Erzbischof Filoni: Die älteren Menschen sind keine „Last“, sondern ein kostbarer Schatz

Eröffnungsvortrag zur diesjährigen Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Familie

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ROM, 7. April 2008 (Zenit.org).- Die Kultur der Leistungsgesellschaft, wie sie in der westlichen Welt aufrechterhalten wird, führt dazu, dass die älteren Menschen als „Problem“ betrachtet werden, während sie doch in Wirklichkeit einen unschätzbaren Schatz für die Gemeinschaft darstellen. Das bekräftigte Erzbischof Fernando Filoni, „Substitut“ für Allgemeine Angelegenheiten im Vatikanischen Staatssekretariat, am Donnerstag bei der Eröffnung der 18. Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Familie. Die Arbeitssitzungen kreisten diesmal um das Thema der Großeltern (vgl. ZENIT vom 2. April).



Das gewählte Thema sei insbesondere angesichts der steigenden Lebenserwartung in vielen Teilen der Welt höchst aktuell wie auch angesichts der bedauerlichen Tatsache, dass eine Gesellschaft, die sich auf Erfolg und Nutzen stützt, die Tendenz habe, die älteren Menschen als „eine Last“ zu sehen und an den Rand zu drängen. Vor allem in den Großstädten sei dieses Phänomen zu beobachten, fuhr Erzbischof Filoni fort. Dort sehe man, wie die Leistungskultur die Oberhand gewinne und sich die alten Menschen schließlich völlig alleine gelassen fühlten, in die Familien abgeschoben würden oder ganz vereinsamten.

Erzbischof Filoni rief die Verantwortlichen der westlichen Welt dazu auf, das, „was auf den ersten Blick ein Problem zu sein scheint – nämlich die Situation von nicht wenigen älteren Menschen –, in Angriff zu nehmen und es in eine positive Ressource zu verwandeln, die der ganzen Gesellschaft zugute kommt".

Die älteren Menschen sind nämlich nach Worten des Substituts im Staatssekretariats „Bewahrer des kollektiven Bewusstseins“, das dazu beitrage, die Gegenwart und Zukunft zuversichtlich in den Blick zu nehmen. Zudem handle es sich um die „bevorzugten Interpreten von Idealen und gemeinsamen Werten, die das bürgerliche Miteinander regieren“, die darüber hinaus in der Lage seien, „die Komplexität des Lebens aus der Perspektive von Ereignissen heraus zu begreifen, die sie selbst erleben mussten“. Deshalb könnten sie den jüngeren Generationen auch zeigen, wie man die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt.

„Die Jugendlichen blicken voller Bewunderung und Vertrauen auf ältere Menschen, wenn sie in ihnen Vorbilder erkennen, die man nachahmen kann, und weise Menschen, die man in den entscheidenden Fragen des Lebens um Rat bitten kann.“ Um diese positive Veranlagung zu stärken sei es erforderlich, die „Erziehung hinsichtlich der Achtung vor den älteren Menschen und der Wertschätzung ihres Potentials“ stärker zu fördern.

„Das Alter stellt eine günstige Zeit dar; eine Zeit, in der Menschen, die aufgrund ihrer Lebenserfahrung gereift und reich sind, ihren ganz spezifischen Beitrag zum Leben und zur Sendung von Kirche und Gesellschaft leisten können“, bekräftigte Erzbischof Filoni. Man müsse ihnen „mit dem gebührenden Respekt und dem erforderlichen Vertrauen begegnen, die es ihnen erlauben, sich zu äußern und sich angenommen und geliebt zu fühlen.“