Erzbischof Silvano Tomasis Ansprache an den UN-Menschenrechtsrat

Weltweit erschreckende Gewalt gegen Christen

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 449 klicks

Erklärung seiner Exzellenz, Erzbischof Silvano M. Tomasi, des Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhles bei den Vereinten Nationen und anderen Internationalen Organisationen in Genf, bei der 23. Sitzung des Menschenrechtsrates für interaktiven Dialog.

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Genf, 27. Mai 2013

Herr Präsident,

Meine Delegation gratuliert Frau Hochkommissarin für ihre Präsentation und ihr Wirken in ihrem Amt zur Förderung, Anerkennung und Verwirklichung der Menschenrechte.

Herr Präsident,

Die ernsthaften Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit im Allgemeinen und die in jüngster Zeit zunehmenden Diskriminierungen und systematischen Angriffe gegen einige christliche Gemeinschaften im Besonderen, versetzen den Heiligen Stuhl und viele demokratische Regierungen in tiefe Sorge, deren Bevölkerung eine Vielzahl religiöser und kultureller Traditionen zu vereinen sucht. Glaubwürdige Forschungen haben zu den schockierenden Ergebnissen geführt, dass jedes Jahr mehr als 100.000 Christen durch Gewalttaten ums Leben kommen und aus Gründen ihres Glaubens getötet werden. Andere Christen und andere Gläubige werden vertrieben, ihre Gotteshäuser werden zerstört, sie werden vergewaltigt und ihre Führungspersönlichkeiten werden entführt, wie es vor kurzem mit den Bischöfen Yohanna Ibrahim und Boulos Yaziji in Aleppo (Syrien) geschehen ist.

Einige dieser Akte haben im Mittleren Osten, Afrika und Asien als Frucht von Bigotterie, der Intoleranz, des Terrorismus und einiger zum Ausschluss führender Gesetze zugenommen. In einigen westlichen Ländern, in denen die christliche Präsenz wesentlicher Teil der Gesellschaft war, scheint sich ein Trend zu verbreiten, Christen vom öffentlichen Leben auszuschließen, die historischen oder sozialen Beiträge zu ignorieren und sogar die Möglichkeit für Glaubensgemeinschaften auszuschließen, soziale Dienste zu leisten.

Herr Präsident, der Menschenrechtsrat hat anerkannt, dass „Religion, Spiritualität und Glauben zur Förderung der inneren Würde und des Wertes der menschlichen Person führen können“. Die christliche Religion, wie auch die anderer Glaubensgemeinschaften, steht „im Dienst am Wohl der Menschheit“. Tatsächlich haben christliche Gemeinschaften mit ihrem Erbe von Werten und Prinzipien viel zur Identität und Würde des Einzelnen und der Völker beigetragen.

In diesem Zusammenhang kann es nützlich sein, dass die Delegation des Heiligen Stuhls einige Zahlen in Erinnerung ruft, die mit der Katholischen Kirche in Zusammenhang stehen. Im Bildungswesen unterhält sie 70.544 Kindergärten mit 6.478.627 Kindern; 92.847 Grundschulen mit 31.151.170 Schülern; 43.591 weiterführende Schulen mit 17.793.559 Studenten. Die Kirche unterrichtet des Weiteren 2.304.171 Gymnasiasten und 3.338.455 Universitätsstudenten. Die weltweite Caritas und die Gesundheitszentren betreiben: 5.305 Krankenhäuser; 18.179 Apotheken; 547 Leprakrankenhäuser; 17.223 Alten- oder Behindertenheime; 9.882 Kinderheime; 11.379 Krippen; 15.327 Eheberatungsstellen; 34.331 soziale Rehabilitationszentren und 9.391 Häuser, die Hilfe anderer Art anbieten. Hinzu kommen noch andere soziale Aktivitäten wie Flüchtlingslager und Hilfszentren für Menschen, die im Exil leben. Diese Dienste sollten wirklich nicht geeignet sein, Diskriminierung von Christen zu provozieren.

Herr Präsident,

erlauben Sie mir, den Delegationen zu gratulieren, wie der in Italien, die den Boden dafür bereiten, die Religionsfreiheit zu formulieren und zu verteidigen, einerseits generell, andererseits die der Christen, seitdem sie Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden. Lassen Sie mich gleichzeitig die Position der Premierministerin von Bangladesch unterstützen, die sie in der Einleitung zu dem Antiblasphemiegesetz ihres Landes vertreten hat. Zum Abschluss sei auf die Worte von Papst Franziskus anlässlich des 1700. Jahrestages des Ediktes von Mailand hingewiesen: „…Zivile Autoritäten überall müssen das Recht, öffentlich den eigenen Glauben zu bezeugen, unterstützen und ohne Vorurteile den Beitrag würdigen, den die Christen zur Kultur und die Gesellschaft unserer Zeit leisten.“

Danke Herr Präsident