. werde dem Heiligen Land auch in der Zukunft „noch sehr viel zu sagen haben“, erklärte gestern, Freitag, P. Federico Lombardi SJ kurz vor dem Rückflug nach Rom in einer ersten Bilanz der Pilgerreise. „Es bleibt nicht nur bei seiner ersten Botschaft, die sehr klar war“, kündigte der Leiter des Pressebüros des Heiligen Stuhls gegenüber Stefan Kempis von Radio Vatikan an. Papst Benedikt habe außerdem eines deutlich gemacht: „Es ist für die Menschheit tief spirituell wichtig, die Heiligen Stätten zu bewahren und anzunehmen.“ Er sei als erster Pilger gekommen, um ein Zeichen zu setzen, dem man folgen sollte.



Pater Lombardi, wie ist Ihre Bilanz der Papstreise?

Für mich ist die Reise des Papstes deswegen ein großer Erfolg, weil seine Friedensbotschaft mit einer besonderen Tiefe vermittelt wurde. Der Papst hat aber nicht nur gesprochen, er hat auch viel zugehört, das hat er oft bewiesen. Er hat den vielen Reden zugehört, mit ihren verschiedenen Ansichten und Problemen, der Juden, Moslems und der Christen der verschiedenen Konfessionen und Riten. Die Reden waren auch oft sehr gespannt und emotional aufgeladen. So hat er die Probleme aus den verschiedenen Perspektiven kennen gelernt, was er auch als Erfahrung mitbringen wird. Er hat hier eine Beziehung zum Heiligen Land aufgebaut, die weitergehen wird. Er wird in der Zukunft dem Heiligen Land noch sehr viel zu sagen haben. Es bleibt nicht nur bei seiner ersten Botschaft, die sehr klar war.

Der Papst hat in seinen Reden und Predigten auch politisch sehr klar gesprochen. Klarer, als viele das erwartet hatten, zumal seine Reise als Pilgerreise angekündigt war...

Der Papst hat immer gesagt, dass er als religiöser Führer kommt und als Hirte der katholischen Kirche. Aber er hat auch immer gesagt, dass unser Glaube Konsequenzen für unser Leben hat. Der Glaube hat immer klargestellt, dass die Gerechtigkeit die Grundlage für den Frieden ist. Und in diesem Sinne muss man auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Denn Frieden zu bilden bedeutet, die konkreten Probleme zu sehen und versuchen sie zu lösen.

Natürlich hat der Papst gesagt, dass er keine politische Lösung parat hält, aber er hat ganz klare grundlegende Prinzipien. Beispielsweise das fundamentale Recht dieser Menschen auf ihre Heimat. Das solle durch eine klare politische Lösung durchgesetzt werden. Der Papst hat auch die internationale Staatengemeinschaft zur Hilfe aufgerufen, damit den Völkern hier geholfen wird eine Lösung zu finden. Sie brauchen mehr Solidarität.

Was war für Sie das eindringlichste oder schönste Bild auf dieser Reise?

Ich habe zwei Bilder dieser Reise im Gedächtnis, die mich stark beeindruckt haben. Einmal das Bild, dass der Papst mit den Führern der anderen Religionen in Nazareth zusammen singt und die Hände hält, in einer ganz klaren freundschaftlichen und friedlichen Geste.

Und das zweite Bild, als der Papst im Caritas Baby Hospital war. Mit einem zweieinhalb Kilo leichten Kind, das er in seinen Armen hält. Das ist ein symbolisches Bild dafür, wie zerbrechlich der Friede und die Hoffnung in dieser Region ist. Aber der Papst nimmt das Kind und damit symbolisch diesen Konflikt in seine Hände und hofft, dass dieses Leben stark wird und Fülle und Freude erfahren wird. Das war ein ganz starkes Symbol der Hoffnung für mich, welches der Papst mit seiner Reise erreichen wollte.

Pilgerreise von Papst Benedikt - aber nicht nur zu den christlichen heiligen Stätten, sondern auch zu denen, der zwei anderen großen monotheistischen Religionen hier in der Region...

Es mag sein, dass die Besuche des Papstes zu den Pilgerstätten der anderen Religionen mehr Aufmerksamkeit erfahren haben als zu den christlichen Pilgerstätten. Der Papst war beispielsweise am Berg Nebo, an der Stelle der Taufe, auf Golgota, in Nazareth und in Bethlehem. Aber für die Menschen war es sicherlich wichtiger, dass er in Yad Vashem, an der Klagemauer, in der Moschee in Amman und im Felsendom in Jerusalem war. Das hat eine tiefe Bedeutung, denn der Papst spricht immer von dem Recht der Gläubigen der drei Religionen, zu den heiligen Stätten pilgern zu dürfen. Und der Papst ist sogar an die Stätten aller drei Religionen gepilgert und hat bewiesen, wie heilig diese Stätten für die drei großen Religionen sind. Das ist ein wirklich großes Beispiel und kann Frieden stiften. Das ist es, was alle verstehen müssen. Es ist für die Menschheit tief spirituell wichtig, die Heiligen Stätten zu bewahren und anzunehmen. Der Papst ist als erster Pilger gekommen und hat ein Beispiel dafür gegeben, das hoffentlich alle verstehen werden.