Erster Kongress deutscher und lateinamerikanischer Theologinnen in Buenos Aires

Interview mit Prof. Dr. Virginia Azcuy und Prof. Dr. Margit Eckholt (Teil 1)

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BUENOS AIRES/ MÜNCHEN, 15. Februar 2008 (ZENIT.org).- Zum ersten Mal wird vom 25. bis zum 27. März 2008 in Buenos Aires (Argentinien) ein gemeinsamer Kongress deutscher und lateinamerikanischer Theologinnen durchgeführt.

Der Kongress wird von der argentinischen Theologinnengruppe „Teologanda“ und AGENDA – Forum katholischer Theologinnen e.V., in Kooperation mit SCLA, Secretariat for Churchs in Latin America, ADVENIAT und dem Stipendienwerk Latein­ame­rika-Deutschland e.V. veranstaltet. In der Osterwoche werden in der Universität von Salvador/San Miguel in Buenos Aires unter den Leitworten: „Bio­graphien - Institutionen - Citizenship" vier große Themenbereiche behandelt werden: Theologie und Identitäten, Bibel und Erzählungen, Kirche und Familie, Pastoral und Öffentliches Leben. 30 verschiedenen Arbeits­gruppen sollen angeboten, 100 Referate vorgetragen werden.

Ziel des einzigartigen Projektes ist es, durch den Zugang über unterschiedliche kulturelle Kontexte und Generationen auch im Austausch von Frauen und Männern neue Wege theologischen Arbeitens im Schnittfeld von Kirche und Gesellschaft zu erschließen.

ZENIT sprach mit der Projektleiterin in Buenos Aires, Prof. Dr. Virginia Azcuy, Professorin für Dogmatik und Spiritualität an der Pontificia Universidad Católica (Buenos Aires) und an der Universidad del Salvador (San Miguel), sowie mit Prof. Dr. Margit Eckholt, Professorin für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern. Letztere ist Mitglied des wissenschaftlichen Vorbereitungskomitees zum Kongress. Beide erläutern, worum es gehen wird.

ZENIT: Frau Azcuy, Sie haben vor rund fünf Jahren die Theologinnengruppe „Teologanda“ ins Leben gerufen. Wie kam es dazu? Wer gehört zu „Teologanda“? Was sind ihre Ziele?

Virginia Azcuy: Es war im Jahr 1998. Ich hatte meine Doktorarbeit mit Hilfe einer Studienförderung durch das „Stipendienwerk Lateinamerika-Deutschland“(ICALA) gerade abgeschlossen, als wir, eine Gruppe von Theologinnen, die Notwendigkeit erkannten, uns privat zu treffen und unsere Erfahrungen über die Verflochtenheit unserer Lebensgeschichte mit der Theologie zu bedenken. Daraus entstand in den Jahren zwischen 2000 und 2002 unter der Leitung der Lehrbeauftragen Marcela Mazzini eine Arbeitsgruppe von Theologinnen.

Im Jahr 2002 lud mich die Arbeitsgruppe deutscher Theologinnen, AGENDA, zu einer Fachtagung mit lateinamerikanischen Theologinnen ein.

Für mich wurde das zu einer Art „Erweckungserlebnis“, um unter argentinischen Fachkolleginnen einen öffentlichen Weg zu gehen. Mein Entschluss stand fest, an den Erfahrungen anderer Theologinnen solidarisch anzuknüpfen, die in den letzten Jahrzehnten in Lateinamerika und der Karibik einen solchen theologischen Aufbruch gewagt hatten.

ZENIT: War dieses Zusammentreffen sozusagen die Geburtsstunde von „Teologanda“?

Virginia Azcuy: „Teologanda“ entstand im April 2003 aus der Begegnung von rund 40 argentinischen Theologinnen heraus, als „Programa de Estudios, Investigaciones y Publicaciones“, also als Forschungsprojekt mit Hilfe der ortsansässigen Theologischen Fakultäten und der Unterstützung des ICALA. Das Projekt unterstützt als anvisierte Zielprojektion das Forum argentinischer Theologinnen und mögliche Formen seiner Vernetzung sowie die schrittweise Entwicklung eines gemeinsamen Weges der Theologinnen in Lateinamerika und der Karibik.

Im Rahmen dieser Unternehmungen kam es zur Förderung von Theologinnen, die die Durchführung eines Kongresses in Zusammenarbeit mit AGENDA mittragen wollten. Dies alles in der Hoffnung der Stärkung von Theologinnen in unserer Region.

ZENIT: Also ein Projekt von Frauen für Frauen?

Virginia Azcuy: Nein, der Weg der Frauen ist immer ein Unterwegssein mit Männern. Deshalb gibt es neben den „teologandas“, die am Kongress teilnehmen werden, auch männliche Teilnehmer und Referenten, die von Anfang an das ganze Forschungsprojekt und die Entwicklung neuer Perspektiven, die aus dem Dialog erwachsen sind, beratend begleitet haben.

ZENIT: Frau Eckholt, Sie haben sich als Hochschullehrerin im Fachbereich Systematische Theologie schon seit vielen Jahren als Expertin für lateinamerikanische Theologie profiliert. Wie kam es dazu? Gibt es biographische Eckdaten?

Margit Eckholt: Nach Abschluss meiner Promotion in Tübingen konnte ich drei Semester als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin und Gastdozentin in Santiago de Chile arbeiten. In Santiago wurde ich in eine ökumenische Theologinnengruppe am „Centro ecuménico Diego de Medellín“ eingeladen; es wurden Texte lateinamerikanischer feministischer Theologie gelesen. Über ein Wochenendseminar lernte ich die mexikanische, in San Diego lehrende Theologin María Pilar Aquino kennen und wurde so mit verschiedensten Herausforderungen, Hoffnungen und Wünschen lateinamerikanischer Theologinnen vertraut. Die chilenischen Theologinnen hinterfragten oft den „Elfenbeinturm“ deutscher universitärer Theologie.

Ein Feld der pastoralen und sozialen Verantwortung meines theologischen Arbeitens in Deutschland ist der Dialog mit lateinamerikanischen Theologinnen geworden, die Förderung von (jüngeren) Frauen in Lateinamerika durch die Ermöglichung von Forschungsprojekten und Studienaufenthalten in Deutschland und ihre Vernetzung mit deutschen Theologinnen.

ZENIT: Sie werden beim Internationalen Kongress von „Teologanda“ und AGENDA jetzt im März eines der Eröffnungsreferate halten. Was ist das Anliegen des Kongresses?

Margit Eckholt: Die lateinamerikanischen Länder erinnern in diesen kommenden Jahren an das „Bicentenario“, die 200 Jahre ihrer Unabhängigkeit von Spanien. In diesem Zusammenhang hat der Begriff der „citizenship“ in Latein­ame­rika an Bedeutung gewonnen. In Politik, Gesellschaft und Kirche werden auf unterschiedlichen Ebenen die Fragen von Demokratie, Partizipation und Menschenrechten diskutiert. Wichtig ist, dass Frauen sich quali­fiziert in diese Diskussionen einmischen. Wichtig ist auch, dass Theologinnen ihre eigenen Zugänge zur „citizenship“ in Gesellschaft und Kirche heute erschließen.

Der Kongress soll ein Beitrag dazu sein. Vor allem aber wird er zum ersten Mal in Argentinien eine große Zahl von Theologinnen „sichtbar“ machen. Es werden 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet: Frauen aus Mexiko, Mittelamerika, Kolumbien, Peru, Bolivien, Brasilien, Chile, Uruguay, den USA und Europa. Viele offizielle Vertreter der argentinischen Kirche werden dabei sein. Der Kongress stößt auf ein beeindruckendes Interesse – wir deutschen Theologinnen sind überrascht und erfreut.

[Das Interview führte Angela Reddemann]