Erzbischof Zollitsch: Trennung von Kirche und Staat nach deutschem Muster

Zusammenarbeit zum Wohl der Menschen

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 27. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Am Rande der zu Ende gehenden Weltbischofssynode im Vatikan hatte ZENIT Gelegenheit, mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, über Trennung von Kirche und Staat und die Früchte der Synode für Deutschland zu sprechen.

ZENIT: In einem Gespräch während der Synode stellten Sie heraus, dass die Trennung von Kirche und Staat positive Auswirkungen, wie beispielsweise die Religionsfreiheit, habe. Liegen in dieser Trennung auch Gefahren wie ein Verlust des Einflusses der Kirche im öffentlichen Bereich?

Erzbischof Zollitsch: Es gibt eine ganze Reihe von Modellen der Trennung von Staat und Kirche wie zum Beispiel das französische der „Laicité“. Und wir haben den deutschen Weg, in dem Kirche und Staat unabhängig voneinander sind, aber zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit ist sowohl im Grundgesetz verankert als auch in den weiteren Gesetzen. Dies bedeutet, dass Kirche und Staat jeweils das ihnen Eigene gestalten können, aber in Zusammenarbeit mit dem anderen. Das ist der richtige Weg, da wir nicht, wie zum Beispiel der Islam, sagen, dass Staat und Religion identisch sind. Dann würde ja die Religionsfreiheit auf der Strecke bleiben. Wir wollen die Freiheit, aber gleichzeitig die Zusammenarbeit; denn beide, Staat und Kirche, tragen Verantwortung für die Menschen, und die Sorge um die Menschen ist ein gemeinsamer Auftrag. Diesen Weg gehen wir in Deutschland. Eine vollständige Trennung von Staat und Kirche würde tatsächlich der Kirche schaden und die Kirche stark daran hindern, ihren Dienst an den Menschen wahrzunehmen.

ZENIT: Zur Neuevangelisierung gehört genuin die Feier der Liturgie, wie auch im Abschlussdokument der Bischofssynode festgehalten wird. Im englischsprachigen Raum der Kirche wurde vor kurzem eine Neuübersetzung des Missale eingeführt. Wie sieht es im deutschen Sprachraum aus?

Erzbischof Zollitsch: Wir sind auch in Deutschland dabei, eine neue Übersetzung des Missale zu erstellen. Der Ordo Missae ist bereits verabschiedet. Wir arbeiten mit der österreichischen und schweizerischen Bischofskonferenz zusammen. Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis das Missale erscheinen kann, da die Abstimmung mit den einzelnen Bischöfen und Bischofskonferenzen Zeit in Anspruch nimmt. Wir wollen nämlich versuchen, möglichst viel von dem Gewachsenen mit einzuarbeiten und dabei natürlich die Übersetzung mit dem lateinischen Original abzustimmen.

ZENIT: Welche Anregungen aus den Berichten über andere Länder nehmen Sie mit nach Hause?

Erzbischof Zollitsch: Mir ist sehr bewusst geworden, wie wichtig die Familie für alle ist. Aber auch, wie vielgestaltig die menschlichen Dimensionen sind, nicht nur in Europa. Wir haben die Aufgabe zu zeigen, dass Familie dort ist, wo Vater, Mutter und Kinder sind und dass wir hier mit der Stärkung beginnen müssen. Wir müssen aufpassen, dass es nicht plötzlich eine Nivellierung der Familie gibt; sie ist schließlich die Grundzelle der Gesellschaft, wo die Kinder geboren und erzogen werden. Das ist eine gewaltige Herausforderung für uns. Ich habe auch gesehen, dass es eine weltweite Herausforderung bedeutet, den Glauben im Alltag leben zu können. Diese Erkenntnis wirkt entlastend, weil man sich einer Solidarität bewusst wird. Wir sind nicht alleine mit unseren Fragen.

ZENIT: Eine konkrete Frage: Werden die Gläubigen und Interessierten in Deutschland Zugang zu den wichtigen Ergebnissen dieser Synode haben? Wird die DBK die Abschlussbotschaft durch ihre eigenen Kanäle verbreiten?

Erzbischof Zollitsch: Ja, wir haben bereits über die Synode ausführlich berichtet. Die Schlussbotschaft steht bereits auf der Homepage der Bischofskonferenz. Und natürlich werden wir das nachsynodale Schreiben in unserer eigenen Schriftenreihe, die „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“ publizieren. Ich bin dankbar, dass viele kirchliche Medien sich in den vergangenen Wochen mit der Synode auseinandergesetzt haben.