Erwartungen an den Papst als Friedensvermittler

Sorge um Sicherheit in Nahost steigt mit iranischer Provokation

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Michaela Koller

MÜNCHEN, 23. Februar 2010 (ZENIT.org)- Als Papst Benedikt XVI. sich im vorigen Jahr am Ende seiner Reise ins Heilige Land vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu verabschiedete, gab dieser ihm eine Bitte mit auf den Weg: Das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken möge seine moralische Stimme heftig gegen die antisemitische Rhetorik und Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad erheben. Wie aus israelischen Diplomatenkreisen zu hören war, habe der Papst darauf geantwortet, er verurteile alle Fälle von Antisemitismus und Hass gegen Israel. Ein Auftritt des iranischen Diplomaten Mohammad Keiarishi hat am Montag in München gezeigt, warum die israelische Regierung beim Stichwort Antisemitismus zunächst einmal an das Regime in Teheran denkt.

Keiarishi, ehemaliger Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, sagte in München, der Iran werde Israel auch dann nicht anerkennen, wenn es mit dem Staat der Juden unter breitem palästinensischem Konsens zu einer friedlichen Zwei-Staaten-Lösung käme. „Wir werden die zionistische Gedankenordnung nicht anerkennen. Israel ist ein künstliches Gebilde, ein Bollwerk der westlichen Welt", begründete Keiarishi die Haltung. Der Diplomat im Ruhestandsalter ist derzeit noch für seine Regierung als Kulturattaché an der iranischen Botschaft in Wien tätig.

Keiarishi war von der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung gebeten worden, mögliche Beiträge des Iran zum Frieden im Nahen Osten aufzuzeigen. Aus dem jüngsten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde wird deutlich, dass das Teheraner Regime bereits zu einer höheren Urananreicherung übergegangen ist, als für Kraftwerke erforderlich wäre. Internationale Beobachter befürchten daher, dass der Iran derzeit einen atomaren Raketensprengkopf entwickelt, für den das Uran auf mehr als 80 Prozent angereichert werden müsste. „Wir benötigen die höhere Anreicherung für medizinische Zwecke", so Keiarishi am Mittwoch als Erklärung dazu.  

Die internationale Gemeinschaft beruhigen derartige Stellungnahmen nicht, da Teheran die IAEA vorab nicht über die höhere Anreicherung informiert hatte. Die mangelnde Kooperationsbereitschaft wird als Provokation gewertet. Gerade auch im Hinblick auf die extremistische Ausrichtung des Regimes, die sich im Innern gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen zeigt,  trägt sie zu einem Klima der Angst bei. (ZENIT berichtete.) „Das Hauptanliegen unserer Revolution ist es, den Weg für die Wiederkunft des Zwölften Imam, des Mahdi, zu bahnen", hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in einer Rede gesagt. 

Die Erwartungen richten sich gerade jetzt auf diejenigen Autoritäten, die international als Friedensvermittler moralisch anerkannt sind, darunter insbesondere den Heiligen Stuhl. Bereits aus den ersten offiziellen Information über die Vorbereitung der Sonder-Bischofssynode zur immer schwierigeren Lage der Katholiken im Nahen Osten, wird dies ersichtlich. Die Bischofsversammlung soll vom 10. bis zum 24. Oktober 2010 stattfinden. (ZENIT berichtete.) Die außerordentliche Synode steht unter dem Motto „Die katholische Kirche im Nahen Osten - Gemeinschaft und Zeugnis".

Die Sorge um die Sicherheit der Christen in der Region angesichts eslkalierender Gewalt, sowie die Beziehungen mit anderen Religionen stehen im Zentrum der Sondersynode. Die nächste hochrangige Vorbereitungsrunde für die Nahost-Synode tritt am 23. und 24. April 2010 zusammen. Mit diesem Anliegen steht die Kirche nicht alleine da, denn Millionen Muslime guten Willens, die sich derzeit gegen jeden religiösen Extremismus erheben, stehen an ihrer Seite.