Erzbischof Giovanni Lajolo: Der Apostolische Nuntius, „Mann des Friedens“ und „Instrument der Einheit der Kirche“

Vortrag vor neu ernannten Bischöfen aus den Missionsländern im Vatikan

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ROM, 22. September 2006 (ZENIT.org).- Über die Aufgaben des Apostolischen Nuntius sprach vor kurzem Erzbischof Giovanni Lajolo während eines Studienseminars für neu ernannte Bischöfe aus den Missionsländern, das die Kongregation für die Evangelisierung der Völker in diesen Tagen in Rom veranstaltet hat.



Erzbischof Lajolo, der seit dem 15. September nicht mehr für die Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Staaten verantwortlich ist, sondern als Präsident der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und dem Gouvernatorat vorsteht, wies in seinem Vortrag zum Thema „Der Heilige Stuhl und die Beziehungen zu den Staaten“ zunächst darauf hin, dass die päpstliche Diplomatie wesentlich „pastoraler Natur“ sei. Sie müsse „die Anweisungen des Vikars Christi in allem aufmerksam berücksichtigen und versuchen, dessen alltägliche Anliegen zu interpretieren und dabei gleichsam für seine großen Visionen tätig sein“, erklärte der Erzbischof gemäß einem Bericht der Nachrichtenagentur „Fides“. Alles, was man vordergründig als politische Aufgabe verstehen könnte, „hat in Wirklichkeit keinen säkularen oder weltlichen, sondern vielmehr einen geistlichen Sinn“, do Erzbischof Lajolo.

Der Papst besitze als „Haupt des Bischofskollegiums, Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden“ (vgl. Kodex des Kanonischen Rechts, 331) das von internationalen Staatengemeinschaft anerkannte angeborene und unabhängige Recht (vgl. ebd., 362), „seine Gesandten zu ernennen und sie zu den Teilkirchen in den verschiedenen Nationen oder Regionen wie auch zugleich zu den Staaten und öffentlichen Autoritäten zu entsenden. Wesentlicher Bezugspunkt und konstituierendes Element der Apostolischen Nuntien ist der Papst deshalb kraft seiner hier genannten Eigenschaften und nicht als souveränes Oberhaupt der Vatikanstadt.“

Die erste Aufgabe des päpstlichen Vertreters bestehe darin, „Instrument der Einheit der Kirche“ zu sein und die Beziehungen, „die zwischen dem Apostolischen Stuhl und den Teilkirchen bestehen, ständig zu stärken und wirksamer zu gestalten“ (vgl. ebd., 364). Zu diesem Zweck trete er im jeweiligen Land mit Bischöfen, kirchlichen Institutionen, Priestern und Laien in den Ländern zusammen, um die Ortskirche kennen zu lernen, „damit der Heilige Vater und die Dikasterien der Römischen Kurie auf die bestmögliche Weise ihr Amt ausüben können“.

Darüber hinaus sollte der Apostolische Nuntius „Engagement für den ökumenischen und interreligiösen Dialog“ mitbringen und durch konstruktiven Dialog „zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur inneren, sittlichen und spirituellen Einheit eines Volkes“ beitragen. In diesem Sinn falle den Nuntien die Aufgabe zu, „Männer des Friedens“ zu sein.

Wie Erzbischof Lajolo erklärte, unterhält der Heilige Stuhl gegenwärtig diplomatische Beziehungen zu 174 Staaten sowie zum Souveränen Malteserorden; in 101 Ländern residiere ein Apostolischer Nuntius, und weitere 15 Vertretungen des Heiligen Stuhls gibt es bei 15 Internationalen Organisationen.