Erzbischof Ranjith ermutigt müde Pfarreien zum Glauben an die Macht Gottes

Der erste Schritt besteht darin, vom „Unterhaltungsmodell“ zu einem „Verkündigungsmodell“ überzugehen

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ROM, 31. Januar 2008 (ZENIT.org).- Mission und Verkündigung stünden im Zentrum pfarrlicher Aktivität, bekräftigte Msgr. Malcolm Ranjith, Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, anlässlich der Tagung „Pfarreien und Neuevangelisierung“, die von 30. Januar bis 1. Februar auf Initiative der Gemeinschaft Emmanuel in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Institut „Redemptor Hominis“ in Rom stattfindet.



„Warum muss eine Pfarrei missionarisch sein?“, fragte sich Erzbischof Ranjith zu Beginn seiner Ansprache. „Wegen des Gebots der Liebe, das Gott uns hinterlassen hat“, so seine Antwort. Die vollkommene Hingabe Jesu an seine Jünger sei Basis der Neuevangelisierung, und die Verkündigung ein Zeichen reifen Glaubens, erläuterte er weiter.

So wie die Kirche nur lebe, wenn sie missionarisch sei, so sei es auch mit den Pfarreien. „Hört die Pfarrei auf zu verkünden, so ist sie nichts weiter als ein Gebäude“, bekräftigte der Kurienerzbischof. Die Verkündigung sei nicht eine freie Option, sondern eine „Verpflichtung, die aus dem Glauben erwächst, der vollkommene Ausdruck unserer Liebe“.

Der Eucharistie komme im Leben einer missionarischen Pfarrei eine besondere Rolle zu, betonte Ranjith. Er veranschaulichte dies durch das Beispiel einer irischen Diözese.

Durch die Entscheidung des Ortsbischofs waren in allen Pfarrgemeinden Eucharistische Anbetungen gehalten worden, und das Ergebnis war ein Mehr an Berufungen. „Die Eucharistie zieht an“, erklärte Ranjith. „Der Herr selbst zieht die Menschen an!“

Die zentrale Bedeutung der Eucharistie müsse auch in einer Weise der Feier zum Ausdruck gebracht werden, die bei allen den Glauben erwecke und stärke. Bedauerlicherweise sei das in vielen Pfarreien allerdings nicht der Fall. Um diesbezüglich Abhilfe zu schaffen, erwähnte Ranjith in der Folge konkrete Punkte.

An erster Stelle stand die Ermutigung der Pfarreien, vom „Unterhaltungsmodell“ zu einem „Verkündigungsmodell“ überzugehen. Die bloße Restaurierung von Bauwerken töte den Geist, warnte der Sekretär der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Ein weiterer Punkt, auf den er einging, war der notwendige Paradigmenwechsel vom Geist des Pessimismus hin zum Optimismus, der seine Begründung im Glauben habe: „Für Gott ist nichts unmöglich.“ Der Gefahr, ein „unnützer Knecht“ zu werden, wie er im Evangelium erwähnt wird, müsse man entschieden entgegenwirken.

Drittens erinnerte der Erzbischof die Priester an die charakteristische Berufung der Laien zu Apostolat und Zeugnis. Mission sei nicht in der ausschließlichen Verantwortung der Priester. „Jeder Laie ist ein potentieller Verkündiger“, unterstrich der Kurienerzbischof. Dies habe gerade auch Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Christifideles Laici herausgearbeitet.

Vierter Punkt war die Ermutigung aller Gemeinschaften, Gruppen,, Männer, Frauen, Jugendlichen und auch Kinder zum Aufbruch in „unbekanntes Land“, zur Suche nach neuen Methoden der Verkündigung, denn „das Wunder der Evangelisation ist möglich“, bekräftigte Ranjith unter Berufung auf das Jesuswort im Matthäusevangelium: „Ich sage euch, Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen!“

Mit der Möglichkeit für Fragen aus dem Publikum beschloss er seinen Vortrag. Ein Teilnehmer aus den Niederlanden, dem „am meisten säkularisierten Land der Welt“, erwähnte die Bemühungen der holländischen Kirche, alle zur Verfügung stehenden Mittel wie auch die Medien für die Mission zu nützen. Erzbischof Ranjith erwiderte, man solle dabei auf das Wichtigste nicht vergessen: sich stark zu wissen, sein Vertrauen auf Gott zu setzen und zu beten. Der Bischof zitierte das Beispiel seiner Heimatdiözese in Sri Lanka, einem Land mit mehrheitlich nichtchristlicher Bevölkerung. Katholische Laien gingen dort muslimische und hinduistische Familien besuchen und fänden bei einem gemeinsamen Glas Tee zum Gespräch über Religion. Grund zur Trauer gebe es nur, wenn man die Hände sinken lasse, fuhr Ranjith fort. „Seid stark, habt Mut, und ihr werden es schaffen!", ermutigte er seiner Zuhörer unter Berufung auf ein Pauluswort.

Ein Priester aus Belgien fragte, ob die wachsende Zahl an Kirchengebäuden, die definitiv geschlossen werden, ein Zeichen für mangelnden Glauben sei. Hierzu erzählte der Erzbischof eine andere Begebenheit aus seiner Heimatdiözese, die mit einem deutschen Bistum eine Partnerschaft eingegangen ist. Als man in Sri Lanka vom Tod eines deutschen Priesters erfuhr, habe sich Ranjith mit folgenden Worten an den Bischof gewandt: „Ich werde Ihnen meinen besten Priester schicken.“ Doch der deutsche Bischof meinte nach einer Bedenkzeit: „Nein, wir schließen die Kirche.“ Wie könne man schließlich einen Bischof überzeugen?, schloss Ranjith rhetorisch.

Die letzte Frage kam von einem mexikanischen Priester, der seine Sorge um die breite Abwanderung von Katholiken in andere Kirchen und auch Sekten zum Ausdruck brachte, weil die Pfarrei den Erwartungen der Menschen offenbar nicht entspreche.

„Der Herr hat euch auf diesen Kontinent geführt, das ist also eure Herausforderung!“, antwortete der Sekretär und fügte eine Anekdote hinzu: Eines Tages begegnete er im Zug von Paris nach Lyon einer Frau, die neben ihm Platz nahm und ihn fragte, ob er an Jesus Christus glaube. Erstaunt fragte er sie, ob sie nicht sehe, dass er das römische Kollar trage. „Ja, aber glauben Sie noch immer an Jesus?“, fragte die Frau. Eine Stunde später kam sie wieder und erzählte, sie sei einmal zu ihrem Pfarrer gegangen, um ihm zu sagen, dass sie nicht mehr an Christus glaube. Der Pfarrer habe ihr daraufhin geraten, Menschen anzusprechen und zu fragen, ob sie an Jesus glaubten - auch im Zug. „Und tatsächlich, dadurch wächst mein Glaube!“, bezeugte die Frau.

Auf eine Frage von ZENIT, welches Modell man entmutigten Pfarreien anbieten könne, antwortete Ranjith, was zähle, sei „der Eifer und die Liebe des Pfarrers“. Als Modell verwies er auf den heiligen Pfarrer von Ars, den Patron der Diözesanpriester, aber auch auf Mutter Teresa und Franz Xaver, der aufgebrochen war, ohne etwas mitzunehmen oder einer fremden Sprache kundig zu sein. Und Erzbischof Ranjith merkte an: „Wenn er es geschafft hat, wieso dann nicht wir?“

[Von Gisèle Plantec; Übertragung ins deutsche von Monika Stadlbauer]