Erzbischof Piacenza: Der Priester ist kein „Beamter Gottes“, sondern „ein anderer Christus“

Interview mit dem neuen Präfekten der Kongregation für den Klerus

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ROM, 8. Oktober 2010 ( ZENIT.org ).- Die geistliche Erneuerung der Priester sieht der neue Präfekt der Kongregation für den Klerus, Erzbischof Mauro Piacenza, als wichtige Aufgabe in seinem neuen Amt an. Auch Papst Benedikt XVI. hätte während des Priesterjahres ständig darauf hingewiesen, dass eine tiefe geistliche Erneuerung der Priester die Voraussetzung für die Neuevangelisierung sei.

ZENIT führte mit dem Erzbischof dieses Interview kurz nach dem Bekanntwerden seiner Ernennung zum neuen Präfekten der Kongregation für den Klerus nach dem Rücktritt von Kardinal Cláudio Hummes aus Altersgründen.

Erzbischof Mauro Piacenza, der über lange Jahre als Sekretär in der Kongregation für den Klerus gearbeitet hat, betrachtet die Verbesserung der Ausbildung der Priester als eine seiner Aufgaben, besonders auch wegen der durch einige Priester hervorgerufene Skandale der letzten Monate.

 

ZENIT: Der Heilige Vater hat Ihnen eine hohe Verantwortung mit der Leitung der Abteilung der römischen Kurie, die für die Priester zuständig ist, übertragen. Welche Gründe haben den Heiligen Vater zu dieser Wahl bewogen?

Erzbischof Piacenza: Das müsste man den Heiligen Vater wohl selber fragen. Was ich mir vorstellen kann, ist, dass mein langes Mitwirken in dieser Kongregation, in der ich die meiste Zeit meines an der römischen Kurie durchgeführten Dienstes verbracht habe, eine Rolle gespielt hat.

Ich nutze diese Gelegenheit, um dem Heiligen Vater nochmals meine tiefe Dankbarkeit für das mir entgegengebrachte Vertrauen auszudrücken und um für mich und alle Mitarbeiter der Kongregation seinen väterlichen Segen zu erbitten, damit wir gemeinsam unermüdlich für das wahre Wohl des Klerus und der heiligen Kirche tätig sein können und der Liebe Christi nichts in den Weg stellen.

ZENIT: Hat die Kongregation für den Klerus aufgrund der jüngst bekannt gewordenen Vorfälle nun eine strategische Rolle in der Amtsleitung von Benedikt XVI. inne?

Erzbischof Piacenza: Mit den schwersten Fällen befasst sich die Kongregation für die Glaubenslehre. Es ist sicherlich notwendig und eine Pflicht, gemeinsam alle Mittel einzusetzen, um zu verhindern, dass ähnliche Vorfälle sich erneut zutragen.

Das Erstrangige ist die Ausbildung am Anfang und auch die beständige Weiterbildung, die es gilt, regelmäßig zu überprüfen, weil die Priester nicht zu einem „Beamten Gottes" sondern zu „einem anderen Christus" ausgebildet werden, einem guten Hirten, der, ganz von Gott und aus Gott lebend, sein Leben für seine Herde hingibt und sie in der wahren Liebe aufbaut.

ZENIT: Auf welche Weise kann man dies erreichen? Wie sieht Ihr Plan aus?

Erzbischof Piacenza: „Ich habe kein anderes Programm, als Christus und seiner Kirche zu gehorchen, deren Willen auf besondere Weise in dem des Heiligen Vaters zum Ausdruck kommt. Er hat uns oftmals, auch während des Priesterjahres auf ein ontologisches und kein funktionelles Verständnis des ordinierten Amtes verwiesen, das in der Lage ist, durch die Ausstrahlung der Ehelosigkeit, die Treue zum Evangelium und die pastorale Nächstenliebe „Gott in die Welt zu tragen". Der gefeierten und verehrten Eucharistie kommt in einem ähnlichen Verständnis wie dem des geweihten Amtes eine zentral Rolle zu: Sie ist das Geheimnis, die Quelle einer „gelungenen" priesterlichen Existenz. Der eigentliche Atem der priesterlichen Seele ist die Eucharistie.

[Aus dem Spanischen übersetzt von Iria Staat]