"Es ist schön, dass unser Leben zum Geschenk wird!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Rom, (ZENIT.org) | 378 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den sonntäglichen Angelus zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach er die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In Italien und in vielen anderen Ländern wird am heutigen Sonntag das in einigen Sprachen unter der lateinischen Bezeichnung „Corpus Cristi“ bekannte Hochfest Fronleichnam gefeiert. Dabei versammelt sich die Gemeinschaft der Kirche in der Eucharistiefeier zur Anbetung des kostbarsten Schatzes, den Jesus ihr hinterlassen hat.

Das Johannesevangelium legt die von Jesus in der Synagoge von Kafarnaum gehaltene Rede vom „Brot des Lebens“ vor, in der er erklärt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Jesus betont, dass er nicht in diese Welt gekommen sei, um etwas zu geben, sondern um sich selbst und sein Leben jenen als Nahrung zu geben, die an ihn glauben. Unsere Gemeinschaft mit dem Herrn verlangt von uns als seinen Jüngern, dass wir ihn nachahmen und durch unsere Haltung aus unserem Dasein ein für die anderen gebrochenes Brot machen, so wie der Herr seinen Leib als Brot gebrochen hat. Für uns sind damit großzügige Verhaltensweisen gegenüber unseren Nächsten gemeint, aus denen das Teilen unseres Lebens für andere erkennbar wird.

Bei jeder heiligen Messe werden wir mit dem Leib Christi gespeist und die Gegenwart Jesu und des Heiligen Geistes wirkt in uns. Diese formt unser Herz, teilt uns innere Haltungen mit, die in ein Verhalten entsprechend dem Evangelium umgesetzt werden. Dazu zählen vor allem die Fügsamkeit gegenüber dem Wort Gottes, dann die Brüderlichkeit unter uns, der Mut zum christlichen Zeugnis, die Phantasie der Nächstenliebe sowie die Fähigkeit, Entmutigten Hoffnung zu schenken und die Ausgeschlossenen aufzunehmen. Dank Jesus und seinem Geiste wird auch unser Leben zu „gebrochenem Brot“ für unsere Brüder. Diese Lebensweise lässt uns die wahre Freude finden! Die Freude, uns zu schenken, um das große Geschenk zu erwidern, das wir als Erste unverdient empfangen haben. Es ist schön, dass unser Leben zum Geschenk wird! Dadurch ahmen wir Jesus nach. Ich möchte in diesem Zusammenhang an zwei Dinge erinnern: Zunächst ist das Maß der Liebe Gottes grenzenlose Liebe. Ist das klar? Und unser Leben wird durch den Empfang der Eucharistie mit der Liebe Jesu zum Geschenk wie das Leben Jesu. Vergesst diese beiden Dinge nicht: Das Maß der Liebe Gottes entspricht grenzenloser Liebe. Und die Nachfolge Jesu mit der Eucharistie macht aus unserem Leben ein Geschenk.

Jesus, das Brot des ewigen Lebens, kam vom Himmel herab und ist dank des Glaubens der Allerheiligsten Gottesmutter zu Fleisch geworden. Nachdem sie ihn mit unaussprechlicher Liebe in sich getragen hat, begleitete sie ihn treu bis zum Tod am Kreuz und zur Auferstehung. Bitten wir die Gottesmutter, uns zu helfen, die Schönheit der Eucharistie neu zu entdecken, aus ihr den Mittelpunkt unseres Lebens zu machen, besonders in der Sonntagsmesse und bei der Anbetung.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

am 26. Juni wird der UN-Welttag für die Opfer von Folter begangen. Zu diesem Anlass bekräftige ich die strikte Verurteilung jeder Form von Folter und fordere die Christen auf, sich für die Abschaffung der Folter und die Unterstützung der Opfer mit ihren Angehörigen einzusetzen. Menschen zu foltern ist eine Todsünde, eine sehr schwere Sünde!

Ich heiße euch alle willkommen, ihr lieben Römer und Pilger!

Ein besonderer Gruß gilt den Studenten der „London Oratory School“, den Gläubigen der Diözesen von Como und Ormea (Cuneo), dem „Coro della Gioia“ (Freudenchor) aus Matera, der Vereinigung „L’Arca“ aus Borgomanero und den Kindern aus Massafra. Ebenso begrüße ich die Schüler des Gymnasiums „Canova“ aus Treviso, die Radfahrergruppe aus San Pietro in Gu (Padua) und die Initiative „Vivere da Campione“ (wie ein Weltmeister leben), die unter Berufung auf den hl. Johannes Paul II. eine Botschaft der Solidarität in ganz Italien verbreitet hat.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Betet für mich! Betet für mich, auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Sarah Fleissner]