Erzbischof Bruno Forte: Archäologischer „Beweis“ für vermeintliches Jesus-Grab nicht stichhaltig

Die Erscheinungsberichte Jesu sind historisch unbestreitbar

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ROM, 2. März 2007 (ZENIT.org).- Für „historisch unbestreitbar“ erachtet Erzbischof Bruno Forte von Chieti-Vasto die neutestamentlichen Erscheinungsberichte.



Der renommierte Theologe, der aus Neapel stammt, äußerte sich gegenüber ZENIT zum Dokumentarfilm über die vermeintliche Grabhöhle der Familie Jesu in Jerusalem, der am Montag in New York vorgestellt worden war. Nach dreijähriger Forschungsarbeit waren die Filmemacher – unter ihnen der Regisseur James Cameron – nach eigenen Angaben zur Überzeugung gelangt, dass es sich wahrlich um einen Sensationsfund handle, der das Christentum in seinen Grundfesten erschüttere.

Die israelische Zeitung „Yedioth Ahronoth“ brachte aber bereits in ihrer Wochenendausgabe exklusiv einen Vorbericht über den Film und die Thesen von Produzent Simcha Jacobovici und Regisseur Cameron.

„Tatsächlich will die veröffentliche These suggerieren, dass gesetzt den Fall, Jesus sei dort mit seiner Familie begraben worden, die Auferstehung nicht mehr wäre als eine Erfindung seiner Jünger“, bemerkte Erzbischof Bruno Forte zur neuen Jesusgrab-Theorie.

„Wenn wir die Unbeständigkeit des archäologischen Beweismaterials einmal außer Acht lassen, das seitens der israelischen Archäologen äußerst starken Widerstand erfahren hat, wird die auf Tatsachen beruhende Auferstehung Jesu im Neuen Testament rigoros in fünf Auferstehungsberichten über die Erscheinungen dokumentiert: in den vier Evangelien und beim heiligen Paulus.“

Gegenüber ZENIT wies Erzbischof Forte darauf hin, dass alle kritischen Studien der vergangenen zwei Jahrhunderte bewiesen, „dass es an der profunden Wahrheit der Erscheinungsberichte nichts historisch Bestreitbares gibt“.

Zwischen Karfreitag, als die Jünger Jesus verließen, und dem Ostersonntag, als sie zu Zeugen des Auferstandenen wurden, gebe es ein Vakuum, fuhr der Dogmatiker fort. Die Begegnung mit dem Auferstandenen habe ihnen großen Antrieb gegeben und einen Mut, „der sie geradezu zwang, die Frohe Botschaft bis hin zu den Enden der Erde zu verkünden und sogar ihr Leben dafür hinzugeben“.

Angesichts dieser Entwicklung stelle sich die Frage: „Was war geschehen?“, fuhr der Erzbischof fort. „Der profane Historiker kann das nicht erklären; die Evangelien deuten es an: Es gab da eine Begegnung, die ihr Leben veränderte.“

Diese Begegnung, „die in den Perikopen der Erscheinungen nacherzählt wird, ist durch eine wesentliche Tatsache gekennzeichnet: Die Initiative geht nicht von den Jüngern aus, sondern von dem, der lebendig ist, wie es im Buch der Apostelgeschichte heißt. Das bedeutet also, dass es sich nicht um etwas handelt, was in den Jüngern geschieht, sondern um etwas, was ihnen widerfährt.“

Von diesem Zeitpunkt an sei Christus über die Jahrhunderte hinweg unaufhörlich verkündet worden – „mit einem Schwung, der Genies des Geistes mitgerissen hat – keine Spinner also –, von Augustinus von Hippo über Thomas von Aquin bis hin zu Teresa von Kalkutta, um nur drei Beispiele zu nennen“.

Erzbischof Forte ging im Gespräch mit ZENIT auch der Frage nach, warum die Medien so großes Interesse an Jesus hätten. „Offensichtlich, weil Jesus in der Tiefe der westlichen Kultur und nicht nur des Westens eben solch ein entscheidender und wichtiger Anhaltspunkt ist, so dass alles, was ihn angeht, auch uns beeinflusst.“

Ein anderer Fachmann, P. Thomas Rosica, Direktor der in Toronto gegründeten „Salt and Light Catholic Media Foundation“, hob gegenüber ZENIT hervor, dass das große Echo, dass der Dokumentarfilm über das angebliche Jesus-Grab hervorgerufen habe, die Frage nach der Professionalität in den Medien aufkommen lasse. „Das Betrübliche an dieser neuen Werbesendung über die Grabstätte Jesu und die angebliche Entdeckung von DNS, die zu Jesus und seiner Familie gehören soll, ist, dass die Medien soviel Tinte und Platz vergeudet haben: für etwas Unsinniges.“