Erziehungsnotstand: Konferenz der Europäischen Universitätsstiftung in Rom

Erzbischof Rino Fisichella: „Man kann ohne Traditionen keine Zukunft schaffen“

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ROM, 13. Februar 2009 (ZENIT.org).- Erziehungsnotstand: Die Europäische Universitätsstiftung in Rom lud zu einer Konferenz voller Herausforderungen in einer Gesellschaft mit rasantem Wandel.

„Wir stehen einer großen kulturellen und erzieherischen Herausforderung gegenüber, denn wir müssen verstehen, mit welchen grundlegenden Konzepten sich die kommenden Generationen konfrontieren werden müssen“, so Erzbischof Rino Fisichella, Großrektor der Päpstlichen Lateranuniversität und Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben in seinem Beitrag.

„Die grundlegenden Konzepte, auf denen die Kultur und das Gedankengut des Westens aufbaut, finden wir heute nur noch fragmentiert vor“, fuhr er fort. Diese Zersplitterung der Grundlagen habe die Entwicklung neuer Wertesysteme erschwert und damit ein noch größeres Problem heraufbeschworen. „Man kann ohne Traditionen keine Zukunft schaffen“.

Deshalb verwies Erzbischof Fisichella darauf, wie wichtig es sei, gemeinsame erzieherische Bemühungen zu unternehmen. Nur dadurch könne die aktuelle Zersplitterung überwunden werden. Allerdings „kann man sie nicht überwinden, wenn Wurzeln und Identitätsbezug fehlen, wenn es keine Zugehörigkeit zu einer grundlegenden Kultur und Bildung gibt“.

Die erste Aufgabe bestehe nun darin, sich um die Förderung eines kritischen Bewusstseins zu bemühen, das heißt um die Möglichkeit, „zu grundlegenden Gewissheiten zu gelangen, die jeder Mensch braucht“. Der Mensch benötige nämlich kein Fragment, sondern vielmehr ein Fundament.

Im Rahmen seines Vortrags erläuterte der Erzbischof auch die Idee eines neuen vitalen „Bildungskreislaufes“. Ausgehend von den Familien als Kernzelle müssten die wesentlichen Programme von öffentlichen Einrichtungen erfasst werden und bis zu den christlichen Gemeinden gelangen.

„Ziel muss es heute sein, die intellektuelle Neugier unserer Jugendlichen anzuregen“, so Erzbischof Fisichella. Das könne sie dazu veranlassen, sich „die Frage nach dem Sinn des Lebens neu zu stellen“

Mit Worten von Don Luigi Giussani, dem Gründer der Bewegung Gemeinschaft und Befreiung (Comunione e Liberazione), sagte Fisichella: „Wir müssen das Risiko der Erziehung wieder eingehen.Wir müssen in der Lage sein, das Wesentliche zu riskieren - und dies bedeutet vor allem, dass wir die Vernunft wichtiger nehmen und sie stärken.“