Erzbischof von Yangon bittet darum, die Bevölkerung von Myanmar nicht zu vergessen

„Kirche in Not“ und „Missio“ verstärken ihren Einsatz für die Opfer des Wirbelsturms und bitten um Spenden

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YANGON/KÖNIGSTEIN/WIEN, 10. Juni 2008 (ZENIT.org).- Das Ausmaß der Zerstörungen in Myanmar (dem früheren Birma) sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen, da manche Gebiete noch immer von der Außenwelt abgeschnitten und nicht erreichbar seien, berichtete der Erzbischof von Yangon, Charles Boa, gegenüber dem internationalen pastoralen Hilfswerk Kirche in Not. Aufgrund des Wirbelsturms „Nargis“, der das südostasiatische Land am 2. und 3. Mai heimsuchte, gelten heute rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst; 2,3 Millionen Menschen sind obdachlos geworden.



Da bereits die Regenzeit einsetze, ist es nach Worten von Erzbischof Boa erforderlich, Gebäude, die nicht vollständig zerstört worden seien, zumindest notdürftig zu reparieren, damit sie nicht durch den Regen noch zusätzliche Schäden davontragen. In vielen kirchlichen Gebäuden wie Klöstern, Pfarrhäusern und Internaten hätten Menschen Zuflucht gefunden, die durch den Zyklon ihre Häuser verloren haben. Nun seien viele dieser Gebäude jedoch ebenfalls vom Einsturz bedroht, wenn nicht rasch gehandelt werde.

Der Erzbischof berichtet „Kirche in Not“ auch von einer Frau, die im neunten Monat schwanger gewesen sei, als der verheerende Tropensturm einsetzte. Sie sei aus den Fluten gerettet worden und habe ihr zehntes Kind geboren, „während Tausende um ihr Leben kämpften und Hunderte Menschen starben“. Sie und ihre zehn Kinder seien in einem Kirchengebäude untergekommen und würden dort mit Nahrung und Medikamenten versorgt.

„Der Schock und der Schmerz, den der Sturm mit mörderischer Geschwindigkeit verursachte, konnte nicht verhindern, dass sich das Leben durch ein Kind wieder einmal durchgesetzt hat, obwohl alles Leben vollständig ausgelöscht zu sein schien“, so der Erzbischof. Er gab allerdings auch zu Bedenken, dass es Tausende Menschen wie Stella gebe, die Hilfe benötigten. Die Menschen in Myanmar litten bereits seit Jahrzehnten. Erzbischof Bo ruft die Weltöffentlichkeit dazu auf, die Bevölkerung von Myanmar nicht noch einmal zu vergessen. Es sei „seine Pflicht und sein Privileg, in der Stunde der Not die Stimme seiner Landsleute zu sein“.

Angesichts des gigantischen Ausmaßes der angerichteten Schäden hat „Kirche in Not“ seine Nothilfe für die am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Diözesen Yangon und Pathein um 40.000 Euro auf insgesamt 110.000 Euro aufgestockt. Und dies sei erst der Anfang der Hilfe, bekräftigte heute der Generalsekretär des Hilfswerks, Pierre-Marie Morel.

„2,3 Millionen Menschen unseres Volkes haben einen neuen Namen: Flüchtlinge und Obdachlose. Die Kirche streckt als Mutter voller Mitleid ihre Hände nach ihnen aus: Wir retten Leben, wir bringen Hoffnung!“, betonte Erzbischof Boa in diesen Tagen gegenüber Missio, den Päpstlichen Missionswerken in Österreich, die – genauso wie „Kirche in Not“  – mit den kirchlichen Einrichtungen in Myanmar zusammenarbeiten, um der Not leidenden Bevölkerung zu Hilfe zu kommen.

Der Hirte von Yangon berichtete, dass rund 25.000 Menschen Essen, sauberes Trinkwasser und ein Dach über dem Kopf erhalten hätten. Außerdem kümmere man sich um ihre psychologische und spirituelle Betreuung. Besonders verwundbar seien die Kinder, von denen viele ihre Eltern verloren haben. Sie benötigten Hilfe und Menschen, die sich ihrer annehmen. Erzbischof Charles Bo schildert in seiner Nachricht, dass die Kirche Gemeinden und Menschen erreiche, die andere Organisationen momentan nicht erreichen könnten: „Ohne die Hilfe der Kirche wären diese Menschen verloren!“

Am 7. Mai 2008 rief der Papst während der Generalaudienz alle Menschen guten Willens dazu auf, „das Herz für Mitgefühl und Großzügigkeit zu öffnen, damit durch die Zusammenarbeit aller, denen dies möglich ist und die Hilfe leisten wollen, die Leiden gelindert werden können, die von einer derart ungeheuren Tragödie verursacht worden sind“.