Es ist vollbracht

Das ist die letzte Station des Weges

Rom, (ZENIT.org) | 1016 klicks

Es ist vollbracht. Alles, was getan werden musste, ist getan. In aller Eile waschen die Frauen meinen Leib und entfernen die blutigen Spuren der Schlacht, die nun geschlagen ist. Sie legen meinen Leichnam in ein neues Grab und rollen den schweren Stein davor, den die Soldaten des Pilatus versiegeln. Es muss schnell gehen, die Dämmerung bricht bald herein, und der Sabbat beginnt. Meine Glieder sind wie der Fels, auf dem sie ruhen –kalt und hart. Alles Leben ist erstarrt. Alles ist tot. Der Kampf ist zu Ende, aber es gibt keine Jubelschreie und keine Freudenlieder. Der Preis ist bezahlt, aber es scheint, als sei der Handel ein böser Betrug gewesen. Der Tod hat gesiegt, und es gibt nichts, was jetzt noch getan werden könnte. Alles, was bisher war, endet in diesem engen und finsteren Grab. Alles, woran meine Freunde geglaubt haben, all ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, ihr Leben, ihre Liebe –alles ist verschlossen hinter dem Stein, den die Soldaten bewachen.

Sprachlos stehst du da. Wäre auf den Schmerz die Freude gefolgt und auf das Leid und die Mühe der Sieg, so hätte es sich gelohnt. Jetzt aber herrscht der Tod. Machtlos stehst du da. Es gibt nichts mehr, was du tun könntest. Es ist vorbei. Geh nach Hause. Der Sabbat beginnt. Der sechste Tag ist zu Ende. Du hast alles getan und alles gegeben. Du hast mutig gekämpft und noch tapferer gelitten. Du bist gefallen und wieder aufgestanden. Du bist Schritt um Schritt mit mir gegangen und warst die ganze Zeit bei mir. Lauf nach Hause. Beeile Dich, denn gleich erscheint der Abendstern. Du hast geliebt und an die Liebe geglaubt, Du hast gehofft und Dich nach mir gesehnt, Du hast Dich hingegeben und erwartet, mich zu gewinnen. Du hast es gewagt, Dein Leben zu verwetten, und hast es für mich verloren. War denn alles umsonst? Ich muss Dich wegschicken – ohne Lohn und ohne Trost, ganz allein und ohne Auftrag. Das ist die letzte Station des Weges. Geh jetzt! Dieser Sabbat ist der längste Tag der Geschichte, es ist der letzte Deines Lebens. Warte auf mich.

Florian Kolfhaus, Via Dolorosa, Der Kreuzweg Christi, 14. Station, S. 75-76.

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