Erste britische Anglikanerführer suchen volle Gemeinschaft mit Rom

Führender Vertreter spreicht von Aufregung und Unsicherheit

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LONDON, 10. November 2009 (ZENIT.org).- Anglikaner, die sich um die volle Gemeinschaft mit Rom bemüht haben, zeigen erste positive Reaktion auf die gestern veröffentlichte Apostolischen Konstitution, die beschreibt, wie ihre persönlichen Ordinariate kirchenrechtlich gehandhabt werden (ZENIT berichtete).

In einem Bericht, der gestern im „Messenger-Journal“, der britischen Provinz der Traditional Anglican Communion (TAC) erschien, erklärten sie: Wir sind die ersten ,die auf diese Initiative des Vatikans eingehen werden“. In einer Synode im Priorat von St. Catherine's, einem restaurierten Klostergebäude das einst von Heinrich VIII. zerstört worden war, tagten die leitenden Kräfte der TAC. Einmütig hätten sie diesen Schritt beschlossen. Dies noch bevor die endgültigen Regelungen des Vatikans veröffentlicht worden waren.

Die Traditional Anglican Communion (TAC) ist eine internationale Gemeinschaft von derzeit 14 Kirchen anglikanischer Tradition, die sich von der Anglikanischen Gemeinschaft um den Erzbischof von Canterbury getrennt haben. Die Gemeinschaft entstand nach einem im Jahre 1977 zu St. Louis unter dem Einfluss von Louis Falk durchgeführten Kongress von über 2000 anglikanischen Bischöfen, Priestern und Laien. Nach eigenen Angaben zählt die TAC 400.000 Mitglieder.

Anlass für die Abwendung vieler Anglikaner von ihren Kirchenleitungen war die Einführung weiblicher Bischöfe in mehreren Ländern und die Weihe des „bekennenden“ Homosexuellen Gene Robinson zum Bischof der US-Diözese New Hampshire. Beides war bei traditionsorientierten Anglikanern auf heftigen Widerstand gestoßen; einige suchten seither nach Wegen für eine Beheimatung in der katholischen Kirche.

Der Gottesdienst der TAC wird teilweise nicht nach dem Book of Common Prayer gehalten, sondern nach dem 1921 entstandenen Anglican Missal, das den liturgischen Gebrauch in England vor der Reformation widerspiegelt (Sarum-Ritus).

Rom sei „sehr großzügig“ erklärte Bischof John Broadhurst. „Heute sind alle dazugehörigen Papiere veröffentlicht worden, und sie sind sehr beeindruckend“. Sich an die Lehre der Katholischen Kirche zu halten, so erklärte Bischof Broadhurst sei einfach und gehöre schon lange zum Glaubensgut der Gruppe.

Im Jahre 2007 haben die Bischöfe der Traditional Anglican Church den Katechismus der Katholischen Kirche anerkannt und den Vatikan um die Herstellung voller kirchlicher Gemeinschaft gebeten. Die Glaubenskongregation antwortete im Juli 2008, dass dieses Anliegen ernsthaft in Betracht gezogen würde.

Bereits vor eineinhalb Jahren war ein Schreiben Levadas an den Erzbischof der „Traditional Anglican Communion“ (TAC), John Hepworth, bekanntgeworden. In dem Schreiben an Hepworth hatte es geheißen, der Vatikan prüfe Einigungswege für traditionsorientierte Anglikaner. Die Glaubenskongregation lege ihr Augenmerk auf eine „corporate unity“ mit der „Traditional Anglican Communion“.

Hepworth hatte zusammen mit anderen Vertretern der TAC im Oktober 2007 die Glaubenskongregation aufgesucht. Kardinal Levada bestätigt in seinem Schreiben vom Vorjahr, dass seine Kongregation die damals vorgebrachten Vorschläge studiere. Die Situation der Anglikanischen Gemeinschaft sei in den vergangenen Monaten komplexer denn je geworden, so Levada damals in dem vom Empfänger veröffentlichten Brief.

„Wir alle müssen uns jetzt die Frage stellen: Was ist das, was wir wollen?“ erklärte der Bischof. „Für einige von uns, so vermute ich, ist die Überraschung erst einmal perfekt! Dies ist eine sowohl aufregende wie schwierige Zeit für das Christentum in diesem Land".

„Diese Situation darf nicht verwendet werden, um der Kirche von England zu schaden, aber ich glaube, wir haben einen berechtigten Anspruch auf unser eigenes Erbe in der Geschichte", schrieb er.