Erzbischof von Belgrad in Sorge über Serbien und Balkan

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FREISING, 18. Januar 2008 (ZENIT.org).- Große Besorgnis zeigte wenige Tage vor der mit Spannung erwarteten ersten Runde der serbischen Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag der Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hočevar. Grund ist ein innenpolitisches Klima, das teilweise von stark nationalistischen Tönen geprägt sei. Dies hänge auch mit der ungelösten Kosovo-Frage zusammen, erklärte der Belgrader Oberhirte. Vor allem die Medien schürten Ängste, indem sie Klischees aufgriffen und gegen den Westen polemisierten.



Erzbischof Stanislav Hočevar nannte als Faktoren der Krise in Serbien und der gesamten Balkan-Region, dass sich noch immer viele Serben vom Westen nicht verstanden fühlten. Sie befürchteten außerdem, in einem vereinten Europa ihre Identität zu verlieren, so der Vorsitzenden der serbischen Bischofskonferenz bei einem Besuch in der Renovabis-Geschäftsstelle am heutigen Freitag in Freising.

Erzbischof Hočevar plädierte für eine vorurteilsfreie Neu-Interpretation der Geschichte. 75 Prozent der Serben würden eine engere Anbindung an die Europäische Union befürworten. „Allerdings blockieren derzeit zu viele politische Probleme diese klare Orientierung“, fügte er hinzu.

Hočevar sprach sich mit Blick auf die Situation in der gesamten Balkan-Region für einen stärkeren Erfahrungsaustausch zwischen Nationen und Konfessionen aus. Serbien komme als Land zwischen West und Ost aufgrund jahrhundertelanger Grenzerfahrungen eine besondere Aufgabe zu.

Die katholische Kirche in Serbien sehe sich in der Rolle eines Vermittlers. Die rund 500.000 Katholiken des Landes gehören verschiedenen Nationen an, leben weit verstreut und stellen in der überwiegend orthodox geprägten Bevölkerung nur eine Minderheit dar. So liegt dem Belgrader Erzbischof eine gute Aus- und Weiterbildung der Seelsorger im Sinne von Ökumene und interreligiösem Dialog besonders am Herzen. Dabei hilft ihm „Renovabis“, das seit 2001 für Maßnahmen in Serbien über zwei Millionen Euro bereitgestellt hat.

Der Erzbischof regte außerdem ein gemeinsames Zentrum von orthodoxer und katholischer Kirche für den interreligiösen und sozialen Dialog an. Es soll auf der Grundlage von Theorie und Praxis schrittweise ein neues Zusammenleben der Menschen einleiten. Außerdem sei es wichtig, dass die Jugend über die Landesgrenzen hinweg Kontakte mit Gleichaltrigen in den EU-Staaten knüpft. Erzbischof Hočevar befürwortete deshalb eine enge Zusammenarbeit von europäischen Institutionen und entsprechenden Einrichtungen in Serbien.