Erzbischof Cordes fordert Soforthilfe für die afghanischen Flüchtlinge

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VATIKAN, 4. November 2001 (ZENIT.org). - Bei seiner Rückkehr aus Pakistan als Sondergesandter des Papstes hat der "Cor Unum"-Vorsitzende Erzbischof Paul Josef Cordes dringend für Soforthilfe für die afghanischen Flüchtlinge appelliert.



Dem Heiligen Stuhl liegt das Problem der afghanischen Flüchtlinge am Herzen, wie die Solidaritätsmission bezeugt, von der Cordes in diesen Tagen zurückkehrte. Er hatte in Pakistan mit Zivilbehörden verhandelt und einige Flüchtlingslager längs der afghanischen Grenze besucht.

Den afghanischen Flüchtlingen, die zum großen Teil infolge der Antiterrorismusoffensive geflüchtet sind, hat Erzbischof Cordes persönlich den Trost Johannes Pauls II. gebracht, wie er Radio Vatikan gegenüber erklärte.

FRAGE: Wie ist die Lage der afghanischen Flüchtlinge?

CORDES: Ich war in einem Flüchtlingslager mit 35.000 Flüchtlingen. Das schlimmste ist für mich, dass sie keine Zukunft haben. Die Niedergeschlagenheit unter ihnen ist sehr stark, denn sie wissen nicht, wohin, und vielleicht werden sie auch nicht nach Afghanistan zurückkehren können. Wir müssen an den kommenden Winter denken, und die Kälte bringt viele Gefahren für das menschliche Leben mit sich. Es ist absolut notwendig, den Flüchtlingen weiterhin Hilfe zukommen zu lassen.

FRAGE: Welche Worte der Ermutigung und des Nachdenkens haben Sie im Namen des Papstes bringen können?

CORDES: Der Papst hat den Bischöfen eine Botschaft gesandt, die ich bei mehreren Gelegenheiten verlesen habe, in der er allen die Gewissheit seiner Nähe im Gebet überbringen will. Er macht darin auch einen Appell: "Wir müssen hoffen und mit Inbrunst beten, dass der leuchtende Friedensstern bald wieder über eurem Land funkeln möge". Und in der Zwischenzeit müssen wir das Leid unzähliger Menschen bedenken, das nach einer sofortigen praktischen Erleichterung ruft. Die schmerzliche Lage vieler Flüchtlinge erfordert sofortige Anstrengungen seitens derer, die ihnen Hilfe leisten können.

Die Papstbotschaft hat den Gläubigen Trost gespendet. Ich habe diese Botschaft auch vor sämtlichen örtlichen Missionaren verlesen, die ein wenig die "Hochburg" der katholischen Kirche dieses Landes sind. Oft werden die Missionare von ihren Angehörigen ermahnt: "Kommt zurück, dort ist es gefährlich". Doch sie wollen bleiben. Ich habe sie auch dazu ermutigt, indem ich ihnen sagte, dass nur der Söldner bei Gefahr weggeht. Wenn die Missionare auch noch gehen, werden die ganz wenigen Christen im Land noch verzweifelter sein.

FRAGE: Was haben Sie empfunden, so nah am Gebiet des Konflikts zu sein, der durch die Attentate des 11. Septembers ausgelöst worden ist?

CORDES: Ich meine, dass die Lage sehr explosiv ist. Viele Kräfte wollen das Böse. Ich meine jedoch, dass man nicht von einem Religionskrieg sprechen kann. Es sind vielmehr die Extremisten, die Sektierer der islamischen Religion, welche diese Spannungen hervorrufen.

FRAGE: Es gibt eine hitzige Debatte auch innerhalb der katholischen Welt zwischen denjenigen, die die Bombardierungen Afghanistans stoppen wollen und denjenigen, die meinen, der Krieg sei zur Bekämpfung des Terrorismus leider notwendig. Sie, die Sie Orte so nah an der Kriegsfront gesehen haben, welche Antwort meinen Sie, könnte die Kirche geben, welchen Weg zieht sie vor?

CORDES: Ich verstehe einerseits, dass dieser Krieg mit seinen Bombenabwürfen eine andauernde Provokation für das Gute im Menschen ist, und vor allem verstehe ich die Tatsache, dass die immer häufigere Tötung Unschuldiger sehr starke Reaktionen hervorruft. Auf der andern Seite ist die Kirche nie auf diese konkreten Fragen im Einzelnen eingegangen. Mir scheint es, dass ich mit dem Papst sagen kann: Die Gewalt ist nie die Antwort des Christen auf die Gewalt". Mir scheint dies die richtige These.