Erzbischof von Yangon (Myanmar) dankt für Unterstützung „in der Stunde der Dunkelheit“

Brief an das pastorale Hilfswerk „Kirche in Not“

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YANGON/KÖNIGSTEIN, 25. Juni 2008 (ZENIT.org).- „Tausende kehren heim beziehungsweise dorthin zurück, wo vorher ihr Zuhause war. Kinder gehen in die Schule, mit der Gewissheit, dass einige ihrer Freunde nicht dort sind.“ Aber dennoch sei es - trotz aller Anstrengungen, die in Myanmar, dem früheren Birma, noch zu leisten sind - an der Zeit, den vielen Helfern zu danken, schreibt der Erzbischof von Yangon, Charles Boa, dem internationalen pastoralen Hilfswerk Kirche in Not.

„Nach 45 Tagen hektischer Arbeit möchte die Kirche und alle ihre engagierten freiwilligen Helferinnen und Helfer eine Pause auf dem langen Weg der Wiederherstellung des Lebens der Einwohner nutzen, um unseren tiefsten Dank an all jene zu richten, die uns und den Menschen in Birma in ihrer Stunde der Dunkelheit beigestanden haben“, so der asiatische Oberhirte.

Aufgrund des Wirbelsturms „Nargis“, der das südostasiatische Land am 2. und 3. Mai heimsuchte, gelten heute rund 133.000 Menschen als tot oder vermisst; 2,3 Millionen Menschen sind obdachlos geworden.

„Bauern kehren wieder in ein langsam sich erholendes Land zurück, zerstört durch ein plünderndes Meer an jenem schicksalhaften Tag. Der Ayeyawady-Fluss hat sich wieder beruhigt, nachdem er Killerwellen aussandte und für einen Monat lang tote Leiber offenbarte“, heißt es in dem Schreiben.

„Es war ein schwieriger Monat für die Kirche. In Dedeya begruben Bruder Benedikt und seine Gruppe tapfer tote Leiber, die einen Monat lang in der Sonne und im Regen gelegen waren. Es war eine herausfordernde Tätigkeit. Viele Dörfer waren ein Tal von Knochen. Nun ruhen sie alle würdig an einer Stelle.

Woanders waren die Pflegekräfte, unsere Freiwilligen, in ihrer eigenen physischen und seelischen Gesundheit bedroht. Sie lebten inmitten von kontaminiertem Wasser und verwesenden Leibern. Einige mussten aus medizinischen Gründen in die Hauptstadt Rangun zurückkehren.

Alle Pfarreien sind nun Katastrophen-Ansprechpartner. Nicht nur Nahrungsmittel wird durch sie verteilt. Oft sind buddhistische Mönche Mithelfende...

Dank unserer Unterstützung bei der Schuluniform, bei Büchern und Schulgeld sind wieder viele Kinder in der Schule. Diese Rückkehr bedeutet Heilung und ist das erste Lebenszeichen für beschädigte Gemeinschaften. Saatgut wird verteilt. Die Kirche plant ein Hilfsprojekt mit psycho-spirituellem Training und Unterstützung gegenTraumata.“

„Ihr habt unsere Arbeit lohnenswert gemacht“
Langsam werde der Alptraum durch Hoffnung abgelöst, betont der Oberhirte. „Die katholische Bischofskonferenz von Birma, Karuna (die nationale Caritas) sowie Caritas international verstärken ihr Engagement. Wir danken Euch allen in diesem kritischen Augenblick. Unsere Arbeit ist sehr herausfordernd gewesen; sie fand unter Einschränkungen statt. Aber Ihr habt unsere Arbeit lohnenswert gemacht, denn Ihr ward in großer Kameradschaft mit uns verbunden.

Papst Benedikt XVI. war vom ersten Tag an väterlich besorgt. Er trauerte mit den Bischöfen in Birma, als sie ihn bei einem Ad-Limina-Besuch trafen. Sein Gesandter Erzbischof Salvatore Pennachio bestieg den erstmöglichen Flieger und kümmerte sich in all diesen Tagen um Überlebende und Pflegekräfte. Die Kirche in vielen verschiedenen Ländern war mit Spenden und im Gebet mit unserer Arbeit verbunden.

Es war ein Monat des Schmerzes und der Sorge für unsere Leute. Aber das Blatt hat sich gewendet, denn Menschen wir Ihr habt diesen Schmerz gefühlt und uns schnell unterstützt. Die Kirche konnte dank Euch Leben retten. Im Namen der tausenden Überlebenden schulden wir Euch allen tiefe Dankbarkeit. Noch einmal haben wir erkannt, dass die Weltkirche eine Mutter ist: Sie ist dort, wo eine Träne und menschliche Zerrissenheit ist.

Es ist immer noch ein langer Weg. Bis alles beim Alten ist, wird es mindestens zwei Jahre dauern. Der Zyklon ‚Nargis’ war wie ein atomarer Angriff der Natur auf unsere Menschen. Es gibt Dörfer, die spurlos verschwunden sind. Die Felder wurden durch das Meerwasser verschmutzt... Die Armen in Birma, die ohnehin schon von einem der dauerhaftesten Katastophen betroffen sind, führen langsam wieder ein normales Leben.

So endet unsere Reise. Die dringlichen Bedürfnisse sind Wiederaufbau, Schutz und die Erneuerung des Lebensunterhalts durch das Verteilen von Samen an die Bauern. Es war ein Monat der Herausforderung, aber eine gesegnete Herausforderung, denn wir haben die Macht des Einsseins der Menschen gespürt, die großzügige Unterstützung der Mutter Kirche und äußerste Großzügigkeit unter den Birmesen in ihrem selbstlosen Dienst an ihren trauernden Brüdern und Schwestern. Unser herzlichster Dank gilt Euch allen.“