Erzbischof Zollitsch zum Berliner Volksentscheid „Pro Reli“

„Die Kirche wird sich auch weiterhin für den Religionsunterricht in der Schule einsetzen“

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BONN, 27. April 2009 (ZENIT.org/DBK.de).- Wir veröffentlichen die Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zum gestrigen Ausgang des Berliner Volksentscheids „Pro Reli“.

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Der Berliner Volksentscheid „Pro Reli“ ist gescheitert. Dies ist ein schmerzlicher Ausgang der Abstimmung. Er folgt auf ein sehr erfolgreiches Volksbegehren, in welchem über 260.000 Wahlberechtigte den Forderungen der Bürgerinitiative „Pro Reli“ zugestimmt hatten. Allen, die sich in den zurückliegenden Monaten und Wochen für die Ziele der Initiative eingesetzt haben, möchte ich herzlich danken, besonders dem Vorsitzenden Dr. Christoph Lehmann und den vielen, die mit ihm Verantwortung getragen und sich in den letzten Wochen und Monaten für den Religionsunterricht in Berlin eingesetzt haben. In zahlreichen Gesprächen auf der Straße oder am Arbeitsplatz, in Hörfunk- und Fernsehbeiträgen, in Presseartikeln und auf Podien haben die Beteiligten in überzeugender Weise über den Religionsunterricht aufgeklärt. Gegen Vorurteile und Gegenströmungen haben sie die positiven Möglichkeiten dieses Fachs werbend dargestellt. Dafür gebührt ihnen mein herzlicher Dank.
 
Einen wichtigen Erfolg der Auseinandersetzungen um den Volksentscheid kann den Berlinern keiner mehr nehmen: Niemals zuvor waren Glaube und Religion so ausdrücklich präsent in den Straßen und in den Debatten der Stadt. Das Miteinander von Christen, Juden und Muslimen hat bundesweite Aufmerksamkeit gefunden und belegt, dass gegenseitiges Verstehen und gemeinsames politische Handeln möglich sind.
 
Bei der Bewertung des Volksentscheids wird man berücksichtigen müssen, dass sich die Berliner Situation in Bezug auf die schulische Religionsunterweisung deutlich von der in anderen Bundesländern unterscheidet, in denen der Religionsunterricht auf der Grundlage verfassungsrechtlicher Bestimmungen seit jeher ein ordentliches Unterrichtsfach ist. Aus diesem Grund ist das Berliner Ergebnis auch nicht auf andere Bundesländer übertragbar. Die Kirche wird sich auch weiterhin für den Religionsunterricht in der Schule einsetzen. Ich appelliere an den Senat, gemeinsam vor allem mit der Bürgerinitiative und den christlichen Kirchen, der Jüdischen Gemeinde und den muslimischen Verbänden nach einem Modell religiös-weltanschaulicher Bildung zu suchen, das der Religionsfreiheit besser Rechnung trägt und von einem breiten Konsens in der Gesellschaft getragen wird.