"Es ist ein Moment der Fürbitte, des Gebets"

Details zum Friedensgebet am Pfingstsonntag

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 479 klicks

Zu einer Fürbitte um Frieden werden sich auf Einladung von Papst Franziskus am Pfingstsonntag, dem 8. Juni 2014, der Präsident Israels Shimon Peres und der Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas im Vatikan einfinden. An dem Friedensgebet, das auf 19.00 Uhr angesetzt ist, wird außerdem der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., teilnehmen. Papst Franziskus hatte die Einladung zu dem Treffen während seiner Reise ins Heilige Land am 25. Mai 2014 ausgesprochen: „An diesem Ort, wo der Friedensfürst geboren wurde, möchte ich an Sie, Herr Präsident Mahmoud Abbas, und an Herrn Präsidenten Shimon Peres eine Einladung richten, gemeinsam mit mir ein intensives Gebet zu erheben und von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen. Ich biete mein Haus im Vatikan an, um dieses Gebetstreffen zu beherbergen. Alle ersehnen wir den Frieden; viele Menschen bauen ihn täglich mit kleinen Gesten auf; viele leiden und nehmen geduldig die Mühe auf sich, immer wieder zu versuchen, Frieden zu schaffen. Und alle – besonders diejenigen, die in den Dienst ihres eigenen Volkes gestellt sind – haben wir die Pflicht, uns zu Werkzeugen und Urhebern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet. Frieden zu schaffen ist schwierig, aber ohne Frieden zu leben, ist eine Qual. Alle Männer und Frauen dieses Landes und der ganzen Welt bitten uns, ihr brennendes Verlangen nach Frieden vor Gott zu tragen.“

In Hinblick auf das Friedensgebet fand heute ein Briefing im Pressesaal des Vatikans statt. Pater Lombardi, Pressesprecher des Vatikans, und Pater Pierbattista Pizzaballa, Franziskaner-Kustos im Heiligen Land, gaben bei dieser Gelegenheit einige Details zum Ablauf bekannt.

Pater Pierbattista Pizzaballa erklärte: „Es ist ein Moment der Fürbitte, des Gebets, aber vor allem der Fürbitte – eine Pause von der Politik. Der Heilige Vater will nicht in den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eintreten, den wir alle kennen.“

Am Abend des Pfingstsonntags werden die beiden Staatschefs zu unterschiedlichen Zeiten in Rom eintreffen. Peres wird um 18.15 Uhr erwartet, Abbas hingegen auf dem Rückweg von einer Ägyptenreise um 18.30 Uhr ankommen. Getrennt voneinander werden die beiden vom Papst am Eingang zur Domus Sanctae Martae empfangen werden. Nacheinander wird der Papst mit beiden ein kurzes Gespräch führen. Gegen 18.45 Uhr werden sich die beiden Staatschefs und der Papst in der Empfangshalle der Domus Sanctae Martae treffen, wo auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. zugegen sein wird. Die vier werden dann gemeinsam mit einem Kleinbus zum Zielort gebracht werden, dem dreieckigen Rasenplatz zwischen der Casina Pio IV., Sitz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, und den Vatikanischen Museen. Den Ort bezeichnete Pater Lombardi als sehr schön, von dort aus habe man den Blick auf die Kuppel von Sankt Peter.

Bei dem Treffen werden außerdem die jeweiligen Delegationen, der Rabbiner Abraham Skorka und der Muslim Omar Abboud, - beide begleiteten Papst Franziskus auf der Reise ins Heilige Land -, Pressevertreter und Musiker anwesend sein. Der Papst wird bei dem Treffen in der Mitte Platz nehmen, Peres zu seiner Rechten, Abbas zu seiner Linken; der Patrairch hingegen wird gesondert Platz nehmen. Nach einer musikalischen Eröffnung werden drei Gebetsmomente folgen. Zunächst wird das jüdische, dann das christliche und zum Schluss das muslimische Gebet verlesen werden. Papst Franziskus und die beiden Präsidenten werden danach jeweils eine Ansprache halten. Die Texte sind miteinander abgestimmt worden. Pater Pizzaballa erklärte: „Das Gebet hat denselben Ablauf für alle drei Religionen. Das erste ist das Lob Gottes für die Schöpfung; Gott hat uns alle geschaffen, und so sind wir alle Geschwister. Zweiter Moment: Eine Gewissenserforschung. Obwohl wir alle Geschöpfe Gottes sind, sind wir alle Sünder, wir haben gegen die gemeinsame Berufung gefehlt und bitten um Vergebung. Der dritte Moment ist eine Fürbitte an Gott, damit er uns alle in die Lage versetzt, den Frieden zu bauen, jeder im eigenen Umfeld. Es ist ein Gebet in Form einer Fürbitte. Eine Anrufung um Hilfe, damit wir alle Architekten des Friedens werden können.“

Die sich an das Gebet anschließenden Reden der Präsidenten Israels und Palästinas werden nicht politischer Natur sein. „Der Sinn ihrer Reden ist Anrufung“, so Pater Pizzaballa. Pater Pizzaballa betonte: „Es ist kein interreligiöses Gebet zwischen Christen, Juden und Muslimen. Sondern eine Fürbitte um Frieden, die Israelis und Palästinenser vor Gott erheben. Israelis und Palästinenser, die Juden, Christen und Moslems sind. Diese Unterscheidung ist wichtig, um Formen der Religionsvermischung zu vermeiden, wenn man betet. Aber die Delegationen, die religiös und politisch sind, gehören beiden Ländern an. Peres ist nicht nur der Präsident der Juden, sondern auch der Präsident der Christen und Muslime und Drusen in Israel. Und Präsident Abbas ist Präsident der Muslime und Christen in Palästina. Deshalb sind die Delegationen repräsentativ zusammengesetzt.“ Im Anschluss daran wird ein Olivenbaum gepflanzt werden und eine gegenseitige Begrüßung der Delegationen erfolgen. Der Papst, die Präsidenten und der Patriarch werden sich danach zu einem kurzen gemeinsamen Gespräch in den Innenhof der Casina Pio IV. begeben. Papst Franziskus wird danach in die Domus Sanctae Martae zurückkehren, die beiden Präsidenten den Vatikan verlassen.

Kardinal Marx sprach die Einladung aus, sich dem Friedensgebet anzuschließen, und erklärte in der Pressemitteilung vom 6. Juni 2014: „Es stimmt hoffnungsvoll, dass Präsident Peres und Präsident Abbas zugesagt haben und die Begegnung bereits am bevorstehenden Pfingstsonntag stattfinden wird. Eine Grunderfahrung aller Gläubigen besagt, dass wir aus mancher Sackgasse nicht aus eigener Kraft herausfinden, sondern dazu des Segens Gottes bedürfen, den wir im Gebet erbitten. Diesem Gedanken ist Papst Franziskus gefolgt, als er die Staatsmänner nicht zu politischen Verhandlungen, sondern ausschließlich zum Gebet nach Rom eingeladen hat. Gläubige in Deutschland und in vielen anderen Ländern haben bereits angekündigt, sich dem bevorstehenden Ereignis im Vatikan in Schweigeminuten oder eigenen Gebeten anschließen zu wollen. Ich bin dankbar für diese Initiativen, zeigen sie doch die lebhafte Sehnsucht nach Frieden, die so viele Menschen überall auf der Welt beseelt. Papst Franziskus hat den ausdrücklichen Wunsch geäußert, dass alle Gläubigen der Welt diesen Moment der Geschichte mit ihrem Gebet begleiten, damit Gott noch intensiver darum gebeten wird, dass Friede im Land Jesu herrsche. Gemeinsam mit meinen Mitbrüdern im Bischofsamt lade ich alle Priester, Diakone, Ordensleute, alle Kirchengemeinden und Gläubigen in unserem Land ein, dem Wunsch von Papst Franziskus nachzukommen und sich am Pfingstsonntag der Bitte um Frieden im Gebet anzuschließen.“