Erzbischof Piacenza: „Wir müssen für die Menschen da sein"

Brief an die Priester

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ROM, 6. Juni 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den Brief, den Kurienerzbischof Mauro Piacenza, Sekretär der Kongregation für den Klerus, aus Anlass des bevorstehenden Priesterjahrs an alle Priester geschrieben hat.

Er lädt die Seelsorger dazu ein, sich täglich zu bekehren - „damit Christi Lebensstil immer mehr der unsere werde" -, und er ermutigt sie nachdrücklich, ganz für die Menschen da zu sein.

Außerdem bittet er alle Priester, Ordensleute und Laien, denen es möglich ist, am Vespergottesdienst zur feierlichen Eröffnung des Priesterjahrs am 19. Juni im Petersdom teilzunehmen.

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Liebe Priester!


In nunmehr etwa zwei Wochen, am Freitag den 19. Juni, Tag des Herz-Jesu-Fests, werden wir die Möglichkeit haben, bei der Feier des Vespergottesdienstes, mit dem in der Päpstlichen Basilika von Sankt Peter im Vatikan das Priester-Jahr seinen Auftakt nimmt, miteinander und in tiefer Verbundenheit mit dem Heiligen Vater einen intensiven Moment des Glaubens zu leben.

Jeden Tag ergeht der Ruf an uns, uns zu bekehren, aber in diesem Jahr gilt uns – und allen, die das Geschenk der Priesterweihe empfangen haben –, dieser Ruf ganz besonders. Umkehr, aber wohin? Umkehr, um auf immer authentischere Weise zu dem zu werden, was wir sind; Umkehr zu unserer kirchlichen Identität durch einen Dienst, der dieser Identität auf vollkommene Weise entspricht, damit eine Erneuerung im freudigen Bewusstsein über unser „Sein“ unser „Handeln“ bestimmt oder besser noch, damit dieses Bewusstsein Christus, dem Guten Hirten, Raum gibt, in uns zu leben und durch uns zu handeln.

Unsere Spiritualität kann nichts anderes als ein Spiegelbild der Spiritualität Christi, des einzigen Hohenpriesters des Neuen Bundes, sein.

In diesem Jahr, das uns die Fügung durch den Heiligen Vater geschenkt hat, werden wir alle miteinander danach streben, in Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist Bezug auf die Identität Christi, des Sohnes Gottes zu nehmen,  der im jungfräulichen Schoß Mariens Fleisch angenommen hat. Wir werden Bezug nehmen auf seine Sendung, die darin bestand, den Vater und dessen großartigen Ratschluss im Hinblick auf unsere Erlösung zu offenbaren. Diese Sendung bezieht sich auch auf die Auferbauung der Kirche: sehet da, den Guten Hirten (vgl. Joh 19, 1-21), der sein Leben für die Kirche hingibt (vgl. Eph 5, 25).

Umkehr, ja, und zwar täglich, damit Christi Lebensstil immer mehr der unsere werde.

Wir müssen für die Menschen da sein; wir müssen uns darum bemühen, in Gemeinschaft mit den Menschen zu leben, in heiliger und göttlicher Liebe, in einer Liebe, die Leben schenkt (hier liegt auch der Reichtum des heiligen Zölibats verborgen); in einer Liebe, die dazu verpflichtet, in wahrer Solidarität mit den Leidenden und Armen zu leben, den Armen, die unter jeglicher Form von Armut leiden.

Wir müssen Arbeiter sein, die am Werk der Auferbauung der einzigen Kirche Christi mitarbeiten, weswegen wir in herzlicher, treuer und motivierter Gemeinschaft mit dem Papst, den Bischöfen, den Mitbrüdern und Gläubigen leben müssen. Im Schoß des Mystischen Leibes verankert, müssen wir am Weg der Kirche festhalten, auf dem diese ohne Zäsuren gewandelt ist.

Wir müssen dieses Jahr auf geistliche Weise mit einem größeren Herzen („dilatato corde“) durchwandeln, indem wir unserer Berufung entsprechen und dann mit mehr Fug und Recht behaupten dürfen: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2, 20).

Die Heiligkeit der Priester wirkt sich zum Wohl des ganzen Leibes der Kirche aus, und so lade ich Sie ein: Sowohl die Gläubigen, die das Weihesakrament empfangen haben, als auch Seminaristen, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laiengläubige, alle haben wir die Möglichkeit, uns in der Vatikanischen Basilika zum Vespergottesdienst einzufinden, dem der Heilige Vater nach dem Empfang des Schreines, der die Reliquien vom Herzen des heiligen Jean-Baptiste Marie Vianney enthält, vorstehen wird.

Wer sich nicht in der Ewigen Stadt befindet, kann ebenso an allen anderen Orten an diesem Ereignis auf geistliche Weise teilnehmen und es mitverfolgen.

-- Einlass in die Basilika um 16:00 Uhr

-- Empfang des Reliquienschreins um 17:30 Uhr, gefolgt von der Feier des Vespergottesdienstes.

-- Eintrittskarten sind per Fax (06-69885863) bei der Präfektur des Päpstlichen Hauses erhältlich und können am Tag zuvor am “Bronzetor” (Anfang des Säulengangs, rechts vom Petersdom) abgeholt werden.

-- Priester tragen Talar, Ordensleute das ihrem Institut eigene Ordenskleid.

-- Das Priester-Jahr wird am 9. – 11. Juni 2010 im Rahmen einer Internationalen Begegnung in Rom seinen Abschluss finden. Genaue Auskünfte über dieses Ereignis erhalten Sie gegen Ende dieses Monats.

Interessenten können sich in allen praktischen Fragen jederzeit an das Römische Pilgerwerk wenden (Opera Romana Pelelgrinaggi), Via della Pigna 13/a, I-00186 Roma – tel. (0039)06-698961.

X Mauro Piacenza
Titularerzbischof von Vittoriana
Sekretär

[Von der Kongregation für den Klerus veröffentlichtes Original]