Erzbischof Dr. Robert Zollitsch: Führen im Ehrenamt – FrauenPerspektiven

3. Fachtagung zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit am 30.11.2009 in Frankfurt

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BONN, 1. Dezember 2009 (ZENIT.org/ dbk.de).- Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat zum internationalen „Tag des Ehrenamts“ am 5. Dezember das ehrenamtliche Engagement von Frauen in Kirche und Gesellschaft hervorgehoben. „Unsere katholische Kirche in Deutschland lebt ganz entscheidend vom ehrenamtlichen, und d.h. vom freiwilligen und unentgeltlichen Engagement vieler Frauen in den Verbänden, Pfarreien und auf den verschiedenen Ebenen einer Diözese“, sagte der Freiburger Erzbischof bei der Fachtagung „Führen im Ehrenamt – Frauenperspektiven“ der Deutschen Bischofskonferenz am Montag in Frankfurt. Er lobte ausdrücklich auch den „Einsatz als katholische Frauen im zivilen Bereich“, für „benachteiligte Frauen, für Migrantinnen, für Alleinerziehende und überhaupt für die Interessen von Frauen und Familien“. Wir veröffentlichen die Ansprache.

 

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3. Fachtagung zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit am 30.11.2009 in Frankfurt

Ansprache des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Amt,

meine sehr geehrten Damen aus den katholischen Frauenverbänden und aus den anderen Verbänden und Gremien der katholischen Kirche,

werte Tagungsteilnehmerinnen!

Auch wenn sich der Kirchenvater Basilius der Große (330-379) vor mehr als 1600 Jahren wohl kaum mit dem Thema „Führen im Ehrenamt – FrauenPerspektiven“ beschäftigt haben wird, ist uns doch ein tiefsinniges Wort von ihm überliefert, das uns zum Türöffner für unsere heutige Tagung werden kann.

Der hl. Basilius will uns sensibel dafür machen, dass Gott keinem Menschen alle, aber jedem Menschen wenigstens ein Charisma geschenkt habe. Mit dieser gleichsam pädagogischen Maßnahme will Gott, so Basilius, uns dazu bewegen, eine Gemeinschaft zu bilden, denn so können wir an den Charismen der anderen teilhaben. Diese Gemeinschaft im Glauben, dieses Netzwerk der Charismen, dürfen wir auch hier und heute bei dieser 3. Fachtagung zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit erleben.

Diese Gemeinschaft, unsere Kirche, lebt davon, dass wir die Gaben und Talente, die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die uns von Gott geschenkt sind, einbringen und so das Reich Gottes in unserer Welt sichtbar werden lassen.

1. Würdigung des ehrenamtlichen Engagements von Frauen

Wer sich einbringt und engagiert, der übernimmt auf je eigene Weise Verantwortung in der Kirche und für die Kirche. Allein die beiden großen Frauenverbände, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), vertreten zusammen mehr als 800.000 Frauen in Deutschland.

Was das heißt, wird mit einem Vergleich deutlich: Wer etwa auf Bundesebene den Vorsitz oder die Präsidentschaft in einem dieser katholischen Verbände wahrnimmt, deren Führung sind mehr Menschen anvertraut, als manche Diözesen an Katholiken zählen! Katholische Kirche in Deutschland lebt ganz entscheidend vom ehrenamtlichen, und d.h. vom freiwilligen und unentgeltlichen Engagement vieler Frauen in den Verbänden, Pfarreien und auf den verschiedenen Ebenen einer Diözese.

Mehr als zwei Drittel aller ehrenamtlich Tätigen in unserer Kirche sind Frauen. Ohne ihr Engagement würden an vielen Orten die Vorbereitung der Kinder auf die erste heilige Kommunion, die Firmkatechese, die Besuchsdienste im Krankenhaus und Altenheim, ungezählte caritative Projekte, die Dienste von Lektoren und Kommunionhelfern, der Kirchenchor und die Bücherei, die Eine-Welt-Arbeit und vieles andere mehr einfach wegbrechen.

Mit Blick auf den internationalen „Tag des Ehrenamts“ am kommenden Samstag (5. Dezember) möchte ich auch ausdrücklich Ihren Einsatz als katholische Frauen im zivilen Bereich erwähnen, wenn Sie sich dort im Geist des Evangeliums für benachteiligte Frauen, für Migrantinnen, für Alleinerziehende und überhaupt für die Interessen von Frauen und Familien einsetzen oder wenn Sie in Gesellschaft und Politik ein bürgerschaftliches Engagement übernehmen.

Daher schließe ich mich uneingeschränkt der Einschätzung unseres Bundespräsidenten Horst Köhler an, die er beim letztjährigen Tag des Ehrenamts in den Worten zum Ausdruck brachte: „Ohne Sie wäre unser Land ärmer und kälter, weniger lebens- und liebenswert.“

2. Hauptamtliche, Hauptberufliche und Ehrenamtliche in der Kirche

Werte Damen und Herren, die Zahl der ehrenamtlich engagierten Frauen (und auch Männer) in der katholischen Kirche übertrifft bei weitem die Anzahl der Hauptamtlichen und Hauptberuflichen in der Pastoral. Die neuen pastoralen Ordnungen in den Bistümern setzen darum auch vermehrt auf das Ehrenamt, und wir Bischöfe sprechen uns dafür aus, die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer in der Kirche zu stärken, ihr Engagement neu zu würdigen und in die Gesamtpastoral einzubinden.

Um nicht missverstanden zu werden, hebe ich ausdrücklich hervor, dass wir Bischöfe in Deutschland damit nicht die Bedeutung jener Frauen und Männer schmälern wollen, die hauptberuflich in der Pastoral oder in der Caritas tätig sind. Es geht bei dieser Fachtagung auch nicht darum, uns aus der Förderung von Frauen für die Leitungsaufgaben, die sie in der Kirche wahrnehmen können, zurückzuziehen.

Es geht vielmehr darum, aus theologischen und pastoralen Gründen die Relationen zurechtzurücken. Denn all das, was das Zweite Vatikanische Konzil und die nachfolgenden lehramtlichen Dokumente über die Berufung der christgläubigen Laien, über ihre Charismen und ihre Teilhabe an der Sendung der Kirche sagen, trifft ja in erster Linie auf Sie, Ihre Verbände und die vielen anderen Christinnen und Christen in der Kirche zu.

Gerade das Zweite Vatikanische Konzil hat sich sehr intensiv mit dem Zu- und Miteinander der Ämter und der „Laien“ beschäftigt. Es lohnt sich, auf diesem Hintergrund das Dekret über das Laienapostolat, Apostolicam Actuositatem intensiv zu lesen und neu ins Gespräch zu bringen.

Dort wird nicht nur die Pflicht, sondern sogar das Recht (!) der Gläubigen, sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten einzubringen, zum Ausdruck gebracht.

Grundlegend hat das Konzil durch die Beschreibung der Kirche als „Leib Christi“ in Verbindung mit der Darstellung als „Volk Gottes“ und als Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern Jesu Christi wichtige Akzente für ein vertieftes Kirchenverständnis gesetzt. [Aus dem Empfang dieser Charismen, auch der schlichteren, erwächst jedem Gläubigen das Recht und die Pflicht, sie in Kirche und Welt zum Wohl der Menschen und zum Aufbau der Kirche zu gebrauchen.“ (AA 7)]

In Ergänzung einer Theologie, die die Kirche mehr vom Amt und den Amtsträgern aus versteht, betont es die Teilhabe aller Getauften und Gefirmten am Dienst Jesu Christi zum Heil der Menschen. „Alle Christen sind Kraft dieses gemeinsamen Priestertums befähigt zum Glaubenszeugnis, zum Dienst an der Nächstenliebe, zur Feier des Gottesdienstes und zur Mitwirkung am Leitungsdienst. Insbesondere in den Konzilsdokumenten über die Kirche (Lumen Gentium) und über die Kirche in der Welt von heute (Gaudium et Spes) wird deutlich, dass sich die Gestalt der kirchlichen Sendung unter der Führung des Geistes erneuern muss, damit in einer rasch sich verändernden Welt das Evangelium zeitgemäß bezeugt werden kann.“]

Der Apostel Paulus legt im 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes die gegenseitige Verwiesenheit aller Glieder des einen Leibes dar. Entscheidend ist: Die Begabungen der Einzelnen dienen dem Aufbau der Kirche, wobei einige mehr der Sammlung und Leitung der Kirche zugeordnet sind, andere mehr dem Reichtum ihres inneren Lebens und seiner Entfaltung oder ihrer Sendung nach außen.

Der ehrenamtliche Dienst, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ist somit für die Kirche nicht einfach ein „Mehrwert“, der den amtlichen Dienst ergänzt oder stützt, oder in Zeiten des Personalmangels als Lückenbüßer herhalten muss, bis sich die Zeiten wieder ändern. Nein, das wäre der falsche Weg! Das Engagement aller Gläubigen in der Verkündigung, in der Liturgie und im Dienst am Nächsten gehört nicht nur wesentlich zum Dienst der Kirche dazu, sondern zeichnet ihn gerade aus. Gäbe es diesen ehrenamtlichen Dienst, der aus Taufe und Firmung erwächst, in der Kirche nicht mehr, würde sie ihrem eigenen Anspruch nicht mehr gerecht werden.

Der Reichtum der Kirche sind die Menschen, die sich im Dienst Jesu einbringen. Dies darf ich gerade Ihnen heute ausdrücklich sagen! In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine Ansprache vom 26. Mai dieses Jahres hinweisen, die Papst Benedikt zur Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom gehalten hat. Diese Tagung stand unter dem Thema "Kirchliche Zugehörigkeit und pastorale Mitverantwortung".

Papst Benedikt hebt darin hervor: „Zu viele Getaufte fühlen sich nicht der kirchlichen Gemeinschaft zugehörig, leben am Rande von ihr und wenden sich nur bei bestimmten Anlässen an die Pfarreien, um religiöse Dienste zu erhalten. Unter den Einwohnern der einzelnen Pfarreien, auch unter denen, die sich zum katholischen Glauben bekennen, gibt es immer noch verhältnismäßig wenige Laien, die sich bereitwillig zur Arbeit in den verschiedenen apostolischen Bereichen zur Verfügung stellen. Gewiss gibt es viele Schwierigkeiten kultureller und sozialer Natur, aber treu dem Gebot des Herrn können wir uns nicht darauf beschränken, das Bestehende zu bewahren.[…] Es bedarf einer Änderung der Mentalität besonders in Bezug auf die Laien, die nicht mehr nur als ‚Mitarbeiter’ des Klerus betrachtet werden dürfen, sondern als wirklich ‚mitverantwortlich’ für das Sein und Handeln der Kirche erkannt werden müssen, um die Festigung eines reifen und engagierten Laienstandes zu fördern. Das gemeinsame Bewusstsein aller Getauften, Kirche zu sein, vermindert nicht die Verantwortung der Pfarrer. Es ist eure Aufgabe, liebe Pfarrer, das geistliche und apostolische Wachstum aller zu unterstützen, die sich bereits unermüdlich in den Pfarreien einsetzen: Sie sind das Herzstück der Gemeinde, das für die anderen zum Sauerteig wird. Damit diese Gemeinden, auch wenn sie manchmal zahlenmäßig klein sind, nicht ihre Identität und ihre Kraft verlieren“.

Hier wird deutlich, was heute ansteht, weil es vielleicht in der Vergangenheit zu wenig geschehen ist: Wir müssen uns der subsidiären Bedeutung gerade auch der hauptberuflichen Dienste in der Kirche bewusst werden, die einen „Dienst an den vielen anderen Charismen und Diensten“ im Gottesvolk auszuüben haben. Hier sehe ich eine wichtige Herausforderung für unsere Pastoral heute: weder sind die Hauptberuflichen dazu da, die ehrenamtlich engagierten Frauen und Männer zu ersetzen, noch können und dürfen die Ehrenamtlichen umgekehrt als Lückenbüßer für fehlendes hauptberufliches Personal herhalten. Die heutige Fachtagung wird Gelegenheit bieten, diese Thematik noch weiter theologisch und pastoral zu vertiefen.

3. Wandel vom „alten“ zum „neuen Ehrenamt“

Das Ehrenamt in der Kirche ist ja nichts Neues, es gehört seit den Anfängen zum kirchlichen Leben. Die Dienste der Frauen und Männer, von denen z.B. in den Paulusbriefen die Rede ist, waren allesamt ehrenamtlich, d.h. sie wurden unentgeltlich und „neben“ den anderen Aufgaben in der Familie, im Haus oder in der Erwerbsarbeit getan. Auch unsere Großeltern haben sich – oft ohne groß darüber zu reden – aus christlichen Motiven heraus für andere innerhalb wie außerhalb ihrer Pfarrei, im kleinen oder großen Kreis engagiert.

Doch während es damals vornehmlich Männer waren, sind es seit einigen Jahren überwiegend Frauen der mittleren und älteren Generation, die dem Ehrenamt in der Kirche ein Gesicht geben. Im Bereich der Freiwilligendienste sprechen wir heute von einem Wandel vom „alten“ zum so genannten „neuen Ehrenamt“, das selbst gewählt und als sinnerfüllende Aufgabe übernommen wird und in dem man sich mit seinen Möglichkeiten entfalten will.

Denn Ehrenamtliche, die nur aus Pflichtgefühl heraus tätig sind, stehen in Gefahr, eine gedrückte Stimmung statt Freude am Glauben zu verbreiten. Ich weiß, dass dieser Wandel hin zum „neuen“ Ehrenamt auch für Sie, die katholischen Frauen im kirchlichen Ehrenamt, von Bedeutung ist: – Sie wünschen sich, dass Ihr Ehrenamt mit Ihren vielen anderen Aufgaben in der Familie und/oder im Beruf vereinbar ist. Konkret bedeutet dies, dass Sie Ihr Ehrenamt in einem zeitlich befristeten Rahmen und mit einer klaren Aufgabenstellung ausüben möchten. – Sie bringen in Ihr Ehrenamt Ihre Charismen und Ihre vielfältigen Kompetenzen und Qualifikationen ein, die Ihnen geschenkt wurden, und die, die Sie durch Ausbildung wie durch Lebens- und Berufserfahrung erworben haben. Und Sie wünschen sich zu Recht, dass die Priester wie die hauptberuflichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Sie auch als kompetente Partnerinnen in der Pastoral und Caritas ernst nehmen.

Wir können sicher noch mehr tun, um auch ehrenamtlich Tätige durch Beratung und Mitsprache an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Auch wenn es zum Wesen des Ehrenamtes gehört, dass es unentgeltlich und ohne Honorar ausgeübt wird, dürfen Sie erwarten, dass Ihre Auslagen und materiellen Aufwendungen erstattet werden und Sie für Ihre Tätigkeit unfall- und haftpflichtversichert sind.

- Sie wünschen sich im Ehrenamt mehr Geschlechtergerechtigkeit: mehr Männer sollten sich in ehemals vor allem von Frauen ausgeübten Feldern engagieren, etwa in der Erstkommunionkatechese, und mehr Frauen müssen in den Bereichen tätig werden, die immer noch vornehmlich von Männern wahrgenommen werden, nämlich überall dort, wo es um die Verwaltung von Finanzen und die Mitwirkung bei Entscheidungen geht.

– Nicht zuletzt gehört zum „neuen Ehrenamt“, dass Sie eine entsprechende Begleitung; Qualifizierung und Qualifikation erwarten, um Ihre Aufgaben auch gut auszufüllen. Bistümer und Verbände stellen sich auf diese Erwartungen mit ihren Bildungsangeboten immer mehr ein. Die Beachtung der Rahmenbedingungen eines neuen Ehrenamtes ist vor allem für die Verbände von hoher Bedeutung; denn Nachwuchs aus der jüngeren Frauengeneration werden Sie nur gewinnen können, wenn Sie und wir, die Hauptamtlichen und Hauptberuflichen in der Kirche, mit Ihnen, die Wertschätzung des Ehrenamtes weiter pflegen und vertiefen. Auch dazu erhoffe ich mir wichtige Beiträge von dieser Fachtagung.

4. Führen im Ehrenamt

In den vergangenen Jahren waren wir in nahezu allen deutschen (Erz-)Bistümern damit befasst, die pastoralen Strukturen den veränderten Bedingungen in Kirche und Gesellschaft anzupassen. Unsere Kirche braucht zwar verlässliche und tragfähige Strukturen, aber Kirche ist weit mehr als ihre Strukturen.

In vielen Gesprächen mit den Menschen in unserem Land spüre ich eine Sehnsucht nach Orientierung aus dem Glauben, nach Berührung mit dem Heiligen und nach einer Kirche, die den Menschen in ihren Sorgen und Nöten nahe ist.

Eine lebendige Kirche, eine Kirche, die mehr ist als ihre Strukturen, lebt davon, dass immer mehr Christinnen und Christen sich des Geschenks ihres Glaubens bewusst werden und beginnen, von Jesus Christus und seinem Evangelium zu erzählen, sei es durch Worte oder durch ihr Leben und ihr Tun.

Das macht die eigentliche Würde von uns Christen aus, das ist zutiefst unser christliches Ehren-Amt: zu Jesus Christus zu gehören und ihn zu verkünden. Ich bin dankbar für das christliche Zeugnis, das Sie und viele andere Katholikinnen meist auf ganz unspektakuläre Weise in Ihrer Familie, am Arbeitsplatz, im Ehrenamt, in der großen oder kleinen Politik oder wo auch immer geben.

Sie sind den einzelnen Menschen in Ihrem Nahraum oft viel näher als es die Hauptamtlichen und Hauptberuflichen in der Kirche sein können. In Frauenverbänden und anderen Frauengruppierungen ermöglichen Sie vielen verschiedenen Frauen, sich kirchlich zu beheimaten.

Die Frauenverbände und Frauengruppen sind Orte, an denen Sie Ihren Glauben zur Sprache bringen, vertiefen und in die Tat umsetzen können. Wer Führung übernimmt, übernimmt Verantwortung, und diese Verantwortung, die Sie ehrenamtlich in Ihren Verbänden und Gruppen wahrnehmen, hat viele Gesichter; und durch Sie bekommt Führung in der Kirche auch ein weibliches Gesicht. Dort, wo diese Führung aus einer zutiefst christlichen Motivation heraus geschieht, wird an ihr auch etwas von Gottes Liebe und Weisheit ablesbar. Ich bin zutiefst überzeugt, dass unsere Kirche gerade auch Sie als Frauen in ehrenamtlichen wie hautberuflichen Führungsaufgaben braucht, um das Evangelium glaubwürdig und kompetent den Menschen in Wort und Tat zu verkünden.

Als ehrenamtliche Führungskraft stellen Sie Ihre Fähigkeiten und Ihre Zeit in den Dienst der Kirche und sind bereit, dafür auch auf anderes zu verzichten. Was dabei oft aus dem Blick gerät: Dieses Engagement, das Teil des Privatlebens ist, kann langfristig nur im Einvernehmen mit dem Ehepartner und der Familie gelingen und durchgeführt werden.

Es braucht ein Klima des Wohlwollens, des Vertrauens und des Verständnisses im engsten persönlichem Umfeld, damit Ehrenamt gelingt, ganz besonders Führung im Ehrenamt, die ein hohes Maß an Zeit und Einsatz verlangt. Das schließt gelegentliche Diskussionen in der Familie nicht aus, vielleicht bewahren sie sogar vor Überschätzung der eigenen Kräfte.

Vor allem aber bedeutet es, dass hinter den ehrenamtlich Engagierten andere „Ehrenamtliche“ stehen, die dieses Engagement mittragen und vielleicht erst ermöglichen. Auf diesem Hintergrund braucht es in der Kirche umso mehr eine Kultur der Wertschätzung, die wir sicherlich noch weiter entwickeln können.

Es braucht Zeichen der Anerkennung, die über ein standardisiertes Weihnachtsgeschenk hinausgehen. Zu einer solchen Kultur gehört es auch, dass Sie als ehrenamtliche Führungskraft Respekt vor Ihrer Tätigkeit erwarten und ebenso auf die Grenzen Ihrer zeitlichen und fachlichen Möglichkeiten hinweisen dürfen. Es bedarf sicher noch weiterer Gespräche, in denen wir klären sollten, welche Aufgaben und Rollen jeweils denen zukommen, die ehrenamtlich Führung wahrnehmen oder die als geweihte Amtsträger bzw. mit einem bischöflichen Auftrag im pastoralen Dienst wirken.

Die heutige Fachtagung wird diese Fragestellungen bearbeiten und Optionen formulieren. Der Ort, an dem die Ergebnisse anschließend innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz beraten werden, ist die Pastoralkommission und speziell deren Unterkommission „Frauen in Kirche und Gesellschaft“.

Bei der Erarbeitung von Lösungsansätzen wird die Unterkommission im Gespräch mit der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Frauenverbände und Frauengruppen bleiben. Ich wünsche Ihnen für die heutige Fachtagung viel Erfolg, Gottes Segen und immer wieder neu die Erfahrung, dass Gott keinem Menschen alle, aber jedem Menschen wenigstens ein Charisma geschenkt hat und er uns so dazu bewegen und einladen will, eine Gemeinschaft im Glauben zu bilden, um an den Charismen der anderen teilzuhaben.