Erzbischof Fisichella ermutigt die Katholiken, Sauerteig in der Gesellschaft zu sein

Vortrag des Präsidenten der Päpstlichen Akademie für das Leben in Rimini

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RIMINI, 1. September 2008 (ZENIT.org).- Am Tag vor dem Abschluss des „Meetings der Freundschaft“ der Bewegung „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Befreiung) setzte sich am Freitag, 29. August, der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben und Rektor der Päpstlichen Universität Lateranense, Erzbischof Salvatore Fisichella, mit dem Thema der Gegenwart der Katholiken in der modernen Gesellschaft auseinander. In seiner engagierten Ansprache betonte der Erzbischof, „dass wir nicht in den Sakristeien stecken, sondern in der Welt sind“, und dass daher niemand den Katholiken verbieten könne, das Wort zu ergreifen. „Wenn nicht wir es sind, die sprechen, so wird es niemanden geben, der Worte der Hoffnung für diesen verlorenen Menschen von heute hat.“



Unter Bezugnahme auf die blutigen Auseinandersetzungen im indischen Bundesstaat Orissa erklärte Fisichella, dass es wie in den Zeiten der frühen Kirche auch heute noch Märtyrer gebe. Viele Menschen seien nur deshalb ermordet worden, weil sie „den heiligen Namen ‚Christ’ tragen“.

Hinsichtlich der Verhältnisses zwischen Wissenschaft und Glauben bekräftigte der Rektor der Lateranuniversität, dass die Kirche niemals ein Feind der Wissenschaft sein könne und es auch in der Vergangenheit nie gewesen sei. Die Kirche sei vielmehr der Feind der Pseudowissenschaften und des Anspruches der Wissenschaft, das letzte Wort über den Menschen sprechen zu können. Fisichella betonte, dass „man sich von uns kein Wort des Todes erwarten kann“, sondern nur ein Wort des Lebens. Würde die Kirche dies auch nur einen Augenblick vergessen, so wäre der Mensch von heute seiner Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit überlassen.

Wenn man die Grundlagen des Lebens und des Existierens berühre, bestehe die Aufgabe der Kirche darin, den Menschen Sicherheiten und keine Zweifel zu geben – da es darum gehe, „auf dem Felsen Christi gegründet“ zu leben.

Die Rolle der Kirche in der modernen Gesellschaft ist für den Erzbischof eine öffentliche Rolle, was nicht mit „Einmischung“ gleichzusetzen sei. Zur Beziehung zischen Kirche und Staat in ethischen Fragen hob Fisichella hervor, dass der Staat aufgerufen sei, seine Verantwortung wahrzunehmen, wenn es zu neuen Problemen komme und wenn sich – aufgrund des wissenschaftlichen Fortschritts – bisher unbekannte Situationen ergäben.

Die Kirche kenne den Menschen, bekräftigte er; sie sei eine „Expertin in Menschlichkeit“. Aus diesem Grund wisse die Kirche, was im Herzen des Menschen sei und welche Fragen seinen Geist bewegten.

Ausgehend von den jüngsten blutigen Christenverfolgungen in Indien lancierte der Erzbischof einen Appell zur Verteidigung dieser Mitchristen in einem fernen Land: „In dem Moment, in dem gegen sie gewütet wird, wird gegen uns gewütet, da wir ein Leib sind – das ist die Wirklichkeit der Kirche!“

Die Kirche sei auch nach 2000 Jahren „Protagonist im Leben der Menschen“. Im Unterschied zu vielen Kräften, die in der Welt gegenwärtig seien, lebe die Kirche aus einer interpersonalen Beziehung heraus.

„Wären wir nicht glaubwürdig, so würde uns die Welt nicht schmähen“, so Fisichella, „da sie denken würde, dass wir zu ihr gehören.“ Gerade aber weil die Kirche glaubwürdig sei, wolle sie die Welt nicht. Dazu würden die Christen Nein sagen, da sie Personen seien und als solche Beziehungswesen. „Da die Christen über Gott als Person sprechen, die liebt und eine Beziehung: Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, wird diese Relationalität einem jeden von uns gegeben.“

Der Erzbischof rief in Erinnerung, dass die Kirche in ihrer Wirklichkeit in der Welt, aber nicht von dieser Welt sei. Die Katholiken seien wie Sauerteig und müssten als solcher in der Welt anwesend sein. Deshalb könnten sie von niemandem ausgeschlossen werden.

Zum Schluss seines Vortrags zitierte Erzbischof Fisichella Worte von Kardinal John H. Newman aus dessen „Apologia pro Vita Sua“ (London 1865): „Ich werde es nie gestatten, dass jenes Ereignis, das meinem Leben Sinn gegeben hat, als ein archäologisches Fundstück betrachtet werden kann. Es ist wahr, er hat vor mehr als 20 Jahrhunderten gelebt, aber sein Wort ist ein Wort für heute, seine Person hat Geltung für heute, seine Botschaft der Liebe gilt dem Heute.“