Es ist notwendig, dass alle Position gegen dieses Verbrechen beziehen.

Die jemenitische Aktivistin Hend Nasiri in einem Interview mit Zenit über die Zwangsheirat im Jemen

Rom, (ZENIT.org) Valentina Colombo | 266 klicks

Hend Nasiri, eine junge jemenitische Aktivistin, die sich für die Rechte der Mädchen im Jemen und eine Kampagne gegen ihre Zwangsverheiratung einsetzt, legte in einem Exklusivinterview mit Zenit die Situation der Mädchen im Jemen und die Ziele ihrer Kampagne dar.

Das Problem der Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen sei nicht nur auf den Jemen beschränkt, sondern auch in anderen Staaten gegenwärtig. Deshalb ist die Arbeit Nasiris nicht allein auf nationale Ebene beschränkt, sondern eine Aufgabe von internationaler Bedeutung.

Genaue Zahlen, wieviele Mädchen zu einer Heirat gezwungen würden, lägen nicht vor, so Nasiri. Der Jemen belege aber Platz 13 unter den 20 Staaten, in denen die Praxis der Zwangsverheiratung junger Mädchen verbreitet sei. Die Zahl derjenigen Minderjährigen, die unter achtzehn Jahren verheiratet würden, liege bei 48,4%. Laut einer Studie der Universität in Sanaa seien 52% aller Mädchen und 7% aller Jungen unter fünfzehn Jahren verheiratet worden. Von den Ehen mit Minderjährigen seien zu 65% Mädchen betroffen; 70% stammten vom Lande. In den meisten der Fälle seien die Mädchen zwischen acht und zehn Jahre alt.

Hend Nasiri rief am 20. August die Kampagne „Rettet Warda!“ ins Leben, um die Öffentlichkeit auf das Thema der Zwangsverheiratung Minderjähriger aufmerksam zu machen. Nasiri erklärte, dass sich bis dato niemand dem Problem der Verheiratung Minderjähriger und der Festlegung eines Mindestalters zur Eheschließung gewidmet habe.

Die Kampagne müsse sich den Traditionen, konservativen und religiösen Kräften entgegenstellen, die sich bislang dem Mindestalter von achtzehn Jahren widersetzt hätten. Seit der Gründung der Kampagne hätten sich ihr immer mehr Menschen angeschlossen, um den Kampf für die Rechte der Mädchen zu unterstützen, so die junge Aktivistin. Auf diese Weise solle eine Änderung von der Basis der Bevölkerung ausgehend erzielt werden.

Unterstützung erfahre sie durch die Regierung und die Institutionen, jedoch seien sie noch am Anfang, so Hend Nasiri. Bereitschaft sei vorhanden; bisher hätten sie eine positive Reaktion erhalten.

Von Seiten der extremen Islamisten hätten sie bis jetzt keine direkten Angriffe erlitten, so Hend Nasiri. Die extremen Islamisten wiederholten, dass das Mindestalter für eine Heirat sechzehn Jahre sei und man das Gesetz Gottes oder die Sharia befolgen müsse. Die Verheiratung Minderjähriger werde befürwortet mit dem Argument, der Prostitution und dem Ehebruch vor dem Eintritt der Volljährigkeit entgegenzuwirken.

Der Nobelpreisträger Tawakkul al-Karman folge der Linie der Partei al-Islah der Muslimbrüder; deshalb könne er sich der Partei nicht entgegenstellen. Obgleich er den Friedensnobelpreis erhalten habe, habe er sich bislang weder für den Frieden noch für die Menschenrechte in seinem Land eingesetzt.

Schulreformen seien notwendig, so Hend Nasiri, um über die gesundheitlichen Risiken einer Ehe mit minderjährigen Mädchen aufzuklären. Gleichzeitig müssten auch die Vertreter der Kirche das Thema in den Moscheen aufgreifen und Aufklärungsarbeit über die Gefahren, die sowohl für die Mädchen als auch für die Gesellschaft bestehen, leisten.

Hend Nasiri erklärte abschließend, dass tagtäglich hunderte Mädchen aus Gleichgültigkeit und Armut zwangsverheiratet würden. „Es gibt viele Opfer der Übermacht und Diktatur der Väter und Ehemänner. Die Frage der Ehe minderjähriger Mädchen ist ein Problem aller Jemeniten; und es ist unabdingbar, dass sie zur Verantwortung aller wird; es ist notwendig, dass alle Position gegen dieses Verbrechen beziehen.“