Erzbischof Zollitsch: Die Hoffnung des Glaubens verkünden

Studientag über die Zukunft der Kirche in Deutschland

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WÜRZBURG, 28. April (ZENIT.org).- Über Perspektiven für die Zukunft der Kirche in Deutschland ging es am 26. und 27. April bei einem gemeinsamen Studientag von Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Würzburg. Die Beratungen standen unter dem Leitwort Papst Benedikts XVI.: „Seid Zeugen der Hoffnung!“



Erzbischof Dr. Robert Zollitsch rief in seinem Einleitungsreferat dazu auf, dem herrschenden gesellschaftlichen Klima, das den Aufbruchsgeist der vergangenen Jahrzehnte ein wenig vermissen lasse, mit Vitalität und innerer Freiheit, mit entbranntem Herzen und mit der Weite des „großen Denkens“ die Hoffnung des Glaubens entgegenzusetzen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betonte, wie wichtig gerade in einer stürmischen Zeit wie der heutigen das gemeinsame Gespräch und die Verständigung darüber sei, „was wir für vordringlich halten in Bezug auf das Leben und den Dienst der Kirche in Deutschland“.

Zollitsch bekräftigte mit Worten des Heiligen Vaters, dass den Christen und allen Menschen eine „verlässliche Hoffnung“ geschenkt worden sei, eine Hoffnung, „von der her wir unsere Gegenwart bewältigen können: Gegenwart, auch mühsame Gegenwart, kann gelebt und angenommen werden, wenn sie auf ein Ziel zuführt und wenn wir dieses Zieles gewiss sein können“ (Enzyklika Spe salvi über die christliche Hoffnung, 5).

Der christliche Glaube, so Zollitsch, „ist eine Hoffnung. Erlösung gibt es in Gestalt von Hoffnung. Und die Kirche hat die Aufgabe, Rechenschaft zu geben über unsere Hoffnung.“ Worauf es diesbezüglich ankomme, sei im bewegenden Beschluss „Unsere Hoffnung – Ein Bekenntnis zum Glauben in unserer Zeit“ der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland Ende der 1970er Jahre festgehalten worden. Bis heute habe die dort skizzierte Vorgehensweise große Aktualität: „Sich vom Herrn den Blick und das Herz öffnen zu lassen für die Gesellschaft der Gegenwart, damit wir deren Not und Hoffnungssehnsucht gewahr werden und die Sendung und die heutigen Wege der Kirche identifizieren – im Miteinander der vielen Träger der einen Glaubenshoffnung.“

Neben Zollitsch hielt auch der Präsident des ZdK, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, im Rahmen des Studientags einen Vortrag. Meyer betonte, dass die größte gesellschaftliche und kirchliche Herausforderung heute in einer falsch verstandenen Individualisierung bestehe. Lösungen könnten nur gefunden werden, wenn man offen miteinander rede, die eigenen Ängste und Sorgen nicht verschweige und die der anderen ernst nehme.

Bischof Dr. Joachim Wanke brachte in seinem Impulsreferat mit Worten Benedikts XVI. das Hauptziel der Kirche deutlich zum Ausdruck: „Gott gegenwärtig zu machen in dieser Welt und den Menschen Zugang zu Gott zu eröffnen“.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, sei eine innere Empathie für Zeitgenossen erforderlich, „die tief in ihrem Herzen von den Herausforderungen der Moderne, etwa der ungeheuren Ausweitung unseres Wissens und unserer Fertigkeiten fasziniert, aber auch verunsichert sind“. In dieser Hinsicht bedürfe es einer „Vertiefung und Verheutigung“ der Gottesverkündigung, der Schaffung von christlich-katholisch profilierten Orten der Diakonie und schließlich einer Vertiefung der liturgischen und spirituellen Kompetenz beim Klerus und beim Gottesvolk.

Mit Blick auf die wachsende Sehnsucht nach dem Heiligen in der Gesellschaft bekräftigte Bischof Wanke abschließend: „Nur die Beter werden als Christen bestehen. Eine Kirche, die im Gottesgeheimnis fest verwurzelt ist, bleibt auch heute für die Menschen interessant. Dass dies so ist, darauf gründet meine Hoffnung – auch für unsere Kirche in Deutschland, die in eine neue Zeit hinein unterwegs ist.“