Erzbischof Mamberti über den Rechtsstatus des Heiligen Stuhls

Die Kirche dient ganzheitlichem Heil des Menschen

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ROM, 22. August, 2007 (ZENIT.org).- Erzbischof Dominique Mamberti, Sekretär des vatikanischen Staatssekretariats für die Beziehungen mit den Staaten, antwortete in einem Interview mit der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz „Avvenire“ (9. August 2007) auf einen Artikel, der am 21. Juli im „Economist“ erschienen war und dem Heiligen Stuhl nahe gelegt hatte, seinen diplomatischen Status aufzugeben.



Erzbischof Mamberti hob hervor, dass diese Aufforderung unannehmbar sei. „Sie entsteht vielleicht aus einem ungenauen Verständnis der Stellung des Heiligen Stuhls innerhalb der internationalen Gemeinschaft heraus; einer Stellung, die auf die Uranfänge der internationalen Gemeinschaft zurückgeht und sich vor allem seit dem Ende des 19. Jahrhunderts konsolidiert hat“, führte der „Außenminister“ des Vatikans aus.

„Mit dem Verschwinden des Kirchenstaates wurde es in der Tat immer deutlicher, dass der internationale Rechtsstatus des Heiligen Stuhls nicht vom Kriterium der territorialen Souveränität abhängt. Das ist von der internationalen Gemeinschaft widerspruchslos sowohl auf bilateraler Ebene akzeptiert – ich erinnere daran, dass fast 180 Staaten diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl unterhalten –, als auch auf multilateraler Ebene, wie insbesondere die Resolution der Vollversammlung der UNO Nr. 58/314 des Jahres 2004 bezeugt, durch die die Vorrechte und die Interventionsmöglichkeiten des Heiligen Stuhls als Ständiger Beobachter bei den Organisationen vermehrt wurden.“

Hinter der Aufforderung, sich auf den Status einer NGO zu beschränken, steht neben dem mangelnden Verständnis des juridischen Status des Heiligen Stuhls wahrscheinlich auch eine reduzierte Sicht seiner Mission, die nicht an bestimmte Bereiche oder besondere Interessen gebunden, sondern universal ist und alle Dimensionen des Menschen und der Menschheit einschließt.“

Erzbischof Mamberti wies darauf hin, dass die Aktivität des Heiligen Stuhls im Bereich der internationalen Gemeinschaft gerade aufgrund dieser Tatsache oft ein „Zeichen des Widerspruchs“ sei. Die Kirche höre nämlich nicht auf, „ihre Stimme zur Verteidigung der Würde jedes Menschen und der Heiligkeit jedes Lebens zu erheben – vor allem zur Verteidigung des Lebens der Schwächsten und zum Schutz der Familie, die auf der Ehe zwischen Mann und Frau gründet –, um das fundamentale Recht der Religionsfreiheit einzufordern und die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern zu vertiefen, die auf Gerechtigkeit und Solidarität basieren.

Indem der Heilige Stuhl seiner internationalen Rolle gerecht wird, steht er immer dem von Christus erhaltenen Gebot gemäß im Dienst des ganzheitlichen Heils des Menschen. Es verwundert nicht, dass versucht wird, die Kraft dieser Stimme zu schwächen.“