Erzbischof Sleiman (Bagdad): „Wo es Extremismus gibt, da gibt es auch Verfolgung“

Die Anschläge im Irak haben politische und keine religiösen Hintergründe

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MADRID, 15. JULI 2009 (ZENIT.org).- Der Erzbischof von Bagdad (Irak) hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Gewalt im Irak mehr politisch als religiös motiviert ist.



Während einer Pressekonferenz im Hauptsitz der Caritas Spanien in Madrid erklärte Erzbischof Jean Benjamin Sleiman gestern, Mittwoch, dass es im Hinblick auf die Gewalt im Irak – abgesehen von den jüngsten Nachrichten über die sieben Kirchen, die innerhalb von drei Tagen bombardiert worden waren – einen Durchbruch gegeben habe. Im Vergleich zum Vorjahr sei bei den Zahlen der Opfer, die gewaltsam ums Leben gebracht worden sind, ein Rückgang von 80 Prozent zu verzeichnen.

Der Erzbischof äußerte jedoch auch seine Sorge, dass durch die jüngsten Anschläge auf katholische Kirchen die erwachte Hoffnung der Menschen auf einen „Rückgang der Gewalttaten“ sinken wird und dass viele Christen aus dem Land fliehen werden.

Erzbischof Sleiman reiste mit dem irakischen Caritas-Direktor Nabil Nissan nach Spanien, um das Bewusstsein für die dringlichen humanitären Probleme in diesem Land zu wecken. Eine der größten Herausforderungen stellt die nationale Versöhnung dar. Der Erzbischof hielt diesbezüglich fest, dass diese Problematik nicht angesprochen werden könne, solange die verborgene soziale und territoriale Teilung das Land bluten lasse. „In dem Ausmaß, in dem die Versöhnung voranschreitet“, so der Hirte, „werden wir in der Lage sein, mit der Lösung unserer Probleme voranzuschreiten.“

Bei der Pressekonferenz berichtete der Erzbischof über das Problem der religiösen Verfolgung, unter der die Minderheiten leiden und die zum Exil von mindestens der Hälfte aller irakischen Christen geführt hat. Die Christen im Irak bilden eine Minderheit, die aus über einer halben Million Gläubigen aus 14 Kirchen besteht. Und ihre Lage ist nach Worten des Erzbischofs besonders dort sehr heikel, wo Fundamentalisten an der Macht seien. „Wo es Extremismus gibt, da gibt es auch Verfolgung“, so Sleiman.

Schließlich wiesen der Erzbischof und der Caritas-Direktor auf die Dringlichkeit von humanitärer Hilfe hin. Das Land benötige mindestens 3.000 neue Krankenhäuser, um ein Minimum an medizinischer Hilfe für die Bevölkerung gewährleisten zu können.

Erzbischof Sleiman drängte die Öffentlichkeit, ihr Bewusstsein dafür zu schärfen, dass „das Problem des Irak ebenso ein Problem für euch, ein Problem für ganz Europa ist“.

Das Problem des Irak beschränke sich nicht nur auf sein eigenes Land, „sondern beeinträchtigt den gesamten Nahen Osten. Und die Folgen der Gewalt in dieser Region betreffen auch ganz Europa.“ Die Arbeit zur Förderung des Friedens im Nahen Osten und im Irak müsse deshalb mit dem Engagement zur Förderung des Frieden in Europa einhergehen.