Es geht um die Tötung eines Kindes

Druck auf Eltern durch Pränataldiagnostik

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ROM, 27. November 2012 (ZENIT.org). – Während ihrer Schwangerschaft erfuhr Monika Hey, Autorin des Buches „Der gläserne Bauch“*, durch eine von ihr gar nicht gewünschte Ultraschalldiagnostik, dass ihr Kind das Down-Syndrom haben würde.

„Ich hätte es lieber nicht gewusst“, äußert sie einem Interview mit der FAZ am 24. November, in dem sie über die „unzumutbaren Entscheidungen“ und den gewaltigen Druck durch Ärzte und Gesellschaft berichtet, denen sich Eltern eines behinderten Kindes gegenübergestellt sehen. Sie selber hatte das Kind mit Down-Syndrom in einem sechs Tage währenden Abtreibungsprozess töten lassen, eine Entscheidung, die sie vom ersten Moment an bereut hat.

„Ich habe ihn von Anfang an bereut. Ich hatte durchgängig das Gefühl, ich mache mich schuldig. Aber weder mein Verstand noch meine Gefühle konnten mir helfen. Es geht um die Tötung eines Kindes. Körper und Seele einer Schwangeren sind darauf ausgerichtet, das Kind zu schützen. Zu unterschreiben, dass das Kind abgetrieben werden soll, und selber dazu beizutragen, dass das Kind getötet wird, ist kaum auszuhalten“, so Hey.

Sie selber sei von ihrer Frauenärztin und dem Ultraschallarzt dermaßen unter Druck gesetzt worden, dass sie keine andere Möglichkeit gesehen habe.

„Sie gaben mir das Gefühl, dass es unverantwortlich wäre, mein Kind zur Welt zu bringen. Anfangs habe ich noch versucht, mich zu wehren. Der Druck war sehr hoch. Meine Frauenärztin malte mir die Zukunft mit einem behinderten Kind in den schwärzesten Farben: ein Kind mit schwersten geistigen und körperlichen Behinderungen, das ich bis ins Erwachsenenalter wickeln müsste. Und ich solle mir vorstellen, wie alt ich dann sein werde. So bekam ich den Eindruck, dass ich von völlig falschen Voraussetzungen ausging, wenn ich das Kind zur Welt bringen wollte.“

Sie selber habe sich in einem psychischen Ausnahmezustandbefunden. Es sei in den Gesprächen gar nicht mehr um das Kind, sondern um ihr eigenes Wohl gegangen. Ansonsten wäre eine Abtreibung rechtlich nicht möglich gewesen, denn die Behinderung darf kein Rechtfertigungsgrund sind, sondern die Gesundheit der Mutter.

Seit der Reform des Paragraphen 218 von 1995 wurde die embryopathische Indikation durch die medizinische ersetzt. Seitdem geht es darum, was ein behindertes Kind für die Frau bedeutet. Eine medizinische Indikation ist gegeben, wenn der Arzt davon ausgeht, dass Gefahr für Leben oder Gesundheit der Frau besteht.

Es gebe gesellschaftliche Kräfte, die auf Frauen einwirkten, damit sie sich für eine Abtreibung entschieden, erklärt Monika Hey. Dazu gehöre auch der Hinweis auf die Kosten eines behinderten Kindes für die Allgemeinheit. Auch in ihrem persönlichen Umfeld hätte es kein Verständnis für eine Entscheidung gegeben, ein behindertes Kind auszutragen.

Sie hätte Beratung gebraucht, einen einfühlsamen Umgang, jemanden, der andere Möglichkeiten aufgezeigt hätte, so Hey. Sie habe nicht genug über das Down Syndrom gewusst und nicht widerlegen können, was die Ärzte ihr sagten. „Ich wusste auch nicht, dass sie vieles nur sagen, um sich selbst vor möglichen rechtlichen Folgen zu schützen.“

Deshalb fordert sie Politiker und Ärzte auf, Schwangere auch in ihrer Entscheidung zu unterstützen, ein möglicherweise behindertes Kind zur Welt zu bringen.[jb]

*Monika Hey: Mein gläserner Bauch. Wie die Pränataldiagnostik unser Verhältnis zum Leben verändert, DVA 2012, € 19,99