"Es fehlt uns der Glaube!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Redaktion | 501 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Das heutige Evangelium berichtet vom Gang Jesu auf dem Wasser des Sees (vgl. Mt 14,22-33). Nach der Speisung der Fünftausend fordert Jesus seine Jünger auf, auf das Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren, während er selbst die Leute verabschieden will, um anschließend auf den Berg hinaufzusteigen und bis spät am Abend allein zu beten. Inzwischen erhebt sich auf dem See ein heftiger Wind, und inmitten dieses Sturms holt Jesus seine Jünger ein, indem er zu Fuß über das Wasser geht. Als sie ihn sehen, erschrecken die Jünger, denn sie denken, er sei ein Gespenst; doch er beruhigt sie: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (V. 27). Petrus, mit der für ihn typischen Spontaneität, verlangt fast einen Beweis von ihm, indem er sagt „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme“ (V. 28). Darauf sagt Jesus zu ihm: „Komm!“ (V. 29). Petrus steigt aus dem Boot und geht über das Wasser, doch der heftige Wind macht ihm Angst und er beginnt, unterzugehen. Da schreit er: „Herr, rette mich!“ (V. 30), woraufhin Jesus ihm die Hand reicht und ihn emporzieht.

Diese Erzählung ist ein schönes Bild des Glaubens Petri. In der Stimme Jesu, der zu ihm sagt: „Komm!“, hört er ein Echo ihrer ersten Begegnung am Ufer jenes selben Sees, und unverzüglich verlässt er auch dieses Mal sein Boot und geht auf den Meister zu. Und er geht auf dem Wasser! Wenn man spontan und vertrauensvoll dem Aufruf des Herrn folgt, kann man die außergewöhnlichsten Dinge vollbringen. Jesus selbst hat uns gesagt, dass wir durch unseren Glauben, den Glauben in ihn, in sein Wort, in seine Stimme, Wunder wirken können. Petrus beginnt in dem Moment unterzugehen, als er seinen Blick von Jesus abwendet und vor den Gefahren erschrickt, die ihn umgeben. Doch der Herr ist immer da, und als Petrus ihn anruft, rettet Jesus ihn aus der Gefahr. Die Gestalt des Petrus, mit seiner Begeisterung und seinen Schwächen, ist ein gutes Sinnbild für unseren eigenen Glauben, der immer schwach und zerbrechlich ist, der schwankt und dennoch siegt; der Glaube eines Christen geht auf den auferstandenen Herrn zu, inmitten aller Stürme und Gefahren dieser Welt.

Sehr wichtig ist auch die letzte Szene dieser Geschichte. „Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn“ (V. 32-33). Im Boot sitzen alle Jünger Jesu, und allen gemeinsam ist die Erfahrung der menschlichen Schwäche, des Zweifels, der Angst, des „schwachen Glaubens“. Doch als Jesus wieder ins Boot steigt, verändert sich das Klima: Alle fühlen sich im Glauben an ihn vereint. Sie waren klein und verängstigt, doch werden sie groß im Augenblick, als sie sich auf die Knie werfen und in ihrem Meister den Sohn Gottes erkennen. Wie oft geschieht auch uns dasselbe! Ohne Jesus, fern von ihm, fühlen wir uns verängstigt und unangemessen und glauben oft, es nicht schaffen zu können. Es fehlt uns der Glaube! Doch Jesus ist immer mit uns, verborgen vielleicht, doch er ist da und ist bereit, uns zu stützen.

Dies ist ein wirkungsvolles Sinnbild der Kirche: ein Boot, dass gegen Stürme ankämpft und manchmal unterzugehen scheint. Was dieses Boot rettet, ist nicht der Mut und das Können seiner Mannschaft, sondern der Glaube, der uns ermöglicht, auch in der Finsternis voranzuschreiten, inmitten aller Schwierigkeiten. Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass Jesus immer bei uns ist, bereit uns mit seiner Hand zu ergreifen und allen Gefahren zu entziehen. Wir alle sitzen in diesem Boot, und wir fühlen uns sicher, trotz unserer Grenzen und Schwächen. Wir sind vor allem dann sicher, wenn wir niederknien und Jesus, den einzigen Herrn unseres Lebens, anbeten. Dazu ruft unsere Mutter, die Muttergottes, uns immer wieder auf. An sie wollen wir uns vertrauensvoll wenden.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Nachrichten, die uns aus dem Irak erreichen, machen uns ungläubig und erschüttert. Tausende von Menschen, darunter viele Christen, werden auf brutale Weise aus ihren Häusern vertrieben; Kinder verhungern und verdursten auf der Flucht; Frauen werden entführt, Menschen ermordet; Gewalt aller Art, überall Zerstörung, Zerstörung von Häusern und historischen sowie religiösen Kulturgütern. Das alles ist ein schweres Verbrechen gegen Gott und die Menschen. Man kann nicht in Gottes Namen Hass bringen! Man kann nicht in Gottes Namen Krieg führen! Wir alle wollen jetzt an diese Lage und an diese Menschen denken und im Stillen beten.

[Schwiegen]

Ich danke all denen, die mit viel Mut diesen Brüdern und Schwestern ihre Hilfe bringen, und ich vertraue darauf, dass eine gute politische Lösung auf internationaler und lokaler Ebene diese Verbrechen beenden kann. Um diesem geliebten Volk meine Nähe besser zukommen lassen zu können, habe ich Kardinal Fernando Filoni zu meinem persönlichen Gesandten im Irak ernannt; er wird morgen aus Rom abreisen.

Auch in Gaza ist der Frieden gebrochen und der Krieg neu aufgeflammt und fordert unschuldige Opfer, Kinder… und kann die Kluft zwischen Israelis und Palästinensern doch nur vertiefen.

Lasst uns gemeinsam und durch die Fürbitte der Jungfrau Maria zum Gott des Friedens beten: „Herr, schenke unseren Tagen den Frieden, und mach uns zu Erbauern des Friedens und der Gerechtigkeit. Maria, Königin des Friedens, bitte für uns.“

Lasst uns auch für die Opfer des Ebola-Virus beten, und für alle, die Kämpfen, um es aufzuhalten.

Ich grüße alle Pilger und alle Einwohner der Stadt Rom, besonders die Jugendgruppen aus Verona, Cazzago San Martino, Sarmeola und Mestrino, sowie die Pfadfinderinnen aus Treviso.

Ab nächsten Mittwoch und bis Montag den 18. werde ich eine apostolische Reise nach Korea unternehmen: Ich bitte euch, begleitet mich durch euer Gebet, ich werde es brauchen! Danke. Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]