Erzbischof Bertone: Gründe und Hintergründe für das Motu Proprio über priesterliche Verfehlungen

Erläuterungen zur jüngsten Promulgation zur Päderastie

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VATIKAN, 11. Januar 2002 (ZENIT.org).- Warum hat der Heilige Vater ein Dokument veröffentlicht, das rigorose kirchliche Maßnahmen im Falle priesterlicher Verfehlungen gegen die Sakramente und die Moral (Päderastie) vorsieht?



Mit dieser Frage hat die öffentliche Meinung das päpstliche Motu Proprio "Sacramentorum Sanctitati Tutela" (Schutz der Heiligkeit der Sakramente) aufgenommen. Es wurde in den "Acta Apostolicae Sedis" veröffentlicht. Der Sekretär der Glaubenskongregation, Erzbischof Tarcisio Bertone, gibt die Antwort. Zenit hatte bereits darüber berichtet (ZG020109).

In einem Interview mit Radio Vatikan erklärt der Erzbischof insbesondere zwei Gründe, nämlich die Notwendigkeit, die Normen an das neue lateinische und orientalische Kirchenrecht anzupassen sowie der Skandal, den diese Delikte hervorrufen.

Kardinal Ratzingers rechte Hand wies auch darauf hin, dass die Fälle von Kinderschändung kein im Wachstum begriffenes Phänomen sind. Dennoch kamen einige Fälle von in schwerwiegender Weise illegalem Verhalten seitens der geweihten Amtsdiener zum Vorschein".

"Wir wissen aber auch, dass diesen Fällen durch die Medien sehr viel Publizität zugekommen ist. Aber eben deshalb rufen sie mehr Entsetzen hervor als in der Vergangenheit. Das Problem des Skandals ist ein Problem, dass die Kirche beunruhigt", so Bertone.

Zwei Neuheiten enthält das Dokument Bertone zufolge, nämlich "die genauere Charakterisierung bestimmter Delikte. Im Strafrecht - auch im Bereich des Kirchenrechts - ist es absolut notwenig, sehr präzise zu sein".

Zweitens wird die Zeit der Verjährung dieser Delikte und daher auch der Zeitraum, in dem man rechtlich dagegen vorgehen kann, verdoppelt. Es sind nun zehn Jahre.

"Zum Beispiel kann im Falle eines Missbrauches seitens eines Priesters an einem Minderjährigen der Täter länger rechtlich belangt werden, da die Verjährungsfrist erst ab dem 18. Lebensjahr zu zählen beginnt".

Zum Schluss beklagte der Erzbischof, dass in den letzten Jahren das Priestertum nur allzu oft regelrecht "diffamiert" wurde, da es von (nur wenigen) Amtsdienern beleidigt wurde, während sich fast alle Priester vorbildlich verhalten".

Es sei notwendig, "die Gläubigen im Vertrauen auf ihre Priester zu stärken, insbesondere auf ihre Pfarrer und Erzieher".

"Ich möchte gerne das volle Vertrauen auf die großen Kongregationen stärken, welche im Laufe der Jahrhunderte mit großem Verdienst Millionen von Jugendlichen erzogen haben und immer noch erziehen. Und das macht das Verhalten einiger weniger Priester und Erzieher noch trauriger, welche so ihre Berufung und Mission verraten", so Bertone abschließend.