Erzbischof Ncube appelliert an den Westen, Simbabwe zu helfen

Mugabes Regierung soll sich der Gehirnwäsche bedienen

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KÖNIGSTEIN, 4. Juni 2007 (ZENIT.org).- Nach Angaben des Erzbischofs von Bulawayo, Pius Ncube, bedient sich die Regierung von Simbabwe zur Aufstockung ihrer Polizeieinheiten der Gehirnwäsche.



Wie der Erzbischof gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtete, stehe Präsident Mugabe unter extremer Anspannung; die staatliche Kontrolle wachse. Bei einem Priestertreffen seien kürzlich jugendliche Polizisten erschienen, die während der Veranstaltung anwesend sein wollten. Als man ihnen mit Hinweis darauf, dies sei nicht möglich, den Zugang verweigerte, verlangten sie, den Vorsitzenden des Treffens zu sprechen. Es habe sich bei der Veranstaltung um ein vollkommen unpolitisches Treffen gehandelt, bei dem keine politischen Themen angesprochen worden seien.

Generell sei eine Zunahme von staatlichen Übergriffen zu verzeichnen. Im Vorfeld der Wahlen 2008 würden Menschen bereits jetzt eingeschüchtert. Erzbischof Ncube wies darauf hin, dass kürzlich mehr als 600 Personen festgenommen, geschlagen, gefoltert und wochenlang inhaftiert worden seien. „Diese Einschüchterungsaktionen sollen das Volk brechen“, fuhr der katholische Würdenträger fort. Die Regierung steigere das Maß der Angst „bis zum Maximum“. Er selbst betrachte es als Teil seiner Berufung, für die Armen und Hoffnungslosen seine Stimme zu erheben.

Die Lage im Land werde immer dramatischer, mittlerweile sei die Inflation auf über 5.000 Prozent angestiegen. Die offiziellen Zahlen seien nach Angaben des Erzbischofs nicht korrekt. Immer mehr Menschen verließen das Land, darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, die ohne jeden Schutz zu Fuß über die Grenze gingen. Sie werden, so der Oberhirte, oft Opfer sexueller Ausbeutung.

Insgesamt bereiteten sich von den 12,9 Millionen Einwohnern des Landes rund 3,5 Millionen auf die Flucht vor. Dies führe unter anderem dazu, dass viele Strukturen nicht mehr funktionierten. So sollen beispielsweise 10.000 Lehrer Simbabwe verlassen haben, um in Südafrika Arbeit zu finden. Diese Entwicklungen betrachtet der Erzbischof mit Sorge.

Auch die humanitäre Lage spitze sich immer mehr zu. Die Kinder sterben laut Erzbischof Ncube immer häufiger an Unterernährung. Vor allem die Säuglinge seien bedroht. Der Hunger senke aber auch die Lebenserwartung der mittlerweile bereits eine Million HIV-Infizierten des Landes. Dementsprechend steige die Zahl der Waisenkinder dramatisch an. Zur Zeit sei bereits eines von zehn Kindern verwaist. Simbabwe habe damit die höchste Rate an Waisen in der ganzen Welt. Es gebe 38.000 Haushalte, die von Kindern allein geführt werden.

Die Kirche bemühe sich in dieser dramatischen Situation, karitative Hilfe zu leisten. Dies sei jedoch lediglich „ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Erzbischof Ncube appelliert deshalb eindringlich an den Westen, der Bevölkerung von Simbabwe zu helfen.