Erzbischof Mamberti: Globalisierung darf nicht Relativismus bedeuten

Fachtagung der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl und der Katholischen Akademie Bayern in Rom

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ROM, 10. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Damit Globalisierung nicht zum soziologischen Fundament für Relativismus und Synkretismus wird, ist es nach Worten von Erzbischof Dominique Mamberti, dem Sekretär des vatikanischen Staatssekretariats für die Beziehungen mit den Staaten, unbedingt erforderlich, die Rolle der Technik auf ein gesundes Maß zu beschränken. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sie zu einer Art Religion verkomme und zum Wegbereiter für Synkretismus werde.



Diese Botschaft ließ der Kurienerzbischof den Veranstaltern der Konferenz Globalisierung und Religion – Herausforderungen für Politik und Kirche zukommen, die am 4. und 5. Oktober von der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl und der Katholischen Akademie Bayern am 4. und 5. Oktober an der Päpstlichen Universität Gregoriana veranstaltet wurde.

In dem Schreiben, das den Tagungsteilnehmern von Msgr. Pietro Parolin, dem Untersekretär für die Beziehungen mit den Staaten, vorgelesen wurde, warnt Erzbischof Mamberti vor einer Gleichstellung des Glaubens an den technischen Fortschritts und Religion. Dadurch werde der Relativierung der Wahrheit Vorschub geleistet, bekräftigt er.

Wenn man an den Punkt komme, dass alle Religionen im Grunde gleichwertig sind, werde „jede Religion und insbesondere das Christentum, das versucht, als das Wahre zu erscheinen, fast als eine fanatische und möglicherweise fundamentalistische Bewegung erachtet“.

Eine Begegnung der Religionen könne es nicht geben, „wenn man auf die Wahrheit verzichtet; er ist nur möglich, wenn man sie vertieft“. Erzbischof Mamberti unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass der Relativismus nicht zur Einheit der Völker und Kulturen beitrage – „genauso wenig wie der reine Pragmatismus“. In diesem Sinn fährt er fort: „Der Verzicht auf die Wahrheit und auf Überzeugungen erhöht den Menschen nicht und bringt ihn auch nicht den anderen näher, sondern belässt ihn in den Fängen des Kalküls von Nützlichkeitserwägungen und Egoismus und beraubt ihn seiner Größe.“

Die Globalisierung hat nach Worten des Erzbischofs aber durchaus auch eine positive Seite: Sie hat Gesellschaften, die aus ideologischen, ethischen, nationalistischen oder kulturellen Gründen gegenüber anderen verschlossen waren, dazu gebracht, sich hin zu einem Weltbürgertum zu öffnen.

Das Problem sei folglich nicht die Globalisierung an sich, sondern die Gefahr des Verlustes des zentralen Charakters dessen, was Menschsein und Transzendenz bedeuten; und dabei gehe auch der Respekt vor der Religionsfreiheit verloren. Aus diesem Grund betont Erzbischof Mamberti, dass die Rechtssysteme von der gleichen Würde aller Menschen her formuliert werden müssten, gleich welcher Religion auch immer sie angehören, um so die Gleichheit von Frauen und Männern zu garantieren.

Es sei erforderlich, Gesellschaftsmodelle zu entwickeln, „die der Globalisierung in positiver Weise entgegentreten, von ihren Errungenschaften profitieren und friedlich koexistieren können“.