Erzbischof von Mailand schreibt wiederverheirateten Geschiedene

Die Kirche würdigt Beziehungen, die mit Sinn für Verantwortung und Liebe gestaltet werden

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MAILAND, 25. Januar 2008 (ZENIT.org).- Die Kirche habe Christen, die geschieden von ihrem Ehepartner leben und eine neue eheliche Verbindung eingegangen sind, weder vergessen noch verstoßen, erklärt der Erzbischof von Mailand.

Kardinal Dionigi Tettamanzi hat sich in seinem Pastoralbrief mit dem Titel „Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen" (Il Signore è vicino a chi ha il cuore ferito), der seit Montag im italienischen Buchhandel erhältlich ist, direkt an Geschiedene und Wiederverheiratete gewandt.

Auf rund 24 Seiten zeigt er Verständnis für das Leid, die Krisen und Zerreißproben ehelicher Beziehungen, die ja mit dem Willen zur Ehe geschlossen werden. Er erkennt die im Trennungsgeschehen enthaltene Tragik und Dramatik bei erlebten Vertrauensbruch und die nervliche Belastung, die Beziehungskrisen mit sich bringen.

Geschiedene, die in einer neuen ständigen Partnerschaft leben, dürften zwar nicht an der Kommunion teilnehmen, schreibt der Kardinal. Aber die Kirche und ihre Hirten nähmen dennoch bewusst wahr, „wenn diese Beziehungen mit einem Sinn für Verantwortung und Liebe innerhalb des Paares und für die Kinder gelebt werden“.

Ausdrücklich ruft der Kardinal die Wiederverheirateten auf, „gläubig an der Messe teilzunehmen“ auch wenn sie keine Kommunion empfangen können. Der Reichtum eines kirchlichen Gemeinschaftslebens stehe auch jenen offen, die nicht zum Kommunionempfang zugelassen seien, bekräftigte er.

„Die Kirche weiß, dass die Entscheidung zur Trennung in gewissen Fällen nicht nur erlaubt, sondern geradezu unvermeidlich ist - um die Personenwürde zu verteidigen, größere Traumata zu vermeiden und die Größe der Ehe zu schützen, die sich nicht in eine unerträgliche Folge gegenseitiger Kränkungen verwandeln darf." Wiederverheiratete seien auch nicht aus der Kirche ausgeschlossen.

Tettamanzi spricht von „heldenhaften Beispielen" allein erziehender Eltern. Jedoch sollten die Trennungsgründe der Partner hinter dem Kindeswohl zurücktreten. Die Kinder benötigten „sowohl den Vater als auch die Mutter, nicht unnütze Vergeltung, Eifersucht und Härte". Nachdrücklich warnt der Kardinal vor einer übereilten Trennung; Paare, die eine Krise durchmachen, sollten nach Möglichkeit auch kompetente Hilfe von außen suchen.

Wiederverheiratete, die an den Gottesdiensten und am Gemeindeleben teilnähmen, seien eine besondere Hilfe für Menschen in ähnlichen Situationen, erklärt der Mailänder Oberhirte und baut somit eine Brücke zu allen Menschen, die dieses Schicksal teilen.