Erzbischof Maroun Lahham: Das Apostolische Schreiben von Papst Benedikt XVI. ist eine konkrete Hilfe für Christen im Nahen Osten

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ROm, 18. September 2012 (ZENIT.org). - Das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Ecclesia in Medio Oriente“ sei „ein anspruchsvoller pastoraler Text und inspiriert sich an der Bibel, er ist reich an nützlichen Vorschlägen, die den Christen im Nahen Osten helfen werden unter den gegebenen Umständen ihren Glauben zu leben und das Evangelium zu bezeugen“, so der lateinische Patriarch von Jerusalem und Patriarchalvikar von Jordanien, Erzbischof Maroun Lahham, gegenüber dem Fidesdienst. Der Erzbischof hält sich derzeit zusammen mit einer fünfzigköpfigen jordanischen Delegation in Beirut auf und hatte am ersten Treffen des Papstes mit den Patriarchen und Bischöfen des Nahen Ostens in der Basilika St. Paul in Harissa an der feierlichen Unterzeichnung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens teilgenommen.

Nach Ansicht von Erzbischof Laham wende das neue päpstliche Dokument die „Leitlinien, die in den vergangenen Jahrzehnten und insbesondere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die christlichen Gemeinden im Nahen Osten bei der Rückkehr zur eigenen Berufung als einheimische Christen begleitet haben“ auf die dringlichen Erfordernisse der heutigen Zeit an.

Der Papst wiederholt hier mit Nachdruck, dass das Christentum in jener Region nicht importiert wurde. Die Perspektive, die er dabei aufzeigt, ist, das Zeugnis des Evangelium im brüderlichen Dialog mit allen Religionen, die an diesen Orten zusammenleben. Dabei wird der ehrenwerte und wichtige Beitrag der Christen des Nahen Ostens zum Aufbau des Leibes Christi gewürdigt.

Der für die lateinischen Christen in Jordanien verantwortliche Erzbischof begrüßt, dass das Dokument zahlreiche konkrete und praktische Anregungen enthält und dabei die Einheit der verschiedenen Kirchen und den gemeinsamen Bezug auf den Glauben der Apostel hervorhebt: „In einer solchen Perspektive“, so Erzbischof Lahham, „wünscht sich der Papst eine ökumenische Erklärung im Hinblick auf die Anerkennung der Taufe zwischen der katholischen Kirche und den Ostkirchen, einschließlich der koptisch-orthodoxen Kirche.

Außerdem wünscht Papst Benedikt XVI. eine Offenheit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegenüber, um eine gewisse „communicatio insacris“ für die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung recht zu verstehen, die nicht nur möglich ist, sondern – gemäß den genauen Vorschriften und mit Billigung der kirchlichen Autoritäten – unter gegebenen geeigneten Umständen ratsam sein kann’“. Wichtig ist nach Einschätzung von Erzbischof Lahham auch die Erinnerung an das Prinzip der Religionsfreiheit, „die auch die Freiheit der Wahl der eigenen Religion umfasst und das öffentliche Bekenntnis des eigenen Glaubens, ohne dabei das eigene Leben oder die persönliche Freiheit zu riskieren.“

Im Hinblick auf die politischen Probleme der Region bestätigt das Apostolische Schreiben, ohne dabei auf Details einzugehen, die bisherige Position des Heiligen Stuhls im Hinblick auf die verschiedenen Religionskonflikte und den Status von Jerusalem und der Heiligen Stätten. Diesbezüglich versucht Erzbischof Lahham, der selbst von den umfassenden Sicherheitsmaßnahmen der libanesischen Behörden beeindruckt war, die polemischen Kommentare der Medien zur Begrüßungsansprache des griechisch-melchitischen Patriarchen neu einzuordnen: „Gregor III.“, so der Erzbischof, „hielt seine Rede in arabischer Sprache und der Papst hatte kein Blatt mit einer eventuellen Übersetzung zur Hand, die es ihm erlaubt hätte, die Ansprache mitzuverfolgen. Gregor III. sagte in seiner Rede, dass die Anerkennung des palästinensischen Staates für den Frieden förderlich wäre. Doch er hat sich nicht mit einer direkten Forderung an den Papst gewandt.“