"Es gibt kein Europa ohne den Balkan"

Erzbischof Stanislav Hočevar von Belgrad fordert vom Westen mehr Verständnis

| 517 klicks

FREISING, 28. März 2006 (ZENIT.org).- Angesichts der "sehr komplexen" Situation auf dem Balkan hat Erzbischof Stanislav Hočevar von Belgrad für ein größeres Verständnis des Westens geworden.



Während eines Besuchs bei "Renovabis", der 1993 von der deutschen Bischofskonferenz gegründeten Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, auf dem Domberg in Freising erklärte der 60-jährige Erzbischof, der aus Slowenien stammt, dass Serbien im Augenblick einen positiven Übergangsprozess durchmache, der allerdings nicht so zügig voranschreite, wie von vielen erwartet werde. Als Gründe für diese schwierige Phase nannte Erzbischof Hočevar die noch offenen Fragen der Beziehungen Serbiens zu Montenegro, zum Kosovo sowie zur nördlichen Grenzregion Vojvodina.

Das Begräbnis des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevič hat nach Aussage des Erzbischofs von Belgrad deutlich gezeigt, dass für eine Mehrheit der serbischen Bevölkerung die Ära Milosevič Vergangenheit ist. Es seien viel weniger Menschen zur Beisetzung des einstigen Machthabers erschienen als erwartet.

Mit Nachdruck wies der Erzbischof von Belgrad darauf hin, dass der europäische Einigungsprozess ohne die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas unvollständig bleibe. "Es gibt kein Europa ohne den Balkan", bekräftigte der Oberhirte, der auch Vorsitzender der internationalen Bischofskonferenz St. Cyrill und Methodius ist. Diese umfasst neben Serbien mit Montenegro und dem Kosovo auch Mazedonien.

Erzbischof Hočevar unterstrich die Bedeutung Serbiens als Brückenkopf zwischen dem Westen und dem Osten sowie als Schnittstelle zwischen der abendländischen Kirche und der Orthodoxie. Er forderte das westliche Europa auf, sich stärker in die Mentalität des Ostens hineinzuversetzen. Zugleich ermunterte er die christlichen Kirchen zu einer stärkeren Zusammenarbeit. Nur so sei auch ein echter Dialog mit dem Islam möglich.

In diesem Zusammenhang würdigte der Erzbischof von Belgrad auch die Arbeit der von Pater Dietger Demuth CSsR geleiteten Solidaritätsaktion "Renovabis". Konkret sprach er von einer prophetischen Rolle, die das Osteuropa-Hilfswerk seit seinem Bestehen spiele, indem es besonders den ökumenischen und interreligiösen Dialog pflege.

"Renovabis" fördert derzeit 15 Projekte in Serbien und Montenegro, darunter das Loyola-Gymnasium mit Internat in Prizren.