Erzbischof Marx kommt als Pilger zum Heiligen Kreuz nach Scheyern

Münchner Gläubige freuen sich auf die zupackende Art des neuen Oberhirten

| 1407 klicks

MÜNCHEN, 29. Januar 2008 (ZENIT.org).- Als Pilger zum Heiligen Kreuz wurde heute der neue Erzbischof der Erzdiözese München und Freising an der Grenze seiner Diözese herzlich willkommen geheißen.

Der neue bayrische Oberhirte wurde um 11.00 Uhr auf dem Schyrenplatz vor dem Haupttor des Klosters Schyren empfangen. Von Abt Engelbert Baumeister OSB wurde der Nachfolger von Kardinal Wetter mit der seit dem 12. Jahrhundert dort aufbewahrten Reliquie vom heiligen Kreuz Jesu gesegnet. Damit wollte Bischof Marx sein zukünftiges Wirken unter das Zeichen des Kreuzes Christi stellen.

Neben einer großen Schar von Gläubigen, die ihm mit Fähnchen in den Kirchenfarben Gelb und Weiß zuwinkten, wurde Marx von Vertretern des Metropolitankapitels München, dem Dompropst, Weihbischof Engelbert Siebler, Domdekan Prälat Lorenz Wolf und - für die Gemeinde Scheyern - von Bürgermeister Albert Müller sowie weiteren Vertretern des kirchlichen und öffentlichen Lebens begrüßt.

Die Abtei ist eng mit Papst Benedikt XVI. verbunden, der sich als Erzbischof von München und Freising wie auch als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre immer wieder dorthin zu Exerzitien zurückgezogen hatte.

Am frühen Nachmittag machte Bischof Reinhard Marx bei der ersten Pfarrei seiner neuen Heimatstadt München Station, St. Peter und Paul in München-Feldmoching. Die Salutschüsse der Feldmochinger Böllerschützen und das rührende Lied „Du hast uns Deine Welt geschenkt", das die Kinder des Pfarrkindergartens ihm sangen, machten den westfälischen Würdenträger mit bayrischen Traditionen vertraut. Spontan ging Erzbischof Marx auf die Kinder zu, mit ihnen gesprochen und einem Kind sein Biret aufgesetzt.

Gemeindepfarrer Wernher Bien begrüßte seinen neuen Bischof mit einem herzlichen „Grüß Gott". Er stellte ihm persönlich den Dekan des Dekanates München-Feldmoching, Alois Ebersberger, der auch Sprecher des Priesterrates ist, sowie die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Monika Pech und Kirchenpfleger Franz Eberl vor. „Mögen Sie sich in unserer Diözese und Stadt wohlfühlen", wünschte er dem neuen „zugereisten" Münchener Bürger.

Bischof Marx meinte spontan zu diesem Empfang: „Wir sind eine Familie, wir gehören zusammen", und überbrachte Grüße von Papst Benedikt XVI. an sein Heimatbistum. Er habe ein „wunderbares Gespräch" mit dem Heiligen Vater führen können und sich versichert: „Er will, dass ich nach München gehe." Die Gemeinden, die er herzlich von Feldmoching aus grüßte, würdigte er als „das Rückgrat des Erzbistums und der Gesellschaft".

Gegenüber ZENIT erklärte der Feldmochinger Gemeindepfarrer Wernher Bien: „Das Gebet mit unserem Bischof in der Pfarrkirche hat mich sehr bewegt. Es war eine schöne Atmosphäre, die alle mitgerissen hat. Ich freue mich auf seine frische, zupackende Art."

Um 16.00 Uhr war die ganze Innenstadt von München vom festlichen Geläut der Glocken des Münchner Liebfrauendoms, der ältesten Stadtpfarrkirche St. Peter und der anderen zentralen Münchner Kirchen erfüllt.

Auf dem Marienplatz im Zentrum Münchens warteten unzählige Gläubige bei winterlichen Temperaturen und kalt-feuchtem Wetter auf ihren neuen Bischof.

Kardinal Friedrich Wetter, das Metropolitankapitel München, Oberbürgermeister Christian Ude und der Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken, Professor Alois Baumgartner, hießen den neuen Oberhirten offiziell willkommen.

Für Professor Baumgartner steht fest: „Wir werden die gute Zusammenarbeit, die es mit Kardinal Wetter gab, fortsetzen." Der stämmige Westfale sei jedoch ein ganz anderer Typ Mensch, erklärte er vor der Presse: „Er ist ein sehr spontaner, kreativer und zugreifender Mann, dabei mit viel Tiefgang und Überlegtheit." Baumgartner erhofft sich von Marx „gesellschaftspolitische Akzente".

Der neue Erzbischof sucht vor allem die Nähe seiner unmittelbaren Mitarbeiter. Wie ZENIT aus dem Erzbischöflichen Ordinariat erfuhr, habe Bischof Marx als wesentliche Neuerung um die Einrichtung eines Arbeitsraums im Ordinariat gebeten.

Vor der Mariensäule, dem ältesten Friedensdenkmal Münchens, betete Marx in der Tradition seiner Vorgänger im Amt des Erzbischofs zur Gottesmutter und empfahl sein bischöfliches Wirken dem Schutz der Patrona Bavariae. An der Mariensäule hatten auch drei Päpste gebetet und die Gläubigen gesegnet: Papst Pius VI. am 28. April 1782, Papst Johannes Paul II. am 19. November 1980 und Papst Benedikt XVI. zum geistlichen Auftakt seines Besuches in der bayerischen Heimat am 9. September 2006.

Am Montag hatte Domdekan Lorenz Wolf im Münchner Liebfrauendom das Wappen des neuen Münchener Oberhirten vorgestellt. Über dem Wahlspruch: „Ubi Spiritus Domini ibi Libertas - Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit", entnommen aus dem 2. Korintherbrief, prangen als Attribute der Markuslöwe mit Flügeln (Marx kommt von Markus) und ein geöffnetes Evangelienbuch, beides Bestandteile von Marx' Wappen als Bischof von Trier.

Die Darstellung des geflügelten Löwen, Symbol für den Evangelisten Markus, orientiere sich am Wappen des früheren Papstes Johannes XXIII., sagte Wolf. Ergänzt wird das Wappen durch den Freisinger Mohrenkopf, traditionelles Symbol für das alte Bistum Freising, aus dem 1821 das Erzbistum München-Freising hervorgegangen war. Auch Papst Benedikt XVI. trägt den Mohren als Erinnerung an seine frühere Wirkungsstätte in seinem Wappen. Das Wappen wird umrahmt vom rot eingefärbten Pallium, dem Zeichen für das Amt des Erbischofs.

Im Rahmen der festlichen Einführung des neuen Erzbischofs am Samstag, den 2. Februar, um 9.30 Uhr im Münchener Liebfrauendom wird der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, dem Münchner Domkapitel das päpstliche Ernennungsschreiben überreichen.

Der Gottesdienst wird per Videoübertragung auch in der Jesuitenkirche St. Michael zu sehen sein und live im Bayrischen Fernsehen übertragen.

Von Angela Reddemann