Erstmals das Thema Christenverfolgung im Schwedischen Reichstag

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BONN, 18. Dezember 2012 (ZENIT.org/BQS). - Erstmals in der Geschichte wurde das Thema Christenverfolgung und Religionsfreiheit im Gebäude des Schwedischen Reichstag in einem Seminar für Abgeordnete thematisiert. Das Seminar fand auf Initiative der beiden christdemokratischen Abgeordneten des Schwedischen Reichstages, Annelie Enochson und Andreas Carlson, statt und wurde von der Schwedischen Evangelischen Allianz und ihrem Öffentlichkeitsreferent Jacob Rudolfsson organisiert. Im Zentrum des Seminars stand der neueste Bericht des UN-Berichterstatters zur Religionsfreiheit zu Fragen des Religionsfreiheit, der ausgeteilt wurde.

Die Expertenrunde bestand aus: Katherine Cash, Expertin für Religionsfreiheit des Schwedischen Missionsrates und schwedische Repräsentantin im Beirat für Religionsfreiheit der OSZE in Wien, Thomas Schirrmacher, Direktor des International Institute for Religious Freedom, Soheila Fors, Hochschuldozentin für Fragen von durch Ehrverständnisse ausgelöste Gewalttaten, Nasrin Sjögren, Konvertit (für Open Doors), Katarina Tracz, Projektleiter des Stockholm Free World Forum, und Gabriel Donner, Anwalt für Asylsuchende mit religiös motivierten Asylgründen.

Schirrmacher erinnerte in seinem Beitrag zur Lage der Religionsfreiheit weltweit daran, dass die 1846 gegründete (Weltweite) Evangelische Allianz sich 1858 für sechs zum Katholizismus konvertierte Frauen einsetzte, die das oberste schwedische Gericht, der Königliche Gerichtshof, wegen der Konversion gemäß Strafgesetzbuch des Landes verwiesen hatte. Die europaweit organisierten Proteste und Aktionen waren so Forscher ein wesentlicher Faktor, dass der schwedische Reichstag die Strafen für das Verlassen der lutherischen Staatskirche 1860 ganz abschaffte ein großer Schritt in Europa hin zur völligen Religionsfreiheit.

Im Anschluss an die Anhörung fand ein Fackelmarsch und eine Kundgebung auf dem Palastvorplatz statt, an der allein 300 nach Schweden geflohene Konvertiten teilnahmen, die für das Recht auf Religionswechsel demonstrierten und von der Konvertitenvertretung „Set My People Free“ zusammengerufen wurden.

Der Fackelzug endete in der St. Klara-Kirche gegenüber dem Hauptbahnhof. Dort fand zur Eröffnung des Weltweiten Gebetstages für verfolgte Christen die mit rund 1000 Besuchern bisher größte Veranstaltung in Schweden zum Thema Christenverfolgung und Religionsfreiheit statt. Neben einer Reihe von persönlichen Berichten vor allem von in Schweden lebenden, aber trotzdem bedrohten Konvertiten vom Islam zum Christentum sprachen Reichsminister Stefan Attefall als Vertreter der schwedischen Regierung, und Thomas Schirrmacher als Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit. Musikalisch wurde der Abend von einem der bekanntesten schwedischen Sänger, Igemar Olsson, umrahmt.

Attefall forderte alle Menschen guten Willens auf, sich für Religionsfreiheit einzusetzen und das Schicksal derer, die in Schweden Asyl suchten, weil in ihrer Heimat ein Religionswechsel lebensgefährlich sei, ernst zu nehmen. Stefan Attefall ist Minister für öffentliche Verwaltung und für die Beziehungen der schwedischen Regierung zu den Religionsgemeinschaften zuständig. In der letzten Legislaturperiode war er Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten in schwedischen Reichstag.

In seiner Ansprache berichtete Schirrmacher von den sieben Säulen der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) im Kampf für Religionsfreiheit und für die Solidarität mit verfolgten Christen.

An erster Stelle stehe das Gebet, wie es seit frühester Zeit Bestandteil der kirchlichen großen Liturgien sei und im weltweiten Gebetstag zum Ausdruck komme. An zweiter Stelle stünde die konkrete Solidarität mit Betroffenen durch Hilfsleistungen und Schulungen. An dritter Stelle stehe die Medienarbeit. An vierter Stelle stehe die rechtliche Verteidigung der Betroffenen vor Gericht und allgemein. Hier greife man vor allem auf ein eigenes Netzwerk von Tausenden von Rechtsanwälten, Advocacy International, zurück. Dazu trete fünftens der Einsatz in der Politik. Da Christen gegen eine gewaltsame Selbstverteidigung seien und in der Trennung von Kirche und Staat für das Gewaltmonopol des Staates einträten, könnten sie sich nicht selbst schützen, sondern müssten die Staaten auffordern, ihre Menschenrechte zu verteidigen. Wo der eigene Staat nicht eingreife, wendeten sich Christen an andere Staaten mit der Bitte, Druck auf die anderen Staaten auszuüben. Gebet, Verteidigung, Medieneinsatz und politisches Engagement seien aber alle nur mit gediegenen

Informationen möglich, weswegen die WEA sechstens intensiv in weltweite Forschung investiere. Und schließlich habe die WEA siebtens einen Peace Building Track, um im politischen, lokalen Raum Frieden zwischen Anhängern verschiedener Religionen zu erwirken, für den nichts wichtiger sei, als sich persönlich zu kennen.

Die St. Klara Kirche ist eine evangelikal ausgerichtete Gemeinde innerhalb der schwedischen Volkskirche und eine der bestbesuchtesten Kirchen in Schweden. Sie ist bekannt für Ihren Einsatz für Asylanten, Obdachlose und sozial Schwache. Sie unterhält die wichtigste Ausgabe der Tafel bzw. von Nahrungs- und Kleidungsausgabe im Zentrum von Stockholm.