Ethik in der Wirtschaft

Kongress mit Wirtschaftsvertretern in Rom

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ROM, Freitag, 17. Juni 2011 (ZENIT.org/Radio Vatikan). - Mit ethischen Fragen der Wirtschafts- und Finanzwelt beschäftigt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenkrise ein internationaler Kongress des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, der am gestrigen Donnerstag in Rom begonnen hat. Unter den Teilnehmern sind außer Wirtschafts-, Sozialwissenschaftlern und Theologen auch Vertreter großer Bankhäuser wie der EZB (Europäischen Zentralbank), der HSBC und Goldman Sachs. Mitveranstalter des „Executive Summit on Ethics for the Business World“ sind u.a. das „Fidelis International Institute“ der Legionäre Christi und die Päpstliche Akademie der Wissenschaften.

Eröffnet wurde die dreitägige Veranstaltung im päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ am Donnerstagvormittag von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone sowie dem Präsidenten des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Peter Turkson. Bertone rief die Unternehmer auf, ihr Handeln nicht ausschließlich auf eine Profitsteigerung auszurichten. Der Unternehmer, der sich der katholischen Soziallehre verpflichtet fühle, müsse sich besonders in zwei neuen Feldern engagieren, so Kardinal Bertone. Zum einen mahnte er „neuen Schwung“ an, um „die vielen Ausgeschlossenen ins Unternehmen, in die Wirtschaft und in den Markt zurückzuholen“. Die andere große Herausforderung für Unternehmer sei heutzutage die Verwaltung gemeinsamer Güter wie Wasser, Energiequellen, das gemeinsame Kapital der Staaten und Gemeinden. Ohne das Stichwort „Privatisierung“ zu nennen, betonte Bertone, dass in einer komplexen Wirtschaft nicht einzig der Staat sich um solche gemeinsamen Güter kümmern könne: „Für eine gesunde Verwaltung derselben bedarf es solcher Unternehmer, die nicht als einziges Ziel den Profit vor Augen haben“.

In einem Volksentscheid hatten sich in Italien am Sonntag und Montag rund 95 Prozent der Abstimmenden gegen eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung ausgesprochen.

Zu den Vortragenden zählte auch das EZB-Mitglied Lorenzo Bini Smaghi. Er warnte in seinem Statement vor einer Schuldenstreckung gegenüber Griechenland. Es handle sich um ein „solventes Land“, ein teilweiser Schuldenerlass wäre „ein verheerendes Signal“, so der EZB-Banker im Vatikan, wie der Londoner „Telegraph“ in seiner Internetausgabe berichtet.