Erzbischof von Johannesburg warnt vor „biologischem Kolonialismus“

Eizellen afrikanischer Frauen für Stammzellenforschung im Westen?

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JOHANNESBURG, 28. Januar 2009 (ZENIT.org).- Der Erzbischof von Johannesburg, Joseph Tlhagale OMI, hat im Rahmen der Vollversammlung der Südafrikanischen Bischofskonferenz vor der „postmodernen globalen Ethik“ und ihren Folgen für Afrika gewarnt.



Aufgrund der vorherrschenden Anschauung, dass der Einzelne der „Schöpfer und Herr seines eigenen Schicksals“ sowie „das Maß aller Dinge“ sei und dass es keine objektive Wahrheit gäbe, werde in allen Bereichen ein „Recht auf freie Wahl“ propagiert.

„Sowohl das Protokoll von Maputo als auch die Konvention über die Abschaffung jeder Form von Diskriminierung gegen Frauen (CEDAW) sind dazu bestimmt, Abtreibungen und In-vitro-Fertilisation in den meisten afrikanischen Ländern zu legalisieren“, kritisierte der Erzbischof nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Fides am 22. Januar in seinem Eröffnungsvortrag zur bischöflichen Vollversammlung. „Diese Richtlinien werden es auch möglich machen, dass man Eizellen von afrikanischen Frauen für die embryonale Stammzellenforschung in den Industrieländern benutzt. In Großbritannien ist es illegal, Eizellen von englischen Frauen für Forschungszwecke zu benutzen. Es steht uns wahrscheinlich ein biologischer Kolonialismus bevor.“

Das angesprochene Maputo-Protokoll für die Rechte von Frauen in Afrika ist ein Zusatzprotokoll zu der 1986 verabschiedeten Afrikanischen Charta der Menschenrechte und Rechte der Völker. Es wurde 2003 von den 53 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union angenommen und trat 2005 in Kraft. Bisher wurde es von 42 afrikanischen Staats- und Regierungschefs unterzeichnet.

Das Protokoll bekräftigt spezifische Rechtsansprüche zum Schutz und zur Stärkung der Rolle von Frauen und Mädchen. In Abschnitt 10, in dem das Recht der Frauen auf Gesundheit beziehungsweise ihre „reproduktiven Rechte“ behandelt werden, heißt es unter anderem, dass Frauen das Recht haben, ihre Fruchtbarkeit zu steuern und die Methode der Empfängnisverhütung frei zu wählen. Zudem hätten sie ein Recht darauf, gegen sexuell übertragbare Krankheiten wie die Immunschwäche Aids geschützt zu werden.

Der Erzbischof von Johannesburg machte darauf aufmerksam, dass die postmoderne globale Ethik „ein neues Vokabular und neue Konzepte hervorgebracht“ habe: „Das ‚Recht auf freie Wahl‘ wird als grundlegende Norm verkauft. Man kann sich frei für Bisexualität, Homosexualität oder Heterosexualität entscheiden. Jugendliche können sich unabhängig von der Meinung der Eltern für eine Abtreibung entscheiden. Auch sie sind gleichberechtigt.“

Weitere schwerwiegende moralische Folgen dieser Lebensauffassung beträfen Euthanasie und Abtreibungen: „Euthanasie, so die Befürworter dieser Praxis, sei Ausdruck der freien Entscheidung, und in diesem Zusammenhang wird auch die Würde des Menschen zitiert. Reproduktive Gesundheit bedeutet, dass man ein Recht darauf hat, sich nicht mehr fortzupflanzen. Es bedeutet, dass man abtreiben kann. Es bedeutet, dass man freien Zugang zu Verhütungsmitteln hat.“

Diese Vision stoße auch auf internationaler Ebene auf Zustimmung und werde von den USA propagiert. Es sei die Konferenz von Peking (1995), die das Konzept der gegenseitigen Ergänzung von Mann und Frau abgelehnt habe, fuhr Erzbischof Tlhagale fort. „Ziel war es, eine geschlechtslose Gesellschaft zu schaffen, eine Gesellschaft ohne sexuelle Etikette.“ Gegenwärtig gebe es auf internationaler Ebene die Bestrebung, Begriffe wie Jungfräulichkeit, Enthaltsamkeit, Ehepartner, Ehemann, Ehefrau, Ehe usw. überhaupt abzuschaffen.

Erzbischof Joseph Tlhagale ist seit 2003 Erzbischof von Johannesburg. 1967 trat der 1947 in Randfontein in Südafrika geborene Tlhagale in den Oblatenorden ein. Nach seinem Theologiestudium, das er an der Gregoriana in Rom absolvierte, war er Dozent an verschiedenen Seminaren in Südafrika und veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zum Thema Inkulturation und Sozialethik. 1999 wurde er von Johannes Paul II. zum Erzbischof von Bloemfontein ernannt.

Von Dominik Hartig