Erstes Weltreffen von Priestern, Diakonen und Ordensleuten aus den Zigeunervölkern

Erzbischof Marchetto über die besonderen Herausforderungen

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ROM, 24. September 2007 (ZENIT.org).- Zum ersten Mal in der Geschichte treffen sich in diesen Tagen Priester, Diakone und Ordensleute aus aller Welt in Rom, die den Zigeunervölkern der Roma oder Sinti angehören. Gestern, Sonntag, wurde die Tagung im Haus der Vinzentinerinnen eröffnet. „Mit Christus im Dienst des Zigeunervolkes“, so das Motto des Treffens, das vom Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs organisiert wurde.



Papst Benedikt grüßte am Sonntag nach dem Angelus-Gebet die auf dem Petersplatz versammelten Teilnehmer der historischen Begegnung und wünschte ihnen, dass der Leitgedanke „Mit Christus im Dienst des Zigeunervolkes“ im Leben jedes Anwesenden immer mehr Gestalt annehmen möge. „Darum bete ich, und ich empfehle euch dem Schutz der Jungfrau Maria an.“ Weltweit leben rund 36 Millionen Zigeuner, von denen ungefähr 100 den Weg des Priesters und des geweihten Lebens gehen.

Am ersten Tag der Begegnung wurde dazu aufgerufen, jede Form der Diskriminierung gegenüber Zigeunern zu vermeiden. Gleichzeitig wurde an die Betroffenen selbst appelliert, sich mit der sie umgebenden Gesellschaft auszusöhnen, indem sie die Pflichten, die das gemeinsamen Zusammenleben auferlegt, respektieren.

In einer Erklärung gegenüber „Radio Vatikan“ berichtete Erzbischof Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, über die Besonderheit der Beziehung zu den Zigeunervölkern. „Die Zigeunerbevölkerung setzt sich aus verschiedenen Gruppen und Ethnien zusammen. Unter ihnen sind am meisten bekannt: Roma, Sinti, Manouche, Kalé, Yéniches und Xoraxané. Wir schätzen, dass es rund 100 geweihte Zigeuner gibt. Eine beträchtliche Zahl, etwa 20, stammt aus Indien. Danach folgen Ungarn wie auch die Slowakei und Spanien mit je zehn Priestern. Frankreich ist bis jetzt das einzige Land, in dem der National-Direktor der Zigeuner-Seelsorge ein Priester aus ihren eigenen Reihen ist. Ihm stehen ein weiterer Priester, drei Diakone und zwei Ordensfrauen zur Seite.“

Die Priester und Ordenleute aus den Zigeunervölkern sähen sich mit denselben Problemen konfrontiert wie ihre Völker: „Randdasein und Armut; mangelhafte Plätze zur Niederlassung, die so genannten ‚Zigeunerlager‘; Schwierigkeiten bei der Einschulung der Kinder und folglich eine hohe Analphabetenrate (je nach Region variiert diese Zahl zwischen 50 und 100 Prozent); Vorurteile, negative Stereotypen bis hin zu Formen von Rassismus; die Schwierigkeit, Arbeit, eine Berufsausbildung und Gesundheitsfürsorge zu bekommen. Zu diesen Problemen gesellt sich ein Minderwertigkeitsgefühl hinzu, ein selbst gewähltes Randdasein, Misstrauen, Distanz von der sie umgebenden Gesellschaft. Das alles schlägt sich auch auf die Berufung unter den Zigeunern nieder.“

Erzbischof Marchetto erklärte, dass einige Priester und Ordensmänner aufgrund der angeführten Schwierigkeiten nicht als das erscheinen wollten, was sie sind, nämlich Zigeuner; sie fürchteten, diskriminiert zu werden. „Nicht wenige Familien betrachten jedoch die Berufung als ein Geschenk und als ein echtes Gut für ihre Kinder. Allerdings kann sie die Angst, dass sie ihre ethnische Identität verlieren könnten, auch dazu veranlassen, sich gegen diese Lebensentscheidung zu stellen.“

Unter der Federführung des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs sind die „Orientierungen für die Pastoral der Zigeuner“ neu herausgegeben worden. Das gegenwärtig stattfindende Treffen kam durch den Impuls zustande, der von diesem Dokument ausging.