Erzbischof Müller: Gezielte Diskreditierung der katholischen Kirche schafft Pogromstimmung

Künstlich erzeugte Wut schafft ein Klima des Hasses gegen Geistliche

Rom, (ZENIT.org) | 1145 klicks

Gegen die katholische Kirche herrsche „Pogromstimmung“. In einem Interview für die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ benutzte Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, harte Worte, um das antiklerikale Klima in weiten Teilen der westlichen Welt zu beschreiben. „Gezielte Diskreditierungskampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa haben erreicht, dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden“, bemerkte der ehemalige Bischof von Regensburg. Und weiter: „Hier wächst eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert.“ In vielen Blogs und auch im Fernsehen finde man Angriffe gegen die katholische Kirche; Attacken, „deren Rüstzeug zurückgeht auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum.“

Im Gespräch mit „Die Welt“ nahm Erzbischof Müller auch zum Dialog zwischen Bischöfen und Laien, der zur Zeit in Deutschland läuft, eine kritische Haltung ein. Es sei gut, dass ein Dialog stattfinde, aber man müsse über das Wesentliche reden „und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen“. Welche Probleme? Erzbischof Müller zitiert als Beispiel die Forderung vieler Laien nach einem sakramentalen Weiheamt für die Frau: Dies sei „nicht möglich“, und nicht etwa, weil Frauen weniger wert seien als Männer, „sondern weil es in der Natur des Weihesakramentes liegt, dass Christus in ihm repräsentiert wird als Bräutigam im Verhältnis zur Braut.“

Genauso deutlich seine Ablehnung homosexueller Partnerschaften: „Eine Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist für die katholische Kirche nicht möglich. Solche Partnerschaften sind grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichzustellen“, so Erzbischof Müller. Eine Abschaffung des Zölibats für Priester schließt er ebenfalls kategorisch aus: „Der Zölibat der Priester entspricht dem Beispiel und Wort Jesu und hat in der geistlichen Erfahrung der lateinischen Kirche eine besondere Ausprägung gefunden.“ Es gebe kein Anzeichen dafür, dass die Verantwortlichen in der Kirche, aus bestimmten falschen Vorstellungen heraus, diese Einrichtung ändern wollten, als wäre es eine Naturnotwendigkeit, Sexualität zu praktizieren, innerhalb oder außerhalb einer Ehe.

Wenn es irgendwo in der katholischen Kirche einen Reformstau gebe, so Erzbischof Müller, dann bestehe er darin, „dass man die wesentlichen Themen nicht anpackt: die Teilhabe an den Sakramenten, die Kenntnis des Glaubens.“ Das Wort Reform dürfe nicht „beschlagnahmt werden, um die eigentliche Erneuerung in Christus zu bremsen.“ Müller stellte auch klar, dass man nicht von einer „deutschen Kirche“ sprechen könne, sondern allenfalls von einer „katholischen Kirche in Deutschland“, und dass es keinen „römischen Zentralismus“ gebe. „Wir leiden darunter, dass wir zu wenig Einheit haben. Die Kirche krankt nicht am Zentralismus, sondern eher daran, dass die Zentrifugalkräfte zu stark sind.“

Der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre äußerte sich auch zu den Lefebvristen: „Die Glaubenskongregation hat der Priesterbruderschaft die Dogmatische Präambel vorgelegt. Die beinhaltet nichts als die Ganzheit des katholischen Glaubens, wo legitimerweise dem Papst die letztverbindliche Lehrautorität zusteht. Daraufhin ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir warten aber nicht endlos.“