Erzbischof Silvano Tomasi: Die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze, Priorität im Kampf gegen die Armut

Internationale Arbeitskonferenz in Genf (Schweiz)

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GENF, 14. Juni 2006 (ZENIT.org).- "Zu viele Menschen" blieben – vor allem in der Dritten Welt – von den positiven Folgen der Globalisierung ausgeschlossen, kritisierte Erzbischof Silvano Tomasi CS, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf (Schweiz), während eines Vortrags anlässlich der 95. Sitzung der Internationalen Arbeitskonferenz. Sie widmet sich vom 31. März bis zum 16. Juni dem Thema der menschenwürdigen Arbeit für alle Menschen sowie der Schaffung entsprechender Voraussetzungen.



In den Mittelpunkt seiner Ausführung stellte der offizielle Vertreter des Heiligen Vaters die Würde des Menschen, dem vor wirtschaftlichen und anderen Überlegungen Vorrang eingeräumt werden müsse. In Ahnlehnung an die Enzyklika Laborem exercens von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1981 erklärte Erzbischof Tomasi, dass sich aus der großen moralischen Bedeutung der menschlichen Arbeit, die zur Entwicklung und Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit wesentlich beitrage, eine "logische Folge von Prioritäten" ergebe: Der Mensch sei wichtiger als die Arbeit, die Arbeit wichtiger als das Kapital und die universelle Bestimmung der Güter habe Vorrang vor dem Exklusivrecht auf Privateigentum von Produktionsmitteln (vgl. Laborem exercens, 12-20).

Im Kampf gegen die Weltweite Armut sei die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsmöglichkeiten von grundlegender Bedeutung, bekräftigte der Bischof. "Nicht der Konsum, sondern die Fähigkeit, neue Dinge, Situationen und Ausdrucksformen zu schaffen, charakterisieren die Vitalität der menschlichen Person und ihrer Weise, sich auszudrücken. Die 'Einprägung', die der Mensch durch seine Arbeit erhält, führt zu Zufriedenheit sowie zur Bereitschaft, zu wachsen, zu geben und in einer positiven Weise zum sozialen Miteinander beizutragen. Wenn es keine Arbeit gibt oder diese menschenunwürdig ist, dann ist es der Mensch selbst, der in die Knie gezwungen und in eine Krise gedrängt wird."

Als positive Entwicklungen würdigte der Repräsentant des Heiligen Stuhls die Tatsache, dass die Anzahl der Kinderarbeiter erstmals weltweit um 11 Prozent zurückgegangen sei: Von 248 Millionen im Jahr 2000 auf 218 Millionen im Jahr 2004. In diesem Zusammenhang unterstrich er die Hoffnung auf die baldige Umsetzung der Rahmenbestimmungen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Jedes Jahr würden 270 Millionen Arbeitsunfälle verzeichnet werden, und 160 Millionen Menschen litten an Krankheiten, die sie sich in ihrem Beruf zugezogen hätten. Erzbischof Tomasi fügte hinzu, dass rund 5.000 Arbeiter täglich aufgrund unsicherer Arbeitsbedingungen sterben müssten.

Um die Früchte der Globalisierung allen zukommen zu lassen, müssten die gegenwärtigen inneren Strukturen überdacht und geändert werden. Abschließend verwies er auf ein Wort Papst Benedikts XVI., dass zum Ausgangspunkt für solche Überlegungen dienen könne: dass nämlich "der Mensch Subjekt und Protagonist der Arbeit ist… Die Arbeit ist für die Verwirklichung des Menschen und die Entwicklung der Gesellschaft von vorrangiger Bedeutung. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass sie immer in der vollen Achtung vor der menschlichen Würde und im Dienst des Gemeinwohls organisiert und verrichtet wird" (vgl. Predigt am 19. März 2006).