Erzbischof Zollitsch erinnert in Nigeria an dreifache Verantwortung

Auruf zu ganzheitlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit

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ABUJA, 1. September 2009 (ZENIT.org).- „Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass allen voran die wohlhabenden Länder einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung der ökologischen Krise leisten. Die Sorge um die Umwelt und die Sorge um die Armen dürfen dabei nicht auseinanderfallen“, bekräftigte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, am 30. August im nigerianischen Abuja.

Bei einer Begegnung mit Vertretern von Politik, Kultur und Zivilgesellschaft wies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Vortrag zum Thema „Ethik und Globalisierung“ auf eine dreifache Verantwortung hin: erstens auf die „Verantwortung für die natürliche Umwelt, die der Mensch zwar nutzen, aber nicht verbrauchen darf“; zweitens auf die „Verantwortung für die Nachwelt, deren Lebensbedingungen vom ökologischen Erbe vorangegangener Generationen entscheidend mitbestimmt werden“; und schließlich drittens auf die „Verantwortung für die globale menschliche Mitwelt, die zunehmend die ökologischen Konsequenzen einer nicht nachhaltigen Wirtschaftsweise zu spüren bekommt“.

Die Bekämpfung der Armut müsse mit den Bemühungen einhergehen, „den globalen Klimawandel abzuschwächen und darüber hinaus armen Ländern zu helfen, sich an die negativen Folgen klimatischer Veränderungen anzupassen“, hob Zollitsch hervor, der sich in diesem Zusammenhang bei Papst Benedikt XVI. für dessen Sozialenzyklika Caritas in veritate über die ganzheitliche Entwicklung bedankte. Aus ihr spreche deutlich: „Eine nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung kann nicht gelingen, wenn die Menschheit weiterhin Entwicklungspfade wählt, die den Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen als unvermeidliches Nebenprodukt achselzuckend in Kauf nehmen.“

Am Ende seiner Ausführungen versprach Erzbischof Zollitsch seinen Zuhörern: „Seien Sie gewiss: Wir mühen uns und werden uns weiter mühen, die Weisheit, die Erfahrungen und die moralische Kraft, die uns im Glauben zuwächst und über Kontinente hinweg verbinden, in den Dienst einer Entwicklung zu stellen, die jedem Menschen und allen Menschen zugute kommt. Wir wollen dabei helfen, Not und Elend, Knechtschaft und Ausbeutung zu überwinden und eine Weltgesellschaft freier Menschen aufzubauen.“

Die zehntägige Nigeria-Reise des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hat am 26. August begonnen. Bei einer ersten Zwischenbilanz erklärte er gestern, Montag, in der nigerianischen Haupstadt Abuja: „Ich erlebe eine junge Kirche, die ihren Glauben fröhlich feiert, trotz aller Probleme, die es hier im Land gibt. Das fasziniert mich: Die Gesichter sind nicht sorgenvoll, sondern lebensfroh. In Nigeria bewahrheitet sich für mich das Wort ‚Was nicht gefeiert wird, ist im Leben nicht präsent’.“

Bei seinem Gespräch mit dem Gouverneur des Bundesstaates Cross River betonte Erzbischof Zollitsch die Bereitschaft der Kirche, am Brückenbau zwischen den Religionen und Ethnien in Nigeria mitzuwirken. Gouverneur Liyel Imoke versicherte die volle Unterstützung der Regierung in der christlich geprägten Südostregion Nigerias. Erst vor kurzem hatte seine Regierung mehrere Schulen, die unter staatlicher Kontrolle waren, an die katholische Kirche aufgrund ihrer Erfahrung im Erziehungsbereich zurückgegeben.

Erzbischof Zollitsch bezeichnete Nigeria erneut als „Kontinent der Hoffnung“. Man dürfe das Land nicht nur wirtschaftlich auf den Ölreichtum oder gesellschaftlich auf das Problem von HIV reduzieren, sondern müsse das ganze Land im Blick haben: „Gerade mit den vielen jungen Menschen Nigerias und insbesondere der katholischen Kirche gibt es allen Grund zur Hoffnung. Vergesst die Jugend nicht, denn sie ist eure Zukunft“, rief Zollitsch mehreren tausend Gläubigen am Sonntag in Enugu zu. Kritisch ging er mit der gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Kluft im Land um: „Einige wenige bereichern sich an den Bodenschätzen, die der ganzen Bevölkerung zustehen. Das kann nicht der Sinn von Globalisierung sein. Wirtschaft braucht ethische Grenzen, auch in Nigeria. Die Kirche kümmert sich ganzheitlich um den Menschen. Zu dieser Ganzheitlichkeit gehört insbesondere eine gerechte Verteilung der Güter. Nigeria ist eine Erfolgsgeschichte in vielen Bereichen, aber hier muss das Land noch manches aufholen.“

Positive Erfahrungen machte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz im Bereich der Ökumene. Gerade das Gespräch mit der Anglikanischen Kirche sei positiv für die Christen vor Ort. „Sorge bereitet den Bischöfen Nigerias aber die schnelle und massive Ausbreitung der Sekten. Ich selbst habe an jedem Dorfeingang und in jeder Stadt so viele Sekten und kirchliche Gemeinschaften gesehen wie nie zuvor. Das Problem ist groß und umso mehr müssen wir als katholische Kirche entsprechende Antworten auf die Glaubens- und Lebensfragen der Menschen geben.“, so Erzbischof Zollitsch. Eine Antwort sei die konkrete Hilfe der Kirche aus Deutschland. Wo immer er in Nigeria hinkomme, werde die Arbeit der Hilfswerke Missio und Misereor in besonderer Weise gewürdigt.

Zur Nigeria-Reise von Erzbischof Robert gibt es einen eigenen Internetblog. Dort finden sich neben tagesaktuellen Reisetagebuch-Eintragungen auch die Ansprachen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.