Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zum Jahr des Glaubens

ZENIT-Interview mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

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Von Jan Bentz

ROM, 12. Juli 2012 (ZENIT.org). - Papst Benedikt XVI. hat ab Oktober 2012 anlässlich des 50. Jahrestages der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ein „Jahr des Glaubens" ausgerufen. ZENIT sprach in einem Exklusiv-Interview mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, über dessen Umsetzung im Heimatland des Papstes.

[Teil I finden Sie hier]

ZENIT: Es ist das Anliegen des Papstes, dass in diesem Jahr die Kenntnisse der wichtigsten Schriften des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Katechismus der katholischen Kirche als Kompendium der katholischen Lehre vertieft werden. Wie wird dieser Wunsch unter den deutschen Bischöfen aufgenommen? Wie wird die Anregung, dazu auch die modernen Kommunikationsmittel und neue Technologien zu gebrauchen, in die Tat umgesetzt? In welchem Umfang wird der Jugendkatechismus YouCat bei den Katechesen für Jugendliche eingesetzt?

Zollitsch: Wir bieten im Internet, z. B. auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz, die Texte des Konzils zum Nachlesen und kennenlernen an, ebenso den Katechismus. Beide Elemente sind ja konstitutiv für das Leben der Kirche; deshalb geht es jetzt nicht um Aktionismus, sondern um eine Verstärkung unserer Vermittlungsbemühungen, die wir seit vielen Jahren unternehmen. Ich bin froh, dass wir mit den modernen Kommunikationsmitteln da schon wichtige Wegstrecken gegangen sind und nicht gerade erst jetzt anfangen. Den Katechismus in seiner Gesamtheit zu vermitteln, mag im Anfang nicht einfach erscheinen. Aber die Lektüre lohnt, das versuchen wir deutschen Bischöfe zu erklären. Dabei wird der YouCat eine wichtige Rolle spielen.

ZENIT: An die Bischofskonferenzen ergeht in Abschnitt II, 9 der Handreichung der „Note mit pastoralen Hinweisen zum Jahr des Glaubens“ der Wunsch nach einer Überprüfung der verschiedenen katechetischen Hilfsmittel, die in den Teilkirchen in Gebrauch sind, um ihre volle Übereinstimmung mit dem Katechismus der katholischen Kirche zu gewährleisten und notfalls, wenn sie nicht in vollem Einklang mit dem Katechismus stehen oder Lücken aufweisen, mit der Arbeit an neuen Texten zu beginnen, gegebenenfalls nach dem Beispiel und mit der Hilfe anderer Bischofskonferenzen, die diese Arbeit bereits geleistet haben. Wird die Deutsche Bischofskonferenz diesem Wunsch nachkommen und in welcher Art?

Zollitsch: Ja, daran arbeiten wir. Aber auch hier gilt: Wir müssen jetzt nicht in Aktionismus verfallen, sondern sind ja regelmäßig dabei, unsere Schriften zu prüfen und auf dem Laufenden zu halten. Auch in dieser Sache sind wir in gutem Austausch mit Rom.

ZENIT: Angelo Kardinal Scola, der Erzbischof von Mailand, hat in seinem Vorwort für eine Predigtsammlung des Papstes vom kürzlichen VII. Weltfamilientreffen den Gläubigen seiner Diözese diese Ansprachen zum Thema Familie als „besten Einstieg in das Jahr des Glaubens“ empfohlen. Das entspricht auch dem ausdrücklichen Wunsch in Abschnitt I,7 der Handreichung, die Katechesen und Homilien des Heiligen Vaters auf Weltkirchenebene bereitwillig aufzunehmen. Ist das ebenfalls für Deutschland ein guter Vorschlag?

Zollitsch: Natürlich, und auch darum kümmern wir uns. Schauen Sie einmal auf www.dbk.de: Wir haben dort bereits vor zwei Jahren ganz bewusst eine Rubrik für wichtige Papstansprachen eingerichtet. Somit versuchen wir die Worte des Heiligen Vaters im Netz zu verbreiten und in vielen gedruckten Werken. Es gibt kaum ein anderes Land, in dem so viele Papsttexte publiziert werden wie bei uns wie Deutschland.

ZENIT: Den Glauben stärken bedeutet, seine christliche Identität herauszubilden. Damit verbunden ist das mutige Zeugnis in einer Gesellschaft, die der katholischen Lehre zunehmend skeptisch, wenn nicht gar feindselig gegenüber steht. Haben Sie einige Worte der Ermutigung für Christen, die heute diskriminiert werden?

Zollitsch: Uns Christen in Deutschland sind Verfolgungssituationen aus unserer eigenen Geschichte bekannt. Heute ist uns aufgegeben, den andernorts „um Jesu willen“ (vgl. Mt 5,11) bedrängten Christen und allen zu Unrecht Verfolgten solidarisch beizustehen. Gefordert ist unser Gebet, aber auch der aktive Einsatz für die weltweite Verwirklichung der Religionsfreiheit. Ich möchte die Gemeinden dazu ermutigen, weiterhin ihren Glauben und die Bereitschaft zur Gewaltfreiheit zu bezeugen, die aus dem Evangelium kommen. Sie sollen nicht den Mut verlieren, denn das Zeugnis des Evangeliums ist und wird immer ein Zeichen des Widerspruchs sein. Bei allem ist uns eine Hoffnung geschenkt: „Wo Gott ist, da ist Zukunft.“ Vor allem gilt es, auf die vielen Christen zu schauen, die ihr Leben aus dem Glauben gestalten und Großartiges für unsere Gesellschaft leisten. Es gibt viel Gutes und Ermutigendes in Deutschland, das vom Evangelium angeregt und vom christlichen Glauben getragen ist. Wer nicht nur auf den Mangel schaut, sondern auch das Gute sieht, lernt staunen und wird dankbar.