Erzbischof Edmund Farhat: Die Botschaft „Auf Christus schauen“ und die Freude verkünden

Grußbotschaft des Apostolischen Nuntius zu Beginn der Papst-Visite in Österreich

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WIEN, 6. September 2007 (ZENIT.org).- Erzbischof Edmond Farhat, Apostolischer Nuntius in Österreich, lässt ZENIT-Lesern aus Anlass des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in diesem Land das folgende Grußwort zukommen.



Er ermutigt die Christen, ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu bekennen, und erklärt, warum die Familie der „wahre Reichtum der Gesellschaft“ ist. Der Besuch des Heiligen Vaters, der die „die Nöte und Sorgen der Menschen in Österreich“ kenne, werde allen Mut machen – „damit wir mit neuem Elan die Botschaft ‚Auf Christus schauen‘ und die Freude verkünden können“.

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Papst Benedikt XVI. wird in Kürze Österreich einen dreitätigen Besuch abstatten. Er kommt als Pilger in ein Land, das immer noch christlich geprägt ist, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so erscheint.

Freilich hat sich vielerorts die religiöse Praxis geändert. Nur ein relativ geringer Prozentsatz von Katholiken geht heute noch regelmäßig in die Kirche. Oft haben die Menschen den Kontakt zu den kirchlichen Institutionen verloren. Das soziale Leben der österreichischen Bevölkerung zehrt hingegen weiterhin von einem „Humus“, der über tiefe christliche Wurzeln verfügt. Was wäre Österreich ohne seine reiche Kultur, ohne seine Musik? Was wäre Österreich ohne den vielen gut funktionierenden Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen? Wie würde die österreichische Landschaft aussehen ohne seine vielen berühmten Klöster und Kirchen? Die Österreicher sollten vielmehr stolz sein auf ihre Geschichte. Gerade einem aufmerksamen „Beobachter von außen“ fallen diese Aspekte auf.

Papst Benedikt XVI. besucht am 8. September als Höhepunkt seines dreitägigen Österreichbesuchs den Wallfahrtsort Mariazell, das dieses Jahr sein 850jähriges Jubiläum feiert. In Mariazell wird der Heilige Vater mit den versammelten Gläubigen zur „Magna Mater Austriae“ beten und die Kirche Österreichs und Europas, die Kirche der ganzen Welt mit ihren Sorgen und Ängsten, aber auch mit ihrer Freude und Hoffnung ihrem Schutz anvertrauen. Der Papst wird die Gläubigen ermutigen, „auf Christus zu schauen“. Er wird die Österreicher in ihrem friedlichen und sozialen Engagement ermutigen. Christus ist das lebende Zentrum der Geschichte, Er ist „fons vitae“, der Brunnen des Lebens.

Auch wenn einige Menschen klagen, dass es zu wenige Christen oder zu wenige Priester in Österreich gibt, meine ich, dass das Problem noch tiefer liegt. In Österreich leben über 80 Prozent Christen. Aber wo bleiben die Christen, die mutig ihren Glauben in der Öffentlichkeit bekennen? Während eine kleine Minderheit von Kirchenkritikern sich in den Medien lautstark zu Wort meldet, schweigt die Mehrheit der gläubigen Katholiken zu wichtigen Themen unserer Gesellschaft. In anderen Teilen der Welt hingegen, wo Christen eine Minderheit darstellen, nehmen sie oft große Mühen auf sich und verschaffen sich durch ihren dynamischen Glauben in der Gesellschaft Gehör.

In der europäischen Wohlstandsgesellschaft scheint es hingegen, dass die Menschen oft nicht mehr bereit sind, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Es fällt ihnen schwer, auf ein angenehmes Leben zu verzichten. Aber das Leben entwickelt sich wie die Phasen der Jahreszeiten: Es gibt eine Zeit zum Pflanzen (sie beinhaltet das Leid), eine Zeit zum Wachsen (zum Streben) und eine Zeit zum Ernten (zur Freude). Die traditionelle Familie ist der Ort, wo diese Pflanze gedeihen kann. Es ist der Ort, wo der Mensch zum Mitarbeiter Gottes wird.

Europa ist heute zwar reich an materiellen Gütern, aber arm an Kindernachwuchs. Wie würde die Gesellschaft in der Zukunft aussehen, wenn es keine Kinder und keine Familien mehr gäbe? Ist die Familie nicht der wahre Reichtum der Gesellschaft?

Letztendlich können sich gerade auch die verschiedenen Berufungen, wie jene des Priesters, nur dort entfalten, wo Familien die Kinder annehmen, die Gott ihnen schenken möchte. Der Papst kennt die Nöte und Sorgen der Menschen in Österreich. Er wird uns mit seinen Worten sicherlich Mut machen und uns viel Kraft geben, damit wir mit neuem Elan die Botschaft „Auf Christus schauen“ und die Freude verkünden können.