Erzbischof Marchetto: Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs

Ansprache in Köln

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ROM/KÖLN, 27. November 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Erzbischof Dr. Agostino Marchetto, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Migranten und Menschen unterwegs, heute, Donnerstag, bei der Sitzung der Migrations-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz in Köln gehalten hat.

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Sitzung der Migrations-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz vom 27.-28. November 2008

Thema: „Ein Blick auf den Päpstlichen Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegsund seine Zukunftsperspektiven"

Erzbischof Dr. Agostino Marchetto (Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs)

Ich bin Ihnen vor allem dankbar für Ihre Einladung, hier an Ihrer diesjährigen Sitzung teilzunehmen: es ist eine Bestätigung der unter uns bestehenden Verbundenheit im Geist der Zusammenarbeit und des Dienstes, was in diesem Jahr nochmals besonders sichtbar wurde mit der Realisierung des Weltkongresses über Zigeunerseelsorge in Freising.

Mein Referat möchte ich in 3 Teile aufteilen:

1) Die Vorstellung der Kompetenzen unseres Päpstlichen Rates, das heißt, ein allgemeiner Überblick über die Arbeiten (ich weise nur darauf hin, dass die verschiedenen Sektoren unserer Aufgaben die ganze Weite des Phänomens „Menschliche Mobilität" einschließt, wahres Zeichen der Zeit, das von der Kirche eine Antwort einfordert, eine spezifische Seelsorge);

2) eine kurzer Übersicht über die Instruktion EMCC, um zu einer herzlichen Annahme anzuregen, was unser großes Anliegen ist, 4 Jahre nach ihrer Veröffentlichung (in diesem Jahr haben wir 2 Kontinentaltreffen - in Afrika und Asien - durchgeführt, um die Annahme zu beschleunigen, und ich habe gerade in Liverpool an der Jahresversammlung gleichen Inhalts teilgenommen, zwischen CCEE und SECAM). Vielleicht könnten Sie hier in Deutschland auch ein Direktorium zur Anwendung der EMCC erarbeiten, für die Erstellung der Instruktion wurde ich 2001 von Bischof Voß ermutigt und angeregt.

3) Und zum Schluss, mit Blick auf die nächste Zukunft (außer der Vorbereitung des VI. Weltkongresses der Seelsorge für Migranten und Flüchtlinge, im November 2009), die Vorstellung der Umreißung eines neuen Dokumentes über Flüchtlings-Seelsorge, was im kommenden Jahr fertig sein wird.

Dann müsste man unsere 4 wichtigsten Aktionen aufgreifen (die beiden schon erwähnten und die Zigeunerseelsorge und das Apostolat der Straße), um sie zusammen mit anderen, nicht mehr fernen Erörterungen (wie für den Tourismus und die Wallfahrten) den Bischofskonferenzen zu unterbreiten. Das wurde ja auch in der Vergangenheit mit dem Dokument „Kirche und menschliche Mobilität" getan. Jedenfalls sind wir auch für die anderen hier nicht eigens erwähnten Sektoren genügend informiert und auf dem Laufenden.

1) Kompetenzen

Der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs hat die Aufgabe, dem Heiligen Vater beizustehen bei der Ausführung "der pastoralen Sorge der Kirche für die besonderen Bedürfnisse derjenigen, die gezwungen waren ihr Heimatland zu verlassen oder die kein Heimatland haben....[Er] bemüht sich gleichzeitig, mit der nötigen Aufmerksamkeit die Fragen zu verfolgen, die mit dieser Problematik verbunden sind [und]....setzt sich dafür ein, dass den Ortskirchen eine wirksame und angemessene Betreuung angeboten wird, falls nötig auch mit zweckmäßigen Pastoral-Strukturen und zwar für die Flüchtlinge und Vertriebenen, für die Migranten, die Nomaden und die Zirkusleute ... Gleichzeitig befürwortet er ... die pastorale Betreuung der Seeleute, sei es auf See, wie auch in den Häfen - dies besonders durch das Werk des 'Apostolatus Maris', dessen oberste Leitung er inne hat [und] bemüht sich mit dem gleichen Einsatz um alle die am Flugplatz oder in der Luftfahrt arbeiten. [Außerdem] verpflichtet sich [der Päpstliche Rat], damit alle Reisen, die aus Frömmigkeit oder aus Studiengründen oder zur Zerstreuung unternommen werden, die moralische und religiöse Bildung der Gläubigen fördern möge" (Pastor Bonus, Paragraph 149-151).

Frage

Wie können wir als Kirche wirksam präsent sein mit einer angepassten und spezifischen Seelsorge unter den Migranten, Flüchtlingen, Vertriebenen, internationalen Studenten und unter allen, welche die Beschränkungen leben und erleiden, die aus den vielen Erfahrungen der menschlichen Mobilität entstehen? Wie kann diese Anwesenheit auch evangelisierend und missionarisch sein? Wie kann sie in Verbindung gebracht werden mit der nötigen und dringenden menschlichen Förderung und der ganzheitlichen Entwicklung? Konkret gesagt, was würde unser Päpstlicher Rat, in der Ausführung seines Auftrags, als wertvolle Förderung seitens der Teilkirchen betrachten?

Die pastorale Anwesenheit der Kirche in der menschlichen Mobilität

Die Erfahrung unseres Rates lehrt uns, dass eine effektive pastorale Präsenz der Kirche unter den Migranten, Flüchtlingen und Menschen unterwegs im allgemeinen von der Ausbildung der Priester und der anderen Mitarbeiter in der Seelsorge in der menschlichen Mobilität, von einer angepassten pastoralen Organisation ("organischen pastoralen Solidarität") abhängt, und von der inter-ekklesialen Kooperation auf diözesaner, nationaler, regionaler, kontinentaler und universaler Ebene, als Ausdruck und Realisierung der vorgenannten Solidarität.

a) Ausbildung

Der erste Schritt, der getan werden muss, ist die Ausbildung der zukünftigen Priester und der anderen Mitarbeiter in der Seelsorge, wie auch die permanente Weiterbildung aller, die bereits in diesem Amt aktiv sind. Die kirchlichen Dokumente befassen sich in unzählbaren Hinweisen damit. Wir sehen die Entwicklung einer Mentalität und einer Spiritualität, die im Flüchtling, im Migranten und im Fremden Christus begegnet, als unentbehrlich an. 1986 hat die Kongregation für das katholische Bildungswesen in enger Zusammenarbeit mit unserem Dikasterium einen Rundbrief verfasst und an alle Bischöfe und Rektoren der Seminare gesandt, um sicherzustellen, dass die künftigen Priester außer der akademischen Ausbildung auch gut vorbereitet würden, um sich dem wachsenden Phänomen der menschlichen Mobilität stellen und eine spezifisch pastorale Aufgabe wirksam ausführen zu können. Die beiden Dikasterien haben 2005 in einem anderen gemeinsamen Schreiben ihre Besorgnis ausgedrückt hinsichtlich der Ausbildung der Priester und Seminaristen in den Fragen der menschlichen Mobilität (s. A.A.S. XCVIII/1). Die Ausbildung darf keinesfalls nur akademisch sein; sie fragt nach Spiritualität, wie auch Papst Johannes Paul II. in Kirche in Afrika (Nr. 136) beteuert: "Es genügt weder die pastoralen Methoden zu erneuern noch die kirchlichen Kräfte besser zu organisieren bzw. zu koordinieren oder etwa die biblischen und theologischen Glaubensgrundlagen mit größerer Klugheit zu erforschen, es gilt ein neues "glühendes Verlangen nach Heiligkeit" unter den Missionaren und in der ganzen christlichen Gemeinschaft zu wecken, um in diesem Fall Christus im Fremden zu dienen (vgl. Mt 25,37-40)".

b) pastorale Strukturen

Die zweite Aktion zielt hin auf die Schaffung geeigneter nationaler und diözesaner Strukturen, in besonderen Kommissionen für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs, oder wo dies nicht möglich ist, die Ernennung eines Bischöflichen Promotors. So vorgehen heißt, ein Minimum an Personen und Ressourcen einzusetzen, und dies hängt in großem Maße davon ab, wie überzeugt man von seiner Wichtigkeit und seiner Notwendigkeit ist, was besonderen Ausdruck findet in der Ausbildung für die menschliche Mobilität. Dort, wo solche Kommissionen bereits bestehen, stellen sie einen festen Orientierungspunkt der Pastoral dar, klar zu unterscheiden von der Caritas oder Frieden und Gerechtigkeit, mit denen sie natürlich zusammen arbeiten. Sie zeichnen sich besonders aus durch die ganz spezifische Art der Aufnahme des Fremden, um Kirche-Familie denen zu sein, die noch unter dem Trauma und dem Kreuz des Exils leiden, oder die Fremde in fremder Erde sind. Durch die Förderung der sakramentalen und liturgischen Feiern, die Frömmigkeitsbezeugungen, Pastoralbesuche, Katechese und missionarische Pastoral, helfen diese Kommissionen der Ortskirche ihre Präsenz unter den Migranten und Flüchtlingen in einer Art zu stabilisieren, die sie normalerweise von anderen humanitären Institutionen und nicht-governativen Organisationen unterscheidet. Leider fehlen den Ländern, die täglich im Gebiet der menschlichen Mobilität mit bedeutenden Herausforderung konfrontiert werden, nicht über eine funktionierende Struktur. Wir glauben, dass hier dringend eine Abhilfe geschaffen werden muss, wenigstens anfänglich durch einen Bischöflichen Promotor.

c) pastorale Zusammenarbeit

Drittens, Bildung und angemessene Strukturen gehen Hand in Hand mit der Zusammenarbeit zwischen Pfarreien, Diözesen, Bischofskonferenzen, regionalen, kontinentalen und universalen Strukturen kirchlicher Gemeinschaft. Da die Migranten und Flüchtlinge ja die kirchlichen und nationalen Grenzen überschreiten, ist die Antwort der Kirche notwendigerweise auch von gleicher Dimension ("Kirche ohne Grenzen"). Die Anwesenheit einer beachtlichen Zahl Vertriebener und Asylsuchender, die manchmal nachts in ein Nachbarland fliehen, stellen eine pastorale Verpflichtung dar, ihr nachzukommen kann oft nicht leicht sein. Etwas Ähnliches kann von den pastoralen Bedürfnissen großer Migranten-Gruppen, auch der Inland-Migranten (und Flüchtlinge) gesagt werden, die sich in großen Städten niederlassen. Diese und ähnliche Situationen verlangen Kontakte, Verbindungen und Absprachen zwischen der Kirche des Ursprungs- und des Ankunftslandes, um eine angemessene Seelsorge zu gewährleisten.

(1) in der Kirche des Ankunftslandes

Die Ausbildung, ein Minimum an Strukturen und die Zusammenarbeit können die Aufnahme, die Kommunikation und die Antwort auf die Erfahrung des Fernseins vom eigenen Heim besser garantieren. Das ist für die Ortskirche des Ankunftslandes ein Antrieb, dem Beispiel des Guten Hirten zu folgen, die Fremden aufzusuchen, die vielleicht aufgrund der Verständigungs-Schwierigkeiten, der anderen Kultur und vielleicht des Rechts-Status zögern, sich der Kirche zu nähern, und sie in ihre Familie einzuladen. Dort sollten sie ein einfühlendes Verhalten erfahren, das ihren Glauben und ihr Vertrauen in Gott stützt, denn auch das ist sehr wichtig. Da können die Migranten Erleichterung finden von anderen gemeinsamen Erfahrungen, wie Diskriminierung, Randdasein wegen Arbeitslosigkeit oder krimineller Aktivitäten. All das kann sie bewahren vor dem was die Kirche-als-Familie schwächen kann, wie die Anziehungskraft der Sekten oder des Islams. Die Gewissheit, die aus dem Bewusstsein entspring, dass auch sie Teil dieser Familie sind, erlaubt den Migranten, sich in sie zu integrieren und ihr ihren Beitrag zu geben.

Wenn die Migranten anderen Kirchen oder kirchlich christlichen Gemeinden angehören oder Anhänger anderer Religionen sind, so stellt die Tatsache, dass man sie aufnimmt eine Gelegenheit dar, jenen Dialog des Lebens zu festigen, der ein Schlüssel-Aspekt des Ökumenismus ist und der inter-religiösen Beziehung. Es ist weiter auch eine Gelegenheit das Evangelium vorzustellen, und ein erklärendes Zeugnis der Liebe Christi geben (vgl. 1 Petr 3,15).

(2) in der Kirche des Herkunftslandes

Auch in den Herkunftsorten der Migranten ist eine spezielle Seelsorge von Nöten. Die Migration trifft zum Beispiel stark die Familien, besonders wenn die Ehepartner getrennt werden und für die Frauen als Familienoberhaupt die Lasten wachsen. Das zeigt sich in noch dramatischer Weise, wenn die Menschen gezwungen sind von ihrem Heim zu flüchten und die eigene Familie zu verlassen. Eine solche Realität erfordert, wo immer dies möglich ist, ein besondere pastorale Aufmerksamkeit und spezifische Programme.

Ein weiteres Pastoralangebot betrifft die Vorbereitung derjenigen, die vorhaben, auszuwandern, wie das in einigen Ländern schon der Fall ist. Das kann ihnen eine Gelegenheit bieten, mit Überlegung abzuwägen, auszuwandern oder nicht, indem man ihnen die "Waffen des Lichtes" (Röm 13,12) gibt, um sich einer solch schwierigen und sogar gefährlichen Erfahrung zu stellen. Der Kontakt mit der Ortskirche des Ankunftslandes kann dies erleichtern und sie an den Aufruf erinnern, das Evangelium zu verkünden.

All das erfordert eine Seelsorge, in der die territoriale und spezialisierte Annäherung Verbindung findet (vgl. CIC, Can. 529, §1; 568; 564 und CCEO Can. 280, §1) in Erfüllung der Richtlinien des II. Ökumenischen Vatikanischen Konzils: "Eine besondere Sorge werde den Gläubigen gewidmet, die wegen ihrer Lebensbedingungen die allgemeine ordentliche Hirtensorge der Pfarrer nicht genügend in Anspruch nehmen können oder sie vollständig entbehren. Dazu gehören zahlreiche Auswanderer, Vertriebene und Flüchtlinge ... und andere ähnliche Gruppen... Die Bischofskonferenzen ... sollen die dringlicheren Fragen, die jene Gruppen betreffen, gründlich untersuchen und mit geeigneten Mitteln und Einrichtungen einmütig alle Kraft aufbieten, um deren geistliche Betreuung zu fördern. Sie sollen dabei besonders die vom Apostolischen Stuhl erlassenen oder noch zu erlassenden Normen beachten und sie an die Gegebenheit der Zeit, des Ortes und der Personen entsprechend anpassen" (Christus Dominus 18).

Schlussfolgerung: Unser tiefster Wunsch ist, mit den Bischöfen, die für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs verantwortlich sind, zu arbeiten.

Unser Päpstlicher Rat wünscht sich ehrlich mit den Bischöfen, den Bischofskonferenzen und den regionalen und kontinentalen Organisationen in kirchlicher Gemeinschaft, aus pastoraler Sicht, zusammen zu arbeiten zum Wohle der Migranten, Flüchtlinge und der anderen Menschen in Mobilität. Die den Ortskirchen zur Verfügung stehenden Mittel sind unter anderen eine spezifische Ausbildung und die Organisation. Als Vertreter der uns vom Heiligen Vater anvertrauten universellen Fürsorge, sind wir mit voll bereit mit Euch zusammen zu arbeiten, um die spezifische Präsenz der Kirche in der Welt der Mobilität, also unter den Migranten, Flüchtlingen, ausländischen Studenten, Seeleuten Luftfahrer, Nomaden, Zirkusleuten und Schaustellern, den Menschen auf der Straße, den Touristen und Pilgern zu fördern.

2) Ein Gesamtblick auf die Instruktion Erga Migrantes Caritas Christi

Die heutige Migration stellt die größte Bewegung von Menschen aller Zeiten dar. In den letzten Jahrzehnten hat sich dieses Phänomen, was jetzt mehr als zweihundert Millionen Menschen betrifft, in ein strukturelles Ereignis der Gesellschaft gewandelt und stellt eine komplexe soziale, kulturelle, politische, wirtschaftliche, religiöse und pastorale Realität dar.

Die Instruktion Erga Migrantes Caritas Christi will gerade die Migrantenseelsorge auf den heutigen Stand bringen, nachdem bereits fünfunddreißig Jahre vergangen sind seit der Veröffentlichung des Moto Proprio von Papst Paul VI. Pastoralis migratorum cura und der entsprechenden Instruktion der Heiligen Kongregation für die Bischöfe De pastorali migratorum cura („Nemo est").

Die Instruktion will eine kirchliche Antwort auf die neuen seelsorglichen Bedürfnisse der Migranten sein, und sie will uns dahin führen, die Erfahrung der Migration in eine Gelegenheit des Dialogs und der Mission, im Zeichen der neuen Evangelisierung zu wandeln. Das Dokument will ebenfalls eine genaue Anwendung der Gesetzgebung, wie sie im CIC und im CCEO enthalten ist, erleichtern, um in mehr angepasster Weise auf die besonderen Bedürfnisse der emigrierten Gläubigen der katholischen Ostkirchen zu antworten, deren Zahl immer größer wird.

Die Beschaffenheit der heutigen Migrationen verlangt außer der Entwicklung des Ökumenismus auch notwendigerweise eine ökumenische Sicht des Phänomens, denn in den traditionell katholischen Gebieten halten sich viele christliche Migranten auf, die nicht in voller Einheit mit der katholischen Kirche stehen. Aufgrund der immer größeren Zahl von Migranten, die anderen Religionen angehören, besonders der islamischen, besteht die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs.

So richtet sich eine vorzüglich pastorale Anforderung an alle Katholiken, getreu der kirchlichen Tradition eine Aktion zu fördern, die aber gleichzeitig offen ist für neue Entwicklungen, auch hinsichtlich der seelsorglichen Strukturen, und das, um sie zu befähigen, die Gemeinschaft zwischen den spezifischen Mitarbeitern in der Pastoral und der lokalen Hierarchie zu garantieren, die ausschlaggebend ist im kirchlichen Bemühen für die Migranten, und auch die erste Verantwortung trägt.

Nach einer raschen Durchsicht der besonderen Merkmale des heutigen Migrations-Phänomens (das Auftreten der Globalisierung, die demographische Umformung, besonders in den Ländern erster Industrialisierung, die Erweiterung im Schnitttest der Ungleichheit zwischen Norden und Süden der Welt, die Vermehrung der Auseinandersetzungen und der Bürgerkriege) heben sich die großen Schwierigkeiten ab, die im allgemeinen die Emigration in den Familien und den Einzelnen hervorruft, und besonders die Frauen und Kinder betrifft. Dieses Phänomen bringt auch das ethische Problem nach einer neuen internationalen wirtschaftlichen Ordnung hervor, für eine mehr gleiche Verteilung der Güter der Erde, indem die Weltgemeinschaft als eine Völkerfamilie betrachtet wird, wo das Internationale Recht Anwendung findet.

In der Instruktion wird weiter für die Emigration ein genaues Bild biblisch-theologischer Anhaltspunkte aufgezeigt, indem das Migrations Phänomen in der Heilsgeschichte betrachtet wird, als ein Zeichen der Zeit und der Anwesenheit Gottes in der Geschichte und der menschlichen Gemeinschaft, im Hinblick auf eine universelle Vereinigung.

In einem synthetisch geschichtlichen excursus will die Instruktion in den kirchlichen Dokumenten die Sorge der Kirche für die Migranten und Flüchtling aufzeigen: ausgehend von Exsul Familia bis hin zum II. Ökumenischen Vatikanischen Konzil, von der Instruktion De Pastorali migratorum cura und den nachfolgenden kanonischen Normen. Eine solche Durchsicht zeigt wichtige theologische und pastorale Errungenschaften, wie die Zentralität der Person, die Verteidigung der Rechte der Migranten, die kirchliche und missionarische Dimension der Migrationen selbst, der pastorale Beitrag der Laien, der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaft des apostolischen Lebens, der Wert der Kulturen im Werk der Evangelisierung, der Schutz und die Aufwertung der Minderheiten auch innerhalb der Ortskirchen, die Bedeutung des Dialogs intra und extra kirchlich, und endlich auch der besondere Beitrag, den die Emigration zum Weltfrieden geben kann.

Weiter Instanzen, wie die Notwendigkeit der „Inkulturation - die Inkarnation in die Kultur" - der christlichen Botschaft, die Sicht der Kirche, verstanden als Gemeinschaft, Mission und Volk Gottes, die immer aktuelle Wichtigkeit einer spezifischen Seelsorge für die Migranten, die dialogisch-missionarische Verpflichtung und die Solidarität gegenüber den Migranten, führen ein in die Analyse der spezifischen pastoralen Bedürfnisse, die beantwortet werden müssen, gleich ob es sich um katholische Migranten (des lateinischen wie auch des orientalischen Ritus) handelt, wie auch um Angehörige verschiedener Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, oder allgemein anderen Religionen, insbesondere des Islams.

So dann wird die pastorale und die rechtliche Gestalt des Mitarbeiters in der Pastoral genau umrissen und bestätigt - besonders die der Kapläne/Missionare und ihrer nationalen Delegaten (Koordinatoren), der Diözesan-/Eparchal-Priester, der Ordensmänner und Ordensfrauen, der Laien, der Assoziationen und Laien-Bewegungen - deren apostolischer Einsatz wie eine Pastoral der Kommunio gesehen und beachten wird.

Die Integration der Pastoralstrukturen (die schon bestehenden und die vorgesehenen) und die kirchlich Eingliederung der Migranten in die allgemeine Seelsorge - unter voller Beachtung ihrer rechtmäßigen Verschiedenheit und ihres spirituellen und kulturellen Erbes, auch mit Blick auf die Heranbildung einer Kirche, die immer mehr „katholisch" ist - ist eine weitere wichtige Charakteristik, die das Dokument hervorheben und den Teilkirchen vorschlagen will. Eine solche Integration ist eine grundlegende Bedingung, damit die Seelsorge für und mit den Migranten bedeutungsvoller Ausdruck der universellen Kirchen und missio ad Gentes (Mission der Völker) werden kann, brüderliche und friedliche Begegnung, Haus aller, Schule der aufnehmenden und teilhabenden Gemeinschaft, erfragte und gegebene Versöhnung, gegenseitige Aufnahme in Brüderlichkeit und Solidarität, so wie authentische menschliche und christliche Förderung.

Auf den neuesten Stand gebrachte, punktuelle „rechtlich-pastorale Richtlinien" krönen die Instruktion und lenken die Aufmerksamkeit mit einer passenden Sprache auf Aufgaben, Obliegenheiten und Rollen der Mitarbeiter in der Pastoral und der verschiedenen kirchlichen Organismen, die der Migrationsseelsorge anempfohlen werden mit dem Ziel sie so gut wie möglich in geeigneter Weise an die heutigen Bedürfnisse der Migranten und an die vorgesehenen zukünftigen Ziele anzupassen.

Das Dokument schließt sich also vorbildlich an Exsul Familia an und unterstreicht die Kontinuität der Anregungen, gleichzeitig aber mit einer Öffnung für die neuen Perspektiven, die das Phänomen der Migration heute aufzeigt. Die Kirche befindet sich also kontinuierlich im Einsatz, um Instrumente der Analyse und der Pastoral-Programmierung auf den neuesten Stand zu bringen. Auch hier gehen Tradition und Erneuerung Hand in Hand.

3) Die Mission der Kirche gegenüber den Flüchtlingen

Die Flüchtlinge liegen der Kirche immer am Herzen. Wenn wir uns auf die jüngere Vergangenheit begrenzen, so hat Papst Johannes XXIII. in der Enzyklika Pacem in terris festgestellt, „dass diese Flüchtlinge mit der Würde einer Person ausgestattet sind und dass ihnen die Rechte einer Person zuerkannt werden müssen."[1] Von da an hat die katholische Kirche nicht aufgehört, zu ihren Gunsten Aufrufe an die internationale Gemeinschaft zu richten und mit diesem Ziel hat sie alle Christen und alle Menschen guten Willens zu Solidarität und Mitarbeit aufgerufen.

So versicherte auch Johannes Paul II. 1981 nur wenige Jahre nach Beginn seines Pontifikats, dass alles, was die Kirche zugunsten der Flüchtlinge tut, integrierender Bestandteil ihrer Mission ist. Während eines Besuches im Flüchtlingslager Morong in den Philippinen sagte er: „Die Tatsache, dass die Kirche große Anstrengungen unternimmt, um den Flüchtlingen zu helfen, wie sie es gerade und besonders in diesen Jahren tut, sollte niemanden überraschen. Denn dies ist integrierender Bestandteil der Mission der Kirche in der Welt."[2]

Bei einer späteren Gelegenheit hat derselbe Papst die Art dieser Mission so definiert:

„Die Kirche hat unseren Brüdern, den Migranten und Flüchtlingen gegenüber eine einzigartige Aufgabe. [...] Wenn es auch in erster Linie darum geht, sich mit ihren materiellen Problemen respektvoll und großzügig zu befassen, so dürfen wir dabei aber ihre geistliche Bildung mit Hilfe einer spezifischen Pastoral, die ihrer Sprache und Kultur Rechnung trägt, nicht vernachlässigen."[3]

Die Hilfeleistung muss also sowohl die materiellen wie die geistlichen Bedürfnisse des Einzelnen umfassen, was die Zweckmäßigkeit der seelsorgerischen Natur dieses unseres Dokuments bestätigt.

So wie jeder Mensch eine Familie braucht, um zu wachsen und zu gedeihen, gilt dies auch für die Flüchtlinge. Aus diesem Grunde hat sich die Kirche immer für eine Zusammenführung der Familien eingesetzt, die durch die Flucht eines ihrer Mitglieder getrennt worden ist. Papst Benedikt XVI. hat darum in seiner Botschaft zum Internationalen Tag des Migranten und des Flüchtlings 2007 vor aller Augen die gravierende Situation der Familien der Flüchtlinge dargelegt.

Um nun zu unserem Päpstlichen Rat zu kommen, so hat man im 1992 zusammen mit dem Päpstlichen Rat Cor Unum ein Dokument mit dem Titel Die Flüchtlinge, eine Herausforderung an die Solidarität [4] veröffentlicht, in dem im Hinblick auf die Hilfe für die Flüchtlinge klar bestätigt wird, dass „die Verantwortung, den Flüchtlingen Aufnahme, Solidarität und Assistenz anzubieten vor allem bei der Teilkirche liegt. Sie ist dazu aufgerufen, dem Evangelium und seinen Ansprüchen gerecht zu werden, indem sie unterschiedslos auf diese Menschen im Moment der Not und der Einsamkeit zugeht. Ihre Aufgabe nimmt verschiedene Formen an: persönlicher Kontakt, Verteidigung der Rechte von Einzelnen und Gruppen; Publikation der Ungerechtigkeiten, die die Wurzel des Übels sind; Förderung der Verabschiedung von Gesetzen, die einen wirksamen Schutz garantieren und geistlicher Beistand. Sie wird sich auch darum bemühen, den Flüchtlingen der Gesellschaft gegenüber, die sie aufnimmt, ein Verhalten einzuschärfen, dass Respekt und Aufgeschlossenheit zeigt.

Zur gleichen Zeit empfindet es die Kirche auch als ihre ureigenste (prophetische) Mission, (das Ministerium der advocacy ) ein Bewusstsein für die Situation der Flüchtlinge zu wecken, eine Situation, die sich dank der Bemühungen all derer ändern müsste, die in der Lage sind, etwas in diesem Sinne zu unternehmen. Diese dramatische Situation kann und darf nicht für immer andauern.

DIE SEELSORGE DER ZWANGSMIGRANTEN

A. Die prophetische Mission der Kirche

Niemand ist ein Fremder in der Kirche, denn sie umfasst „alle Nationen und Stämme, Völker und Sprachen." (Offb 7,9) Außerdem

„besteht die Einheit der Kirche nicht in dem gemeinsamen Ursprung ihrer Elemente, sondern in dem Geiste Pfingstens, der aus allen Nationen ein neues Volk macht, das ein Ziel hat: das Reich, eine Bedingung, die Freiheit der Kinder, und ein Gebot, das der Liebe (vgl. Lumen Gentium, 9)." [5]

Darum fühlt sich die Kirche, „ ‚Zeichen und Instrument der Kommunion mit Gott und der Einheit zwischen den Menschen,' zutiefst beteiligt am kulturellen Fortschritt, dessen hervorstechende Eigenschaft die Mobilität ist"[6] und sie ist dazu aufgerufen, das Evangelium des Friedens auch in Situationen der Zwangsmigration zu verkünden.

B. Eine spezifische Pastoral, die auf den Werten des Reiches Gottes gründet

MENSCHLICHE UND CHRISTLICHE WÜRDE

In der Sozialdoktrin der Kirche, die ihren Einsatz für Flüchtlinge, Vertriebene und für Menschen leitet, die Opfer des Menschenhandels sind, kommt der Menschenwürde[7] eine zentrale Bedeutung zu, die sich auf die Überzeugung gründet, dass wir alle nach dem Abbild Gottes geschaffen sind (vgl. Genesis 1, 26). Grundlage ihrer Auffassung der Gesellschaft ist nämlich die folgende: „Der einzelne Mensch ist das Fundament, die Ursache und der Zweck jeder gesellschaftlichen Einrichtung."[8] Ein jeder ist wertvoll, Menschen sind wichtiger als Dinge und der Wert der Einrichtungen misst sich daran, wie sie mit dem Leben und der Menschenwürde umgehen. Schon 1961 wurde in der Enzyklika Pacem in terris erklärt:

„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, auf physische Unversehrtheit und auf ausreichende Mittel, wie sie unentbehrlich sind, um ein menschenwürdiges Leben zu führen, insbesondere auf [9]Lebensmittel, Kleidung, Unterkunft, Erholung, medizinische Fürsorge und die nötigen Sozialleistungen."

Man kann hieraus ableiten, dass eine Person, die in ihrem eigenen Land kein menschenwürdiges Leben führen kann, unter bestimmten Bedingungen das Recht besitzt, woanders hinzugehen.[10] Jeder Mensch nämlich verfügt über einen wesentlichen und unschätzbaren Wert und eine Würde, die auf keinerlei Weise bedroht werden darf. „Das Lehramt hat ebenfalls stets die sozioökonomischen Ungleichheiten öffentlich angeklagt, die meistens der Grund für die Migrationen sind, sowie die Risiken einer Globalisierung ohne Regeln, in der die Migranten eher als Opfer denn als Protagonisten ihres migratorischen Schicksals erscheinen." [11]

SOLIDARITÄT UND ASSISTENZ

Die Solidarität ist gebunden an die Auffassung, der zufolge wir alle trotz unterschiedlicher Nationen, Rassen und Volkszugehörigkeit, trotz aller wirtschaftlicher und ideologischer Unterschiede eine einzige große Menschenfamilie bilden und dass wir alle voneinander abhängen. Wir sind die Hüter unserer Brüder und Schwestern, wo immer sie auch leben mögen. Deshalb ist „der Fremde" der Bote Gottes, der überrascht und der mit der Regelmäßigkeit und der Logik des Alltags bricht und nahe bringt, wer uns fern ist (vgl. Joh 1,14), und „an unsere Tür klopft" (vgl. Offb 3,20).[12] Darum gehen wir mit Christus und auf Christus zu, der im Flüchtling gegenwärtig ist.

HERAUSFORDERUNGEN AN DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT UND ZUSAMMENARBEIT

Die Kirche ist sich der dramatischen Situation der Flüchtlinge und der unmenschlichen Bedingungen bewusst, unter denen sie leben,[13] und sie ist der Auffassung, dass diese dramatische Situation nur durch ein aufrichtiges Bemühen um ein gemeinsames Eingreifen auf internationaler Ebene möglich ist. Während sie auf der einen Seite einzelnen Regierungen ihre Anerkennung für all das ausspricht, was sie zugunsten der Flüchtlinge tun, und ihre Dankbarkeit für die im Rahmen der Ortskirchen und der kirchlichen Organisationen geleistete Arbeit zum Ausdruck bringt, wird der Heilige Stuhl nicht müde, zur internationalen Unterstützung solcher Initiativen aufzufordern.

Während des III. Internationalen Kongresses für die Pastoral der Migranten und Flüchtlinge hat der Papst selbst zusammengefasst, was die Katholische Kirche unter Solidarität versteht:

„Dieses Bemühen um wahre internationale Solidarität, basierend auf einem erweiterten Begriff des Allgemeinwohls, ist der der einzig mögliche Weg, um allen eine wirklich bessere Zukunft zu sichern, auch wenn er sehr anspruchsvoll scheinen mag. Damit dies möglich wird, muss sich eine Kultur der solidarischen Interdependenz ausbreiten und im allgemeinen Bewusstsein tiefe Wurzeln schlagen mit dem Ziel, die Öffentliche Hand, die internationalen Organisationen und die privaten Bürger im Hinblick auf ihre Pflicht zur Aufnahme und zur Anteilnahme gegenüber den Ärmsten zu sensibilisieren. Aber neben diesem Projekt für eine solidarische Politik auf lange Sicht müssen auch die unmittelbaren Probleme der Migranten und Flüchtlinge Beachtung finden, die sich weiterhin an den Grenzen der hoch industrialisierten Länder drängen. In der letzten Enzyklika Centesimus Annus habe ich daran erinnert, dass es „nötig sein wird, eine Mentalität abzulegen, die die Armen, ob Personen oder Völker, als eine große Bürde und als lästige Eindringlinge betrachtet ... Die Erhebung der Armen bietet der gesamten Menschheit eine große Gelegenheit zu moralischem, kulturellem und auch wirtschaftlichem Wachstum." [...]Doch ist es nicht genug, den Migranten mit der Einreisegenehmigung die Türen zu öffnen; danach muss man ihnen die wirkliche Eingliederung in die Gesellschaft, die sie aufnimmt, erleichtern. Die Solidarität muss tägliche Erfahrung der Hilfe, des Teilens und der Anteilnahme werden." [14]

Die Instruktion Erga migrantes caritas Christi präzisiert noch einmal mit den erforderlichen Unterscheidungen, worin die Aufnahme der Migranten und Flüchtlinge besteht: „Sicher ist es nützlich und richtig, hinsichtlich der Aufnahme die Begriffe zu unterscheiden: die Betreuung im Allgemeinen (oder erste Aufnahme, die zeitlich eher begrenzt ist), die Aufnahme im eigentlichen Sinn (die eher längerfristige Projekte umfasst) und die Integration (das langfristige Ziel, das beständig und im rechten Verständnis des Wortes zu verfolgen ist). Die pastoralen Mitarbeiter, die eine besondere Kompetenz in der Vermittlung der Kultur haben - Mitarbeiter, deren Dienst sich auch unsere katholischen Gemeinden sichern sollen -, sollen helfen, die legitime Forderung nach Ordnung, Legalität und sozialer Sicherheit mit der christlichen Berufung zur Aufnahme und zur Liebe im Konkreten zu verbinden."[15]

Wenn man die Meinung von Papst Johannes Paul II. zum Thema der Globalisierung untersuchen will, muss man auch den Appell hervorheben „die Solidarität zu globalisieren", indem man es zur Verantwortung jedes Einzelnen erklärt, in diesem Bereich aktiv zu werden:

Solidarität ist auch die christliche Antwort des Einzelnen und der Gemeinschaft auf die Globalisierung. Sie beginnt im Herzen jedes Einzelnen, wenn er den anderen - und nicht nur die Armen - als einen Bruder, eine Schwester betrachtet, oder sogar noch weiter geht, als Teil desselben Körpers Christi. Und im Dienste der Verantwortung kann kein anderer an meiner Stelle das tun, was ich tun kann. Ein jeder fühle sich also angesprochen, um persönlich Antwort zu geben.[16]

Die katholische Kirche verlangt, dass auch die Menschenrechte jener Flüchtlinge geschützt werden, die nicht die Grenzen des eigenen Landes überschritten haben. Dies "erfordert das Ergreifen von besonderen gesetzgeberischen Maßnahmen und von geeigneten Techniken in der Zusammenarbeit vonseiten der internationalen Gemeinschaft, deren legitime Eingriffe nicht als Verletzungen der nationalen Souveränität betrachtet werden dürfen."[17]

C. Neue seelsorgerische Wege zu Beginn des dritten Jahrtausends
(besondere Aspekte der spezifischen Pastoral für die Zwangsmigranten
)

KIRCHLICHE AUFAHME UND EVENTUELLE INTEGRATION IN DER ORTSKIRCHE

Auch noch zu Beginn des dritten Jahrtausends ist die Aufnahme der grundlegende Zug in der Seelsorge bei den Flüchtlingen und inländischen Vertriebenen:[18] tatsächlich garantiert sie, dass wir uns an den anderen wie an eine Person wenden und möglicherweise wie an einen Bruder oder eine Schwester im Glauben. Dies verhindert, dass wir sie als einen Fall betrachten oder als Arbeitsquelle. Gastfreundschat anbieten entspringt der Verpflichtung, Gott treu zu sein, Seine Stimme zu hören, die in den Schriften zu uns spricht, und aus denen, die uns umgeben. So wird der Fremde in der Ortskirche an einem sicheren, persönlichen und tröstlichem Ort aufgenommen, in dem man Respekt, Anerkennung und Freundschaft findet. Eine solche Aufnahme hat aufmerksames Zuhören zur Folge und den Austausch von Lebensgeschichten und sie verlangt eine Öffnung des Herzens, den Wunsch, das eigene Leben vor den anderen transparent werden zu lassen, und großzügiges Geben von Zeit und Mitteln.

Eine Kirchengemeinde, die dem Fremden gegenüber aufnahmebereit ist, ist „ein Zeichen der Widersprüche", ein Ort, wo Freude und Schmerz, Tränen und Frieden eng miteinander verbunden sind. Dies ist vor allem in jenen Gesellschaften einschneidend, die sich jenen gegenüber, die so aufgenommen werden, feindlich entgegen stellen. Gastfreundschaft anbieten, bedeutet die eigenen Prioritäten immer wieder zu überdenken und anzupassen, denn die Nähe, die sich aus der Aufnahme entwickelt, widerspricht einigen geläufigen Botschaften und Denkweisen.

„Jeder Mensch braucht eine sichere Umgebung, wo er leben kann. Danach sehnen sich die Flüchtlinge, aber in verschiedenen Ländern der Welt gibt es leider Millionen, die noch immer in den Auffanglagern leben oder doch zumindest für lange Zeit in der Ausübung ihrer Rechte limitiert sind."[19]

Hoffnung, Mut, Liebe und Kreativität: das ist es, was wir diesen Menschen anbieten müssen, damit sie ein neues Leben beginnen können. Angesichts von Situationen, wie sie oben beschrieben wurden, muss unserer Meinung nach die Priorität einem gemeinsamen Bemühen gehören, ihnen eine präzise moralische und geistliche Unterstützung zu liefern und die christliche Ortsgemeinde kann hierbei sehr hilfreich sein. Darüber hinaus müssen die Voraussetzungen gegeben sein, damit sie wieder ein normales Leben aufnehmen und unabhängig sein können, indem man ihnen die Möglichkeit bietet, für sich selbst und die eigene Familie zu sorgen. Darum müssen die besonderen Rechte der Flüchtlinge respektiert werden. [20]

Vor allen Dingen müssen wir die grundsätzlichen Ursachen in Angriff nehmen, die die Menschen dazu zwingen zu fliehen, wie dies auch in verschiedenen nachsynodalen apostolischen Schreiben betont wurde. In dem für Afrika heißt es: „Die ideale Lösung (des Phänomens der Flüchtlinge und Vertriebenen) besteht in der Wiederherstellung eines gerechten Friedens, in der Versöhnung und in der wirtschaftlichen Entwicklung."[21] Dies erfordert - wie es im Apostolischen Schreiben für Europa heißt - „einen mutigen Einsatz von Seiten aller für die Verwirklichung einer gerechteren internationalen Wirtschaftsordnung, die in der Lage ist, eine wirkliche Entwicklung aller Völker und aller Länder zu fördern,"[22] „in der", wie dies im Apostolischen Schreiben für Amerika dargelegt wird, „nicht nur das Kriterium der Bereicherung vorherrscht, sondern auch das des Strebens nach nationalem und internationalem Gemeinwohl, in der eine gerechte Güterverteilung existiert und die ganzheitliche Förderung der Völker im Vordergrund steht."[23]

DIE ERFORDERLICHEN SEELSORGERISCHEN STRUKTUREN VORBEREITEN

Die Ortskirche[24] muss sich in ihrer Seelsorge der Migranten annehmen, die sowohl in den Territorialgemeinden wie in den Personalgemeinden, in den „missiones cum cura animarum", in den karitativen Organisationen, in den kirchlichen Bewegungen, in den neuen Gemeinden und den religiösen Kongregationen sichtbar gemacht werden müssen. Auch auf nationaler Ebene und/oder der Ebene der Diözesen/Eparchien müssen entsprechende seelsorgerische Strukturen vorgesehen werden. Die Gemeinde ist als erste für eine sofortige Kontaktaufnahme verantwortlich:[25] „Christus im Bruder und der Schwester in Not aufzunehmen, ist die Bedingung, um ihm »von Angesicht zu Angesicht« und „vollkommen" am Ende unseres Erdenweges begegnen zu können."[26] So kann die Pfarrgemeinde erneut ihrer alten Berufung nachkommen, „eine Wohnstätte zu sein, wo der Gast sich wohl fühlt."[27] Um dieser Berufung nachzukommen, können gegebenenfalls Personal-pfarrgemeinden geschaffen werden oder „missiones cum cura animarum", um die seelsorgerischen Bedürfnisse der Migranten besser befriedigen zu können.[28]

Die klassische cura animarum (Pflege der Seele), bei der sich das seelsorgerische Bemühen über verschiedene Bereiche erstreckt, umfasst auch die soziale Gerechtigkeit, denn „der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Frieden sind integrierender Bestandteil der Mission der Kirche in der Welt,"[29] auch wenn diese Mission nicht nur darauf reduziert werden darf.

Um diesen Menschen eine Seelsorge zu garantieren, bedarf es einer mehrdimensionalen Vorbereitung, nicht nur in organisatorischer und humanitärer, sondern auch in geistlicher und bildender Hinsicht, denn sie ist Teil einer „wahren und wirklichen Kultur der Aufnahme,"[30] deren letztendliche Verantwortung bei den Bischöfen liegt.[31] In diesem Bereich ist die Zusammenarbeit zwischen der Herkunftskirche und der des Zielortes jeweils unerlässlich,[32] während die Koordination Aufgabe der Bischofskonferenz ist. Die Herkunftskirche hat darum die Pflicht, ihren Mitgliedern zu folgen, die, aus welchem Grund auch immer, umsiedeln, während die Kirche im Zielort jenen gegenüber, die nun ihre neuen Mitglieder geworden sind, neue Pflichten übernehmen muss. Beide sind dazu aufgerufen, ihrer seelsorgerischen Verantwortung im Lichte einer lebendigen und konkret ausgedrückten Kommunio nachzukommen.[33]

ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DEN ORTSKIRCHEN

Im Bereich der internationalen Zusammenarbeit ist in besonderer Weise an die karitativen katholischen Organisationen zu erinnern[34] , die im Dienste der Förderung der Menschen tätig sind, um den Flüchtlingen und Vertriebenen, die nach dem Abbild Gottes geschaffen sind, ihre menschliche und christliche Würde zurückzugeben. Angeregt von der Lehre der Kirche, sind sie dazu aufgerufen, ihre Verbundenheit mit dem Evangelium Christi in die Praxis umzusetzen: denn in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Selbstverwirklichung spielen die christlichen Werte, deren Träger sie sind, eine große Rolle. Im Vergleich zu anderen, ähnlichen Organisationen, ist es ihre christliche Identität, die ihre wahre Natur unter Bewahrung dessen enthüllt, was sie unterscheidet; sie bestimmt welche Aktivitäten sie unternehmen, ist Ausdruck menschlicher und christlicher Überzeugungen und lässt sie als das erkennen, was sie wirklich sind.[35]

DIE AUSBILDUNG DER SEELSORGER

Die Situation der Menschen, die als Zwangsmigranten leben müssen, erfordert Geistliche, Ordensleute und Laien mit einer besonderen Vorbereitung auf dieses spezifische Apostolat. Daher ist von Beginn an „die geistliche, theologische, juristische und pastorale Ausbildung im Seminar und im Noviziat der verschiedenen Orden auf die Probleme zu lenken, die sich mit der Pastoral der Migranten stellen."[36] Doch „statt die Einrichtung eines besonderen Kurses oder eines Nebenfaches, sollte man nachdrücklich eine Koordinierung und eine größere Sensibilisierung in den verschiedenen theologischen Fächern empfehlen, die direkt mit dem Wanderungsphänomen zu tun haben,"[37] denn „es handelt sich nicht um eine normale Seelsorge, wie sie der Allgemeinheit der Gläubigen gilt, sondern um eine spezifische Seelsorge, die geeignet ist für die Situation der Entwurzelten." [38]

Aus diesem Grunde erfordert diese Aufgabe eine angemessene Ausbildung.[39] Zudem wurde ein besonderer Appell an die Priester gerichtet, sich dieser Aufgabe bei den Migranten sowohl in ihrem Herkunftsland wie auch an ihrem Zielort zu widmen.[40]

MITEINBEZIEHUNG DER LAIEN

Die aktive Präsenz der Laien in den verschiedenen sozial-kulturellen Situationen unserer Zeit[41] ist integrierender Bestandteil der Mission der Kirche in der Welt, denn jeder einzelne Christ muss sich der Tatsache bewusst sein, dass es seine Pflicht ist, seinen Glauben in präzisen Pflichten auszudrücken.[42] Auf Seite der Laien setzt dies eine angemessene Bildung und Unterweisung voraus, um fachgerecht eine korrekte Analyse der sozialen Situation vorzunehmen, die ein wichtiges Instrument darstellt, um die Werte des Evangeliums konkret vor einem in ständigem, manchmal außerordentlich raschem Wandel begriffenen Hintergrund umzusetzen.

ÖKUMENISCHE und INTERRELIGIÖSE ZUSAMMENARBEIT

Aufrufe zugunsten der Flüchtlinge und Vertriebenen müssen immer sehr klar sein und zu diesem Zweck zählt die katholische Kirche auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kirchen und Kirlichengemeinschaften, sowie den anderen Religionen, wie dies die Zitate aus unserem gemeinschaftlichen Dokument „Flüchtlinge" belegen, das wir bereits in der Rede von Papst Johannes Paul II. auf dem dritten internationalen Kongress für die Pastoral der Migranten und Flüchtlinge zitiert haben.

Der Dienst, mit den Armen zu teilen, ist ein zentraler Aspekt des christlichen Einsatzes und daher ist es

„Zeit für eine neue ‚Fantasie der Nächstenliebe', die sich nicht so sehr und nicht nur in der Wirksamkeit der geleisteten Hilfe ausdrückt, sondern in der Fähigkeit den Leidenden nahe zu stehen und mit ihnen solidarisch zu sein, sodass die Geste der Hilfe nicht als ein demütigender Obolus empfunden wird, sondern als brüderliches Teilen. Aus diesem Grunde müssen wir dafür sorgen, dass sich die Armen in jeder christlichen Gemeinde ‚wie zu Hause' fühlen."[43]

Darüber hinaus sind die Armen der wahre Schatz der Kirche[44] und jegliche Art der Zusammenarbeit zu ihrem Gunsten wird zum Fundament für neue Beziehungen zwischen den Christen und den Menschen guten Willens. Auf diese Art werden wir es fühlbar machen, dass „die Kirche Zeichen der Hoffnung für eine Welt ist, die brennend Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit und Solidarität wünscht, das heißt Frieden und Harmonie."[45]

Danke!


[1] Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in Terris , Nr.105, AAS LV (1963) 286.

[2] Johannes Paul II., Ansprache im Flüchtlingslager von Morong, Philippinen, 3 (21. Februar 1981).

[3] Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer des 3.Internationalen Kongresses für die Pastoral der Migranten und Flüchtlinge. Akten des 3. Internationalen Kongresses für die Pastoral der Migranten und der Flüchtlinge, Vatikanstadt, 5.Oktober 1991.

[4] Päpstlicher Rat Cor unum und Päpstlicher Rat für die Pastoral der Migranten und Menschen unterwegs, Die Flüchtlinge, eine Herausforderung an die Solidarität, Vatikanstadt 1992 (im Folgenden Flüchtlinge).

[5] Johannes Paul II., Botschaft zum Internationalen Tag des Migranten und des Flüchtlings 1992, 6; vgl. EMCC, 16.

[6] Päpstlicher Rat für die Pastoral der Migranten und Menschen Unterwegs, Kirche und menschliche Mobilität, Nr.8, AAS LXX (1978) 362; EMCC, 1, 12

[7] Vgl. Johannes XXIII., Mater et Magistra, Nr.200, AAS LVIII (1961) 453; Zweites Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution zur Kirche in der modernen Welt Gaudium et Spes, Nr.66.

[8] Johannes XXIII., Mater et Magistra, 228; vgl. EMCC, 40-43

[9] Idem, Pacem in terris, 4, a.a.O. 259-260.

[10] Vgl. EMCC, 21: „In der Folge hat das II. Vatikanische Konzil hinsichtlich einer solchen Sonderseelsorge wichtige Leitlinien ausgearbeitet und vor allem die Christen eingeladen, das Phänomen der Migration zur Kenntnis zu nehmen (vgl. GS 65 und 66) und sich bewusst zu machen, welchen Einfluss die Emigration auf das Leben hat. Es werden dort das Recht auf Emigration bekräftigt (vgl. GS 65), die Würde des Migranten (vgl. GS 66), die Notwendigkeit, die Unausgeglichenheiten in der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung zu überwinden (vgl. GS 63) und auf die wahren Bedürfnisse des Menschen zu antworten (vgl. GS 84). Der staatlichen Autorität erkennt das Konzil allerdings in einem besonderen Kontext das Recht zu, den Strom der Migration zu regulieren (vgl. GS 87)"; vgl. ibid., Anm. 17.

[11] EMCC, 29.

[12] Ibid., 101

[13] Flüchtlinge, 21: „Der Geist der Solidarität macht deutlich, dass die Tatsache, dass Millionen von Flüchtlingen in unmenschlichen Bedingungen leben, nicht akzeptabel ist."

[14] Johannes Paul II., III. Internationaler Kongress, Vatikanstadt, 5.Oktober 1991, Nr. 3.

[15] EMCC, 42; vgl. den gesamten Abschnitt der Instruktion über „Aufnahme und Solidarität", 39-43.

[16] Agostino Marchetto, La globalizaciòn y la promociòn humana, Nuntium (Juli - Novembre 2005) 410.

[17] Flüchtlinge, 20.

[18] Vgl. EMCC, 16: „Deswegen ist der eigene geographische Aufenthaltsort in der Welt für die Christen nicht so wichtig, und die Gesinnung der Gastfreundschaft gehört zu ihrem Wesen." S.a. EMCC, 30: die Instruktion betont eine breite Palette von Werten und Verhaltensweisen (Gastfreundschaft, Solidarität, Bereitschaft zum Teilen) hervorgehoben und die Notwendigkeit, jede Gesinnung und jeden Ausdruck von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus seitens dessen, der sie aufnimmt, zurückzuweisen."

[19] Johannes Paul II., Angelusgebet, 20. Juni 2004.

[20] Vgl. Benedikt XVI., Generalaudienz, 21. Juni 2007.

[21] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Ecclesia in Africa, 119, AAS LXXXVIII (1996) 70.

[22] Id., Apostolisches Schreiben Ecclesia in Europa, 100, AAS XCV (2003) 655; vgl. EMCC, 8.

[23] Id., Apostolisches Schreiben Ecclesia in America, 52, AAS XCI (1999) 789.

[24] Benedikt XVI., Deus Caritas est, 25: „Das Wesen der Kirche drückt sich in einem dreifachen Auftrag aus: Verkündigung von Gottes Wort (kerygma-martyria), Feier der Sakramente (leiturgia), Dienst der Liebe (diakonia). Es sind Aufgaben, die sich gegenseitig bedingen und sich nicht voneinander trennen lassen. Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst."

[25] Johannes Paul II., Botschaft zum Internationalen Tag des Migranten 1999, 6: „Die jeder Pfarrgemeinde eigene Sendung und ihre Bedeutung in der Gesellschaft verdeutlichen die wesentliche Rolle der Pfarrei für die Aufnahme von Fremden, die Integrierung von Getauften verschiedener Kulturen und den Dialog mit den Gläubigen anderer Religionen. Für die Pfarrgemeinde ist das keine freigestellte Aushilfstätigkeit, sondern eine auf ihrer institutionellen Aufgabe begründete Verpflichtung." Vgl. EMCC, 89: In diesem Zusammenhang sind die Aufnahmekirchen aufgefordert, die konkrete Wirklichkeit der Menschen und der Gruppen, aus denen sie zusammengesetzt ist, zu integrieren, indem sie die Werte eines jeden verbindet, da alle berufen sind, wahrhaft eine katholische Kirche zu bilden. So verwirklicht sich in der Ortskirche die Einheit in der Vielheit, das heißt jene Einheit, die nicht Gleichförmigkeit ist, sondern Übereinstimmung, in die alle legitimen Verschiedenheiten in die gemeinsame Einheitsbestrebung aufgenommen werden"; EMCC, 24.

[26] Vgl. Johannes Paul II., Jubiläum der Migranten und Menschen unterwegs, 2.

[27] Id., Botschaft zum Welttag der Migration 1999, 6; vgl. Id., Botschaft zum 89. Tag des Migranten und des Flüchtlings 2003: Für einen Einsatz zur Überwindung jeder Art von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und übertriebenem Nationalismus, 3.

[28] Vgl. EMCC, 24, 25, 54-55, 91.

[29] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Ecclesia in Oceania, 26, AAS XCIV (2002) 398.

[30] EMCC, 39.

[31] Vgl. Zweites Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe Christus Dominus, 18: AAS LVIII (1966) 682; EMCC, 70.

[32] Vgl. EMCC, 70.

[33] Vgl. Päpstlicher Rat für die Pastoral der Migranten und Menschen UnterwEGS, CPM 19, Vatikanstadt 1978; EMCC, Rechtlich-pastorale Weisungen, Art.16.

[34] Vgl. EMCC, 33: „Unter den wichtigsten katholischen Organisationen, die sich der Betreuung der Migranten und der Flüchtlinge widmen, muss in diesem Zusammenhang auf die Errichtung der Internationalen Katholischen Kommission für die Migrationen im Jahr 1951 hingewiesen werden. Die Hilfe, die die Kommission in diesen ersten 50 Jahren Regierungen und internationalen Organisationen in christlichem Geist geboten hat, und ihr eigener Beitrag bei der Suche nach dauerhaften Lösungen für die Migranten und Flüchtlinge in der ganzen Welt stellen ein großes Verdienst dar. Der Dienst, den die Kommission geleistet hat und immer noch leistet, ‚erfolgt aus einer doppelten Treue: gegenüber Christus ... und der Kirche', wie Johannes Paul II. gesagt hat. Ihr Werk ist „ein sehr fruchtbares Element ökumenischer und interreligiöser Zusammenarbeit." Schließlich dürfen wir auch den Einsatz der verschiedenen Organisationen der Caritas und anderen Organisationen der Nächstenliebe und der Solidarität im Dienste der Migranten und der Flüchtlinge vergessen; ibid., 86.

[35] Benedikt XVI., Deus Caritas Est, 31: „Für alle, die in den karitativen Organisationen der Kirche tätig sind, muss es kennzeichnend sein, dass sie nicht bloß auf gekonnte Weise das jetzt Anstehende tun, sondern sich dem andern mit dem Herzen zuwenden, so dass dieser ihre menschliche Güte zu spüren bekommt. Deswegen brauchen diese Helfer neben und mit der beruflichen Bildung vor allem Herzensbildung: Sie müssen zu jener Begegnung mit Gott in Christus geführt werden, die in ihnen die Liebe weckt und ihnen das Herz für den Nächsten öffnet."

[36] Päpstlicher Rat für Migranten und Menschen Unterwegs, Brief an die Bischofskonferenzen, CPM, 33; vgl. EMCC, 71.

[37] Kongregation für Katholische Erziehung, Rundschreiben Die Pastoral in der menschlichen Mobilität in der Ausbildung der zukünftigen Geistlichen, gerichtet an die Ehrwürdige Ordinarien und die Rektoren ihrer Seminare über den Einschluss der Pastoral der menschlichen Mobilität in die Ausbildung der zukünftigen Geistlichen, 3, Vatikanstadt, Januar 1986. Vgl. auch EMCC, 71; Kongregation für die Katholische Erziehung - Päpstlicher Rat für Migranten und Menschen Unterwegs, Gemeinschaftlicher Brief über die Pastoral der Migranten in der Ausbildung der zukünftigen Geistlichen und der permanenten Diakone, POM XXXVII, 99, Dezember 2005.

[38] Johannes Paul II., Botschaft zum Welttag der Migration 1990, 10; vgl. EMCC, 77.

[39] Kongregation für die Evangelisierung der Völker - Päpstlicher Rat für Migranten und Menschen Unterwegs, Gemeinschaftlicher Brief an die Ehrwürdigen Ordinarien über die Pastoral der menschlichen Mobilität, POM XXXVII, 99, Dezember 2005.

[40] Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens - Päpstlicher Rat für Migranten und Menschen Unterwegs; Gemeinschaftlicher Brief an die Oberinnen und Generalobern der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften für das Apostolische Leben über den Einsatz der Seelsorge den Migranten, Flüchtlingen und anderen Menschen gegenüber, die in das Drama der menschlichen Mobilität verwickelt sind, POM XXXVII/99 (Dezember 2005) 133 - 139.

[41] Vgl. Johannes Paul II., Botschaft zum Welttag der Migration 1987, 1: „Die Beteiligung der Laien an der Mission der Kirche in den verschiedenen sozial-kulturellen Situationen der Zeit waren von Beginn an eine der fruchtbarsten Wege für den von Christus vorgebrachten Vorschlag vollständiger Rettung"; EMCC, 86-88 und seinen rechtlich-pastoralen Weisungen, Kap.1.

[42] Vgl. Benedikt XVI., An die Botschafter aus Anlass der kollektiven Präsentation der Beglaubigungsschreiben, 16. Juni 2005: „Die Kirche wird nicht aufhören, daran zu erinnern, dass die Menschen sich um ein brüderliches Miteinander bemühen müssen, das aus konkreten Gesten besteht, sowohl auf Ebene der Einzelpersonen als auch auf Ebene der Regierungen und internationalen Einrichtungen."

[43] Ibidem, 50.

[44] Vgl. Benedikt XVI., Deus Caritas Est, 23: „Selbstverständlich gehörte die Fürsorgetätigkeit für die Armen und Leidenden gemäß den in der Apostelgeschichte entwickelten Prinzipien christlichen Lebens auch vorher schon und von Anfang an ganz wesentlich zur Kirche von Rom. Dieser Auftrag hat in der Gestalt des Diakons Laurentius († 258) seinen lebendigen Ausdruck gefunden. Die dramatische Darstellung seines Martyriums war schon dem heiligen Ambrosius († 397) bekannt und zeigt uns in ihrem Kern sicher die authentische Gestalt des Heiligen. Ihm war als dem Verantwortlichen für die römische Armenpflege nach der Verhaftung seiner Mitbrüder und des Papstes noch etwas Zeit gelassen worden, die Schätze der Kirche zu sammeln, um sie den weltlichen Instanzen abzuliefern. Laurentius verteilte die verfügbaren Mittel an die Armen und stellte diese den Machthabern als den wahren Schatz der Kirche vor."

[45] EMCC, 102.

[Vom Päpstlichen Rat veröffentlichtes Original]